Der deutsche Aktienmarkt fällt weiter zurück. An der Wall Street waren die Kurse zum Handelsende tief ins Minus gerutscht. Heute warten die Anleger gespannt auf die Arbeitsmarktdaten aus den USA. Die könnten am Nachmittag für Bewegung sorgen.
HB FRANKFURT. Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag an die Verluste der vergangenen drei Handelstage angeknüpft. Marktteilnehmer verwiesen als Hauptbelastungsfaktor auf die US-Arbeitsmarktdaten am Nachmittag. Der Dax fiel um 0,79 Prozent auf 5.510,73 Punkte. Am Vortag war er nach enttäuschenden US-Daten um 2,31 Prozent schwächer aus dem Handel gegangen. Für den MDax (Xetra: Nachrichten) mittelgroßer Werte ging es um 1,72 Prozent auf 7 074,00 Punkte abwärts und der TecDax fiel um 2,29 Prozent auf 721,75 Zähler. Die Augen der Marktteilnehmer seien auf den US-Arbeitsmarktbericht
für September gerichtet, der am Nachmittag anstehe, sagte ein Börsianer. Zuletzt hatten deutlicher als erwartet gestiegene Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und enttäuschende Monatsdaten des Arbeitsmarktdienstleisters ADP für den Privatsektor für Kursverluste gesorgt. "Das erhöht die Unruhe vor dem heutigen Bericht", sagte der Händler. Bankenwerte gehörten zu den größten Verlierern. Marktteilnehmer verwiesen auf den Stresstest der EU bei 22 führenden Kreditinstituten. Danach könnten europäische Großbanken wegen der Finanzkrise im schlimmsten Fall Verluste von bis zu 400 Mrd. Euro einfahren. Das ergab ein sogenannter Stresstest der EU bei 22 führenden Kreditinstituten. Die Titel der Deutschen Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) sackten um 2,34 Prozent auf 49,805 Euro ab. Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) gaben 3,10 Prozent auf 8,13 Euro ab. Bei den Postbank-Aktien sorgten Aussagen zum Geschäftsverlauf für zusätzliche Belastungen. Die Papiere fielen um 2,17 Prozent auf 23,04 Euro zurück. Bankchef Stefan Jütte sieht sein Institut im dritten Quartal auf dem Weg der Besserung. Für konkrete Aussagen zum Ergebnis des dritten Quartals sei es aber naturgemäß noch zu früh, sagte Jütte am Vorabend auf einer Investorenkonferenz in London. Der Trend einer kontinuierlichen Verbesserung des Vorsteuerergebnisses setze sich aber auch im dritten Quartal fort, auch wenn ein bereits positives Vorsteuerergebnis noch nicht sicher sei. Aus derzeitiger Sicht gehe die Postbank davon aus, dass die Belastungen aus der Finanzkrise im dritten Quartal weiter abgenommen hätten. Am Markt wird einem Börsianer zufolge mit einem ausgeglichenen Ergebnis gerechnet - somit lägen die Aussagen von Jütte wohl im Rahmen der Erwartungen. Die Aktien der deutschen Autobauer entwickelten sich nach US-Absatzzahlen vom Vorabend uneinheitlich. Das Auslaufen der US-Abwrackprämie "Cash for Clunkers" im August hat am US-amerikanischen Automarkt im September für einen deutlichen Absatzrückgang gesorgt. Dabei kamen die deutschen Autobauer vergleichsweise glimpflich davon. VW , BMW (Xetra: 519000 - Nachrichten) und Porsche (Xetra: POR3.DE - Nachrichten) konnten gar zulegen, während der Daimler (Xetra: 710000 - Nachrichten) -Konzern einen weiteren Absatzrückgang hinnehmen musste. Ein Händler stellte vor allem den Absatzerfolg von BMW positiv heraus, die erstmals in diesem Jahr am US-Markt einen Anstieg im Jahresvergleich zeigten. Heino Ruland, Marktanalyst bei Ruland Research, sah die Entwicklung bei BMW auch langsam im Rahmen seiner positiven Erwartung. Daimler habe ihn dagegen weiter enttäuscht. Die Entwicklung bei VW ist aus seiner Sicht "OK". Die im Dax (Xetra: Nachrichten) gelisteten VW-Stammaktien setzten sich mit plus 0,79 Prozent auf 110,17 Euro an die Spitze des Leitindex. BMW gaben zwar 0,60 Prozent auf 32,215 Euro nach, entwickelten sich damit aber dennoch besser als der Gesamtmarkt. Daimler fielen indes um 0,85 Prozent auf 30,115 Euro und Porsche verbilligten sich um 1,78 Prozent auf 51,78 Euro. Tui (Xetra: TUAG00 - Nachrichten) -Papiere sackten um 4,01 Prozent auf 6,70 Euro ab. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtete, will die Bundesregierung trotz erheblicher Bedenken im Bundestag die milliardenschwere Bürgschaft für die Reederei Hapag-Lloyd noch am heutigen Freitag in einer Telefonkonferenz endgültig beschließen. Zusammen mit einer geplanten Kapitalspritze der Eigner wäre Deutschlands größte Reederei damit vorerst finanziell abgesichert, hieß es in dem Bericht. Ein Händler sagte dazu, dass bereits am Donnerstag am Markt spekuliert wurde, dass die Garantien erteilt werden. Aktien des Bezahlsenders Sky Deutschland verbilligten sich nach einem Analystenkommentar um 3,50 Prozent auf 3,31 Euro. Zuvor hatte die UBS (Virt-X: UBSN.VX - Nachrichten) die Papiere von "Buy" auf "Neutral" abgestuft und das Kursziel von 4,20 auf 3,80 Euro gesenkt. Der Analyst Polo Tang schätzt, dass Sky Deutschland im dritten Quartal weniger als 100.000 neue Kunden hinzugewonnen hat. Die US-Börsen sind am Donnerstag nach erneut überwiegend enttäuschenden Konjunkturdaten auf Talfahrt gegangen. Deutlicher als erwartet gestiegene Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe verstärkten die Unruhe vor dem an diesem Freitag anstehenden monatlichen Arbeitsmarktbericht, nachdem bereits am Tag zuvor die Monatsdaten des Arbeitsmarktdienstleisters ADP für den Privatsektor enttäuscht hatten. Hinzu kam noch, dass sich laut ISM die Stimmung der Einkaufsmanager für das Verarbeitende Gewerbe im September überraschend eingetrübt hatte. Der Nikkei-225 hat seine Vortagesverluste am Morgen deutlich ausgeweitet und ist auf den tiefsten Stand seit Ende Juli zurückgefallen. Vor allem der feste Yen sorge bei Kursen unter 90 Yen je Dollar weiter für Sorgenfalten, sagten Händler. Entsprechend stünden Titel exportorientierter Unternehmen weiter unter Druck. Zudem mehrten sich Befürchtungen, dass die Erholung der US-Wirtschaft an Schwung verliert. Der Euro hat sich seit dem Vorabend zum US-Dollar in einer Spanne zwischen 1,4550 und 1,45 Dollar seitwärts bewegt. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,4536 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagmittag auf 1,4539 (Mittwoch: 1,4643) Dollar festgesetzt.
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