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Dresden (ddp-lsc) Knapp zwei Monate vor der Landtagswahl kommt
die Affäre um den Umgang von Ministerpräsident Stanislaw Tillich
(CDU) mit seiner DDR-Vita nicht zur Ruhe. SPD-Generalsekretär Dirk
Panter forderte Tillich am Donnerstag auf, «noch vor dem
Landtagswahlkampf wirklich alle nötigen Informationen offen auf den
Tisch» zu legen. Kritisch äußerten sich neben den oppositionellen
Grünen und Linken auch der Direktor der Gedenkstätte
Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sowie der Dresdner Jurist
Christoph Jestaedt.
Tillich hatte am Mittwoch erstmals bekannt, auf einem
Erklärungsbogen 1999 zu seinem Amtsantritt als sächsischer
Minister
die Frage nach dienstlichen Stasi-Kontakten verneint zu haben Dies
habe sich für ihn aus der Logik des Erklärungsbogens ergeben. Er
sieht deshalb auch keinen Widerspruch dazu, dass er im November 2008
zwei dienstliche Stasi-Kontakte eingeräumt hatte.
Wegen Tillichs lange Zeit geheim gehaltener Antworten 1999
befindet sich der Freistaat im Rechtsstreit mit dem Magazin «Der
Spiegel» und der Tageszeitung «Die Welt» Im Herbst 2008 war der
50-jährige Regierungschef zunächst deshalb in die Kritik geraten,
weil er seinen Posten als für Handel und Versorgung zuständiger
Stellvertreter des Rates des Kreises Kamenz in früheren Lebensläufen
nicht ausdrücklich erwähnt hatte.
Linke-Landtagsfraktionsvize Klaus Tischendorf sprach von «vier
falschen Antworten» Tillichs auf dem Erklärungsbogen «Jeder andere
Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Sachsen wäre dafür hochkant
rausgeflogen», sagte er. Tischendorf zählte auf, dass Tillich nicht
nur seine Stasi-Kontakte verschwiegen, sondern auch seine Funktion
als Stellvertreter des Vorsitzenden des Rates des Kreises in Kamenz
nicht angegeben und seine Zugehörigkeit zur DDR-Nomenklatur sowie
sein Kreistagsmandat für die Blockpartei CDU geleugnet habe.
Regierungssprecher Peter Zimmermann hatte indes bereits im Mai
kein Versäumnis Tillichs gesehen Das Mandat sei notwendig gewesen,
um Mitglied im Rat des Kreises zu sein - und jene «höchste
ausgefüllte Position» habe Tillich angegeben.
Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau sagte, Tillich könne nun
«nicht einmal mehr überzeugend den Vorwurf zurückweisen, den
Fragebogen sachlich falsch ausgefüllt zu haben» Er habe «den
richtigen Zeitpunkt verpasst, reinen Tisch zu machen». Dabei wäre er
«bei der Mehrheit der Sachsen mit einer offenen und ehrlichen Linie»
auf Verständnis gestoßen.
Der Dresdner Verwaltungsrichter Jestaedt sagte, Tillich «hätte die
dienstlichen Treffen mit den Stasi-Leuten natürlich angeben müssen»
Dem Historiker Knabe zufolge ist Tillichs Problem nicht, dienstlich
Stasi-Besuch bekommen zu haben, sondern wie er damit umgehe - und
dass er «offenbar im Fragebogen nicht wahrheitsgemäß geantwortet»
habe. Der SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle sprach von einem
Zusammenbruch der Glaubwürdigkeit Tillichs.
Das Verwaltungsgericht Dresden hatte beim Rechtsstreit mit dem
«Spiegel» keine Auskunftspflicht zum Stasi-Fragenkomplex gesehen
Nach der Beschwerde des Magazins ist der Fall vor dem sächsischen
Oberverwaltungsgericht anhängig. Im Eilverfahren der «Welt» hatte das
Verwaltungsgericht den Beteiligten eine Entscheidung bis Mitte Juli
angekündigt. Am 30. August wird ein neuer Landtag gewählt.
(ddp)
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