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dpa
Anklage gegen Ex-IKB-Chef Ortseifen
Mittwoch 1. Juli 2009, 18:15 Uhr

 

Anklage gegen Ex-IKB-Chef Ortseifen
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Düsseldorf (dpa) - Der Absturz der Mittelstandsbank IKB, mit dem die weltweite Finanzkrise Deutschland erreichte, soll in einem Strafprozess aufgearbeitet werden. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat den ehemaligen Bankchef Stefan Ortseifen (58) angeklagt.

Ortseifen wird der Kursmanipulation und der Untreue beschuldigt. Damit haben die Düsseldorfer Ermittler nach Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und Ex-West-LB-Chef Jürgen Sengera binnen weniger Jahre den dritten Vorstandschef aus dem Geldgewerbe ins Visier genommen.

Im Zentrum der Vorwürfe steht die berüchtigte Pressemitteilung der IKB vom 20.
Juli 2007. Darin heißt es, dass die Bank von den Turbulenzen auf dem US-Hypothekenmarkt weitgehend verschont bleibe und in diesem Bereich allenfalls mit Verlusten in einstelliger Millionenhöhe rechnen müsse. Der angestrebte Jahresgewinn werde aber erreicht. Nur eine Woche nach der Pressemitteilung stand die IKB wegen ihrer Fehlspekulationen kurz vor der Insolvenz und gab eine Gewinnwarnung heraus. Es kam zu erdrutschartigen Kursverlusten.

Ortseifen wurde fristlos gefeuert, drei weitere Vorstände mussten ebenfalls ihre Hüte nehmen. Als Hauptaktionärin der IKB musste die staatliche Förderbank KfW eine Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro zusichern. Inzwischen wurde die IKB für 115 Millionen Euro vom Finanzinvestor Lone Star aufgekauft. Dank der Anklage schöpfen nun auch die gebeutelten IKB-Aktionäre Hoffnung auf Schadenersatz. Mehr als 100 Aktionäre haben beim Düsseldorfer Landgericht Zivilklagen eingereicht.

Bei ihren Ermittlungen stießen die Staatsanwälte aber auch auf einen fragwürdigen Umgang mit dem Geld der Bank im privaten Bereich. Ortseifen ließ der Anklage zufolge die Dienstvilla, in der er wohnte, für 120 000 Euro verschönern.

Ein größerer Wintergarten, die Renovierung der Küche, die Einfriedung des Grundstücks, edle Lautsprecher-Boxen - all das zahlte die Bank, so die Staatsanwälte. Ortseifens Grundgehalt, das bei über 500 000 Euro gelegen haben soll, blieb den Ermittlungen zufolge von solcherlei Ausgaben unangetastet und auch eine höhere Miete wurde ihm nicht abverlangt. Für die Ankläger erfüllt das den Tatbestand der Untreue.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den gesamten damaligen IKB- Vorstand ermittelt, aber nur Ortseifen angeklagt. Zwei weitere Vorstände sollen mit Strafbefehlen davonkommen. Ortseifen lässt sich vom Frankfurter Rechtsanwalt Prof. Rainer Hamm vertreten. Der wollte die Anklage am Mittwoch nicht kommentieren.

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