|
New York (BoerseGo.de) - Eigentlich war die Wall Street heute schon in Urlaubs- und Feiertagsstimmung. Immerhin wird morgen schon der Independence Day gefeiert (eigentlich 4. Juli), der US-Feiertag an sich. Die Feier - und die verkürzte Handelswoche - wurden aber gründlich durch die grottenschlechten Arbeitsmarktdaten verdorben. Da bereits vorfeiertagliche und urlaubsbedingte Nachrichtenstille herrschte (und die bislang schwächsten Umsätze des Jahres) konzentrierte sich der Markt voll auf den hässlichen Arbeitsmarktbericht vom Mai, der kurz vor Börsenstart veröffentlicht wurde. "Die sehr dünnen Feiertagsumsätze haben den heutigen Rückschlag
noch verstärkt", erklärten Jonathan Corpina, Senior Managing Partner beim Vermögensverwalter Meridian Equity Partners, und andere Fondsmanager.Gestärkte Zweifel Die Fakten: Die Zahl der Arbeitsplatzverluste sprang im Juni wieder auf 467.000 zurück (Vormonat: minus 322.000 Jobs, Konsenserwartung: minus 367.000, die Januarspitze lag bei 700.000). Die Arbeitslosenrate stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent. Ein Report einer privaten Einrichtung zeigte zwar bereits gestern eine schwache Entwicklung, dennoch reagierte die Wall Street sehr verstimmt. Die heutigen Jobdaten zeigen, dass die Unternehmen immer noch massiv Kosten einsparen, um schlanker und effizienter zu werden. Sie sind aber ein schlechtes Omen für den Konsum und stärkten damit wieder die Zweifel an einer zügigen Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Wenig Trost spendeten die gleichzeitig gemeldeten wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen, die kaum Fortschritte brachten. Die Zahl der neuen Arbeitslosenmeldungen fiel auf 614.000 (Vorwoche: 630.000, Konsenserwartung: 615.000). Die Zahl der kontinuierlich gemeldeten Empfänger von Arbeitslosengeld ging auf 6,702 Millionen zurück (Vorwoche: 6,738 Millionen). Wenig trösten ließ sich die Wall Street auch davon, dass die Auftragseingänge der US-Industrie im Mai wieder um 1,2 Prozent stiegen (April: plus 0,5 Prozent). Laut Reuters war dies der stärkste Anstieg bei den Auftragseingängen seit fast einem Jahr. Die Aufträge für Investitionsgüter, also Computer und Maschinen, sprangen sogar um 4,7 Prozent. Zu den Pluspunkten des Tages gehörte auch das Öl, das um fast vier Prozent billiger wurde, und die Zinsen für Staatsanleihen, die ebenfalls wegen der konjunkturellen Enttäuschung zurückgingen. Beides entlastet Unternehmen und Verbraucher (weil die Hypotheken an die Staatsanleihen gekoppelt sind) und stärkt wiederum die Hoffnung auf den Aufschwung. Vor dem Szenenwechsel Kommende Woche gibt es allerdings einen Szenenwechsel. Dann verschiebt sich das allgemeine Interesse von der Gesamtwirtschaft zur Unternehmensebene. Kommenden Mittwoch startet der Aluminiumriese Alcoa inoffiziell die Berichtssaison für das zweite Quartal. Dann wird es sich zeigen, ob es den Unternehmen wenigsten gelang, mit ihren dramatischen Einsparungen, die sich auch in den heutigen "Entlassungszahlen" widerspiegeln, die Gewinnmargen kräftig aufzupolieren.
Gestern sagte jedenfalls Jeff Saut, Chef Investment Stratege beim Broker Raymond James. "Die Produktivität steigt dramatisch, weil die Unternehmen die Kosten drastisch senken. Das bedeutet, wenn die Nachfrage wieder steigt - und man sieht allmählich Anzeichen davon - dann werden sich die Gewinne stärker erholen als die Leute denken", so Saut. Bereits in Q1 hatten viele Unternehmen die Gewinnerwartungen übertroffen, trotz der schwachen Umsätze, weil sie ihre Kosten noch stärker gedrückt hatten. Konjunktur-Blues Heute aber pflegte die Wall Street wieder den Konjunktur-Blues:
Der Dow Jones Industrial Average verlor 2,63 Prozent auf 8.280 Punkte, der - für den breiten US-Aktienmarkt repräsentative - S&P 500 rutschte 2,91 Prozent auf 896 Punkte und der technologielastige Nasdaq Composite Index fiel 2,67 Prozent auf 1.796 Punkte. Vergleich zur Vorwoche Dow Jones minus 1,87 Prozent
S&P 500 minus 2,44 Prozent
Nasdaq minus 2,27 Prozent Damit schlossen Dow Jones sowie S&P 500 die 3. Verlustwoche in Folge ab. Eine Reaktion darauf, dass die Erholung seit Wochen nicht so recht vorankommt. Vergessen wurde aber die gestrige Serie der Einkaufsmanagerindizes, die für China eine Beschleunigung des Wachstum der Industrieaktivität signalisieren und für die USA, die Eurozone und Großbritannien eine Verlangsamung des Rückgangs. Bereits am Montag hatte Jeff Immelt, der CEO des riesigen Mischkonzerns General Electric, verkündet, die Abschwungsphase sei vorbei. Dow Jones Average: Eine Coke kann sich jeder leisten Das Blue Chip Barometer erinnerte an eine Kardinals-Konzil, alle in rot Tops: Fehlanzeige Am glimpflichsten kam noch Coca Cola davon mit einer Einbuße von 0,6 Prozent auf 48,88 Dollar. Eine Coke kann sich jeder leisten, auch in der Rezession. Flops: Der Flop des Tages war wie so oft Alcoa, heute mit minus 4,7 Prozent auf 9,86 Dollar. S&P 500: Gegen den Trend Tops: Die Airline-Titel flogen heute gegen den allgemeinen Wall Street-Trend. Teilweise könnte das am sinkenden Ölpreis liegen, der die Kostenrechnung entlastet. Für Aufwind sorgte aber auch Morgan Stanley. Die New Yorker hoben Continental Airlines von "Gleichgewichten" auf "Übergewichten" an, mit Kursziel 12 Dollar. Continental Airlines kletterte 6,2 Prozent auf 9,79 Dollar. Gleichzeitig startete Morgan Stanley die offizielle Beobachtung der Delta Air Lines ebenfalls mit dem Rat "Übergewichten", mit Kursziel 9 Dollar. Delta Air Lines stieg 0,5 Prozent auf 5,88 Dollar. US Airways gewann 2,1 Prozent auf 2,46 Dollar. Flops: Der Banken ETF Financial Select Sector SPDR verlor 3,5 Prozent. Die heutigen Jobdaten sind ein schlechtes Omen für den Konsum. Befürchtet wird, dass die Arbeitsplatzverluste die erhoffte Erholung des Konsums abbremsen. Darunter litten besonders die Einzelhändler. Der Kaufhausbetreiber Macy's verlor 6,3 Prozent auf 11,00 Dollar.
Sein Branchenkollege J.C. Penney minus 4,6 Prozent auf 27,28 Dollar.
Der Wal-Mart Rivale Target minus 3,2 Prozent auf 37,45 Dollar.
Der Elektronik-Discounter Best Buy minus 5,3 Prozent auf 32,08 Dollar.
Der Fahionhändler Gap minus 4 Prozent auf 15,39 Dollar.
Der Fahionhändler Nordstrom minus 7,1 Prozent auf 18,63 Dollar.
Der Juwelier Tiffany & Co. minus 6,3 Prozent auf 24,29 Dollar. Wal-Mart kam mit minus 1,2 Prozent auf 47,79 Dollar
glimpflich davon. Bislang hat sich der Discountriese dank aggressiver Preise gut geschlagen. Der private Jobvermittler Monster Worldwide (Monster.com) trudelte 7,9 Prozent auf 11,06 Dollar. Nasdaq: Ausgleichende Gerechtigkeit? Apple verlor 2 Prozent auf 140,02 Dollar. Bislang haben sich die Kalifornier der Rezession widersetzt, heute gab es aber wieder Zweifel daran.
Der Smartphone-Rivale Research in Motion, Hersteller des Smartphones BlackBerry, bröckelte lediglich 0,4 Prozent auf 69,71 Dollar. Die Aktie hatte aber in den vergangenen Wochen der Konkurrenten Apple deutlich underperformed. Ausgleichende Gerechtigkeit?
Palm fiel 3,6 Prozent auf 15,75 Dollar. Die Aktie hatte allerdings in den vergangenen Wochen eine formidable Rallye hingelegt Der Philadelphia Semiconductor Sector Index, der 19 Halbleiter-Titel erfasst, büßte 1,2 Prozent auf 263 Punkte ein. Cisco kam mit minus 1,6 Prozent auf 18,50 Dollar glimpflich davon. Das verdankt der Riese im Geschäft mit der Internet-Infrastruktur (Router und dergleichen) wohl der Deutschen Bank. Die Frankfurter starteten jedenfalls die Beobachtung des Technologieriesens mit einer Kaufempfehlung und dem Kursziel 26 Dollar. Der Technologiegigant sei Gewinner der zunehmenden Vernetzung des PCs über das Internet und des wachsenden Videostroms. Microsoft - vor kurzem noch der Darling der Wall Street - verlor 2,8 Prozent auf 23,37 Dollar. Vor kurzem startete Microsoft, die Suchmaschine Bing, um damit die Vormachtsstellung von Google anzugreifen. Analystin Marriane Wolk von der Wall Street Firma Susquehanna Financial Group äußert sich heute dazu skeptisch und vermutet, dass die Leute bislang vorwiegend aus Neugierde Bing angeklickt hatten. Take-Two Interactive zählte zu den wenigen Gewinnern des Tages mit einem Plus von 1,1 Prozent auf 9,84 Dollar. Das verdankt der Anbieter von PC-Spielen auch dem Broker Kaufman Brothers. der die Unterhaltungs-Elektronikfirma von "Halten" auf "Kaufen" aufwertete und das Kursziel von 8 Dollar auf 14 Dollar katapultierte. Die New Yorker könnten im Geschäftsjahr 2010 solide Gewinne aus dem Ärmel schütten und das bereits auch ohne die Markteinführung einer neuen Version ihres Block Busters "Grand Theft Auto". Dieses PC-Spiel würde noch nicht im Geschäftsjahr 2010 auf den Markt kommen. Der Spielentwickler verringere seine Abhängigkeit von "Grand Theft Auto" durch attraktive Produkte wie Bioshock 2, Red Dead Redemption, Agent and Mafia II. Internet: Wal-Mart der nächsten Generation? Amazon.com verlor 2,8 Prozent auf 79,32 Dollar. Dort belastete auch ein negativer Analystenkommentar. Der Broker Broadpoint/Amtech startete heute die offizielle Beobachtung nur mit "Neutral" und Kursziel 87 Dollar und riet aktuell vom Kauf der Aktie ab. Der Aktienkurs reflektiere ein Umsatz- und Gewinnmargenwachstum, das nicht sicher sei.
Am Dienstag erklärte dagegen der Broker Cowen, Amazon.com gewinne laufend Marktanteile und sei der Wal-Mart der nächsten Generation. Cowen geht davon aus, dass der E-Commerce-Pionier den breiten Markt in den kommenden 12 Monaten um 25 Prozent schlägt ("Outperform"). Der Rivale Ebay fiel 2,6 Prozent auf 39,92 Dollar. Die Online-Videothek Netflix verbilligte 1,7 Prozent auf 39,92 Dollar. Die leichte Outperformance ist wohl dem Broker Stifel Nicolaus zu verdanken, der die Beobachtung wieder aufnahm mit "Kaufen" und Kursziel 53 Dollar. Google büßte 2,5 Prozent auf 408,49 Dollar ein.
Yahoo rutschte 2,7 Prozent auf 14,99 Dollar.
Baidu, Chinas Marktführer bei den Suchmaschinen, sank 1,9 Prozent auf 289,50 Dollar. China ist zwar weit von den US-Problemen entfernt. Vergessen. Öl: Unter dem Druck der Jobdaten Die schwachen Jobdaten drückten auch auf den Ölpreis, der sich - wie in jüngster Zeit gewohnt - in gleicher Richtung wieder der Aktienmarkt entwickelte. An der New York Mercantile Exchange verbilligte sich der August-Kontrakt für Crude um 2,58 Dollar, also knapp 4 Prozent, und schloss auf 66,73 Dollar. Gold: Im Gleichschritt mit dem Aktienmarkt Das Gold schloss sich heute dem Aktienmarkt an. Der Gold-Kontrakt für August verbilligte sich heute an der New York Mercantile Exchange um 10,80 Dollar und schloss auf 930,50 Dollar. Nachbörslich pendelte das Edelmetall bei 930,65 Dollar. Ausblick: Start der Berichtssaison Q2 Montag:
16:00 Uhr ISM Einkaufsmanagerindex Dienstleistungen vom Juni Dienstag: Mittwoch:
16:35 Uhr Ölvorräte der Vorwoche
Quartalszahlen: Alcoa (inoffizieller Start der Berichtssaison) Donnerstag:
14:30 Uhr Arbeitslosenmeldungen der Vorwoche
Quartalszahlen: Chevron Freitag: XC0009694271
Weitere Nachrichten von BörseGo auf Yahoo! Finanzen |