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Berlin will Top-Modestandort werden von handelsblatt.com
Donnerstag 2. Juli 2009, 19:38 Uhr

 

Berlin will eine internationale Modemetropole werden. Mit Top-Ausstellungen will die Stadt zu den Standorten London, Paris und New York aufschließen. Doch für die richtig großen Designer ist Berlin viel zu provinziell, glauben einschlägige Kritiker.

BERLIN. Die fünf Jungs auf der Bühne heizen den Leuten im Saal mächtig ein und verwandeln die Berliner Columbia-Halle in eine Sauna. Die Fans springen, schwitzen und schreien die Zeilen des Erfolgshits mit: "Dance, dance, daaaaaance!"

Es ist kein normales Rockkonzert der schwedischen In-Band Mando Diao. Die Messe Bread & Butter (B&B) feiert ihre Rückkehr aus Barcelona nach Berlin. Und die ganze Modegemeinde feiert mit, dass die Schau für Freizeitkleidung zum ersten Mal in den Gebäuden des legendären Flughafens Tempelhof stattfindet - gegenüber der Columbia-Halle.

Berlin kämpft darum, sich als Deutschlands Modestandort
Nummer eins zu etablieren und zu den Metropolen London, Paris und New York aufzuschließen. "Hallo everybody, we are very proud that B&B is back", radebrecht Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit, bevor das Konzert beginnt. Und Messechef Karl-Heinz Müller fügt ein holpriges "Now we are back" hinzu.

Nun gibt es zwar bereits die "Mercedes (Xetra: 710000 - Nachrichten) -Benz Fashion Week" mit Modenschauen auf dem Bebelplatz und die große Designermesse "Premium" in Kreuzberg. Doch der Druck in der Öffentlichkeit auf Wowereit wuchs, den Flughafen Tempelhof wiederzubeleben, wo am 30. Oktober 2008 der letzte Flieger startete.

Und so vergab er das Gelände über die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) an die Modemesse, die nach dem schwindenden Erfolg in Barcelona nun in Berlin stattfindet. Wowereit nimmt dafür heftige Kritik anderer möglicher Nutzer in Kauf und schweigt zum Mietpreis, den B&B für das Gelände zahlt. Böse Zungen behaupten, es fließe überhaupt kein Geld und der Berliner Senat müsse in Tempelhof mehr investieren als die geplanten fünf Millionen Euro.

Die Branche indessen freut sich über das kilometerlange Gebäude. "Wir sind begeistert von den Hallen und hoffen, dass Tempelhof internationale Einkäufer nach Berlin holen wird", sagt Andreas Baumgärtner, Geschäftsführer von Marc O Polo. Er hat einen großen Stand aus weißlasiertem Holz in einen der riesigen Hangars gebaut, wo einst Düsenjets parkten, und noch einen zweiten unter dem mächtigen Dach des Flugvorfelds. Marc O Polo ist ebenso wie Nike und Adidas (Xetra: 500340 - Nachrichten) zurückgekehrt auf die Messe. Außerdem starten Firmen wie Universal Music neu ins Modegeschäft. Der Musikkonzern zeigt eine eigene Kollektion mit T-Shirts, die großen Bands wie Guns N Roses oder Led Zeppelin gewidmet sind.

Der Wirbel um Tempelhof überdeckt, dass die Hauptstadt gleichzeitig mit weiteren großen Veranstaltungen auftrumpft. Nur drei Kilometer entfernt, in den Backsteingebäuden des alten Postgüterbahnhofs am Gleisdreieck, läuft die "Premium", die neueste Designermode zeigt. Anita Tillmann und ihr Namensvetter Norbert Tillmann starteten 2003 mit 70 Kollektionen, heute sind es 878, die sie in den Hallen aus der Jahrhundertwende zeigen. Anders als B&B-Chef Müller haben sie die Gebäude für einen zweistelligen Millionenbetrag selbst gekauft. Sie sehen sich als Trendsetter für gehobene Kleidung. "Unsere Messe nutzen junge Labels, aber auch etablierte, als Sprungbrett für den europäischen Markt ", sagt Anita Tillmann. Außerdem setzt sie auf "grüne Mode", die Designer aus organischem Material nach den Prinzipien des fairen Handels herstellen.

Außerdem waren die Tillmanns an der Gründung der "Mercedes-Benz Week Berlin" beteiligt, die zum fünften Mal stattfindet. In einem großen Zelt auf dem Bebelplatz, direkt am Boulevard Unter den Linden, stöckeln die Models bis Samstag mit den neuesten Kollektionen über den Catwalk. Dazu gehören junge Marken wie Lala Berlin, aber auch etablierte Namen wie Hugo Boss (Xetra: 524550 - Nachrichten) und der Luxusdamenschneider Escada.

Trotz der vielen Anstrengungen in Sachen Mode ist Berlin für Wolfgang Joop noch zu provinziell: "Wirklich große Designer wie Karl Lagerfeld oder Giorgio Armani kommen doch nicht hierher."

Aber die Berliner lassen sich davon ihre Partylaune nicht verderben. Dafür feiern sie zu gerne: "Dance, dance, daaaaaance!"

 

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