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FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach der erwarteten Zinserhöhung am Donnerstag kein Signal für rasche weitere Erhöhungen im Kampf gegen die Inflation geliefert. Der Zinsschritt nach oben solle Zweitrundeneffekte verhindern und wirke den mittelfristigen Inflationsgefahren entgegen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Die Geldpolitik werde nach der heutigen Entscheidung zum Ziel der Preisstabilität beitragen. Die Risiken für die Preisentwicklung im Euroraum hätten sich zuletzt erhöht und seien nach wie vor aufwärts gerichtet. Auch das Geldmengen- und Kreditwachstum im Euroraum sei nach
wie vor kräftig. Dies sei ein wichtiges Signal für Inflationsrisiken.
TRICHET HÄLT SICH EHER BEDECKT "Wie nach einer Zinserhöhung in der Vergangenheit üblich, hat sich Trichet eher bedeckt gehalten", sagte Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) -Experte Christoph Balz. Die EZB habe sich alle Optionen für ihre künftige Geldpolitik offen gehalten. Gleichwohl sei ein weiterer Zinsschritt im laufenden Jahr möglich. Die Commerzbank sieht eine zusätzliche Erhöhung um 0,25 Punkte im September. "Allerdings gibt es hier noch einige Fragezeichen." So dürfte die Entscheidung für oder gegen eine weitere Zinserhöhung sehr stark von der weiteren Entwicklung von Inflation und Konjunktur im Euroraum abhängen. DekaBank-Ökonom Karsten Junius rechnet nach den jüngsten Trichet-Aussagen nicht mit einer raschen weiteren Zinserhöhung. Die EZB werde zunächst still halten. Eine weitere Erhöhung sei "frühestens im Oktober" möglich, wenn die Rohstoffpreise nicht bald sinken. Die EZB versuche mit möglichst wenig Zinserhöhung die Inflation möglichst stark zu dämpfen. Aus Furcht vor Inflationsgefahren habe die EZB die Zinsen wie erwartet leicht erhöht. WESTLB: ZINSGIPFEL WAHRSCHEINLICH ERREICHT Aus Sicht der WestLB ist der Zinsgipfel in der Eurozone wahrscheinlich erreicht. "Nach der heutigen Leitzinserhöhung besteht die Ungewissheit über den weiteren Kurs der EZB fort, weil es wie immer keine Vorfestlegung auf künftige Entscheidungen gab", betonen die Experten. Sicher sei nur, dass die Inflation vorerst hoch bleiben werde, bei wahrscheinlich abflauender Konjunktur. Die WestLB erwartet, dass die Konjunkturschwäche die EZB von weiteren Zinserhöhungen abhalten und im nächsten Jahr zu Zinssenkungen veranlassen wird. Unmittelbar vor der Zinserhöhung der EZB waren die warnenden Stimmen von Gewerkschaften und Politikern lauter geworden. Wegen der Abkühlung der Wirtschaft sorgen sie sich um ein Abwürgen der Konjunktur durch höhere Zinsen. Höhere Zinsen machen Kredite teurer und helfen im Kampf gegen die Inflation, die im Euro-Raum im Juni mit 4,0 Prozent auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro am 1. Januar 1999 geklettert war. Die Inflation ist damit gut doppelt so hoch wie mittelfristig von der EZB mit knapp zwei Prozent angestrebt. LANGWIERIGE PERIODE ERHÖHTER INFLATION Derzeitig durchlaufe die Eurozone eine langwierige Periode erhöhter Inflation, sagte Trichet. Diese dürfte wohl länger anhalten als noch vor ein paar Monaten angenommen vorhergesagt. Die Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht seien deutlich nach oben gerichtet. Sie hätten sich in den jüngsten Monaten weiter verschärft. Risiken seien weitere Preiserhöhungen bei Energie und Lebensmitteln. Zudem bestehe die Sorge, dass breit angelegte Zweitrundeneffekte zum Inflationsdruck beitragen könnten. Dies müsse vermieden werden. Mit Blick auf die realwirtschaftliche Entwicklung im Euroraum sprach Trichet von einem im Vergleich zum ersten Quartal schwächeren zweiten Quartal. Das Wachstum sei aber durch verschiedene Einflüsse stark verzerrt worden. Die EZB gehe weiter von einem anhaltenden moderaten Wachstum aus. Die Wachstumsrisiken seien weiterhin nach unten gerichtet und die Unsicherheiten nach wie vor hoch. Insgesamt erscheine das Wachstum aber als solide./jha/tw
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