Optimismus statt Depression, das zeichnet den wahren Entrepreneur aus. Statt über die Krise zu jammern, glauben die erfolgreichen Unternehmer daran, dass ihr Betrieb als Gewinner aus der Krise hervorgeht. Eine Exklusiv-Umfrage zeigt, wie Unternehmer die schwierigen Zeiten meistern.
DÜSSELDORF. Wenn die Konkurrenz in Panik verfällt, gehen erfolgreiche Unternehmer in die Offensive. Sie nutzen die Krise als Chance und treiben ihre Mitarbeiter zu Höchstleistungen an. "Echte Entrepreneure sind optimistischer als der Durchschnitt der Unternehmer. Sie glauben vor allem daran, dass ihr Unternehmen am Ende als Gewinner aus der Krise hervorgeht", sagt Wolfgang Glauner, Projektleiter für den Unternehmerwettbewerb "Entrepreneur des Jahres" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Die zusätzliche Motivation der Beschäftigten und eine schnelle Produktentwicklung gelten bei erfolgreichen inhabergeführten Unternehmen
als wichtigste Elemente der Krisenbewältigung. Das hat eine Umfrage zum Jahreswechsel unter den 65 Finalisten des Wettbewerbs aus dem Jahr 2008 ergeben. Sie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor. Ernst & Young befragte die Inhaber der Unternehmen dabei zu den Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf ihr Geschäft und zu ihren Strategien. Danach legen die Entrepreneure vor allem Wert darauf, in der Krise Know-how und Mitarbeiter nicht zu verlieren. 68 Prozent halten die Bindung der Beschäftigten für wichtig. Nachfragerückgängen wollen sie durch den Abbau von Urlaubsansprüchen und Überstunden, mit Zeitarbeit oder freiberuflicher Mitarbeit begegnen. "Die Entrepreneure sind sich bewusst, dass gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Abhängigkeit des Unternehmenserfolgs von der Arbeitsmoral ihrer Mitarbeiter abhängt", sagt Projektleiter Glauner. Alle Finalisten nannten die "zusätzliche Motivation der Mitarbeiter" als Reaktion auf die Krise. Dahinter rangiert mit 93 Prozent die "schnelle Umsetzung von Produktinnovationen" gleichauf mit der "Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit", "Sicherstellung einer ausgewogenen Kundenstruktur" und "Beibehaltung der Wachstumsorientierung". Ebenfalls hohen Zuspruch mit 87 Prozent erhielten die Aussagen "Intensivierung der Marktbearbeitung" und "Kostensenkung". Ernst & Young wählte die Finalisten nach den Kriterien Wachstum, Innovation, Engagement des Inhabers, Mitarbeiterführung und Nachhaltigkeit aus. Andere Mittelständler können sich daher an den Ergebnissen orientieren - sie gelten als Best-Practice-Ansätze. "Die erfolgreichen Entrepreneure übersteuern nicht. Sie bleiben bei ihren angestammten Kernkompetenzen und Geschäftsführungsprinzipien", sagt Experte Glauner. "Ihr Krisenmanagement bewältigen sie daher in erster Linie in den bereits etablierten Organisationsstrukturen." Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten ist bei den Best-Practice-Unternehmern fest verankert. Unterstützung von außen sehen verhältnismäßig wenige als notwendig an. Bevorzugt tauschen sich die Entrepreneure mit befreundeten Unternehmern aus (60 Prozent) oder holen Rat beim eigenen Aufsichtsrat ein (53 Prozent). Unter den externen Anbietern genießen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (jeweils 43 Prozent) die größte Wertschätzung. Bei Einsparungen achten die Inhaber darauf, die Belegschaft nicht zu demotivieren. "Beförderungen, Aus- und Weiterbildung oder firmeninterne Veranstaltungen schränken sie nach Möglichkeit nicht ein", sagt Glauner. Geringere Reise- und Tagungskosten gelten bei der Senkung der Personalkosten noch am ehesten als vertretbar. Um ihre Finanzierung zu sichern, wollen 73 Prozent der Befragten die Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern reduzieren. Dabei stehen die klassischen Aufgaben des Liquiditätsmanagements hoch im Kurs. 87 Prozent wollen das Forderungsmanagement verstärken, 81 Prozent den sonstigen betrieblichen Aufwand senken; jeweils 68 Prozent den Materialaufwand und das Working Capital. Einig sind sich die meisten Inhaber, dass neue Produkte wesentlich für den langfristigen Unternehmenserfolg sind. Nur zwölf Prozent wollen das Budget für Forschung und Entwicklung kürzen und sogar nur sechs Prozent Innovationen zurückstellen. Wichtig ist dabei allerdings die Marktorientierung - denn die Forschung muss sich rentieren: Einen hohen Stellenwert nimmt daher das Innovationsmanagement ein. Kürzere Entwicklungs- und Markteinführungszeiten halten 73 Prozent der Befragten für erstrebenswert, die gleiche Zahl plant ein stärkeres Innovationscontrolling.
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