Bei VW sollen ab 2013 Elektroautos vom Band rollen. Bis sich die Technologie durchsetzt, sei es aber noch ein langer Weg, warnte VW-Chef Martin Winterkorn auf der Handelsblatt-Autotagung - und kritisierte den eigenen Konzern und die deutsche Konkurrenz: Man habe das Thema zu lange liegengelassen. Zugleich präsentierte der VW-Chef die neuesten Absatzzahlen, die keinen Grund für Euphorie bieten.
HB DÜSSELDORF. Volkswagen (Xetra: 766400 - Nachrichten) will in vier Jahren mit Elektroautos in den Massenmarkt der Elektroautos einsteigen. "Wir werden unsere New Small Family rund um den Up nutzen, um ab 2013 die ersten E-Fahrzeuge anzubieten", sagte VW-Chef Martin Winterkorn bei der Handelsblatt-Autotagung in München. Up ist der Arbeitstitel einer neuen Reihe von Mini-Autos unterhalb des Polo (POLO.SN - Nachrichten)
, die VW zurzeit entwickelt. Der VW-Chef sieht langfristig große Chancen für das Elektroauto: "Es wird die Zukunft der individuellen Mobilität entscheidend prägen", sagte Winterkorn. VW wolle "spätestens in einem Jahrzehnt" nennenswerte Stückzahlen von reinen Elektroautos anbieten, sagte der Manager. Für das Jahr 2020 rechne man mit einem globalen Marktanteil von einem bis 1,5 Prozent an reinen Elektrofahrzeugen. Winterkorn beschrieb auch, was ein Elektroauto leisten muss: Der Kunde wolle "mit seinem Fahrzeug von München nach Hamburg kommen oder zumindest bis ins relativ nahe Österreich." Die Ladezeit dürfe nur ein bis zwei Stunden betragen und der Preis dürfe nur 2 000 Euro höher sein als beim Normalwagen. In diesem Zusammenhang warnte Winterkorn auch vor übertriebenen Erwartungen. "Der Weg zum Elektro (EKTR3.SA - Nachrichten) -Auto ist kein Sprint, sondern ein Marathon". Zentrale Probleme seien die Batterie, der Preis und die Infrastruktur, etwa flächendeckende Stromtankstellen. "Nur zur Einordnung: Allein der Preis für einen Batteriesatz, mit derzeit noch geringer Reichweite, liegt heute zwischen acht und zwölf Tausend Euro", sagte Winterkorn. Er machte auch klar, dass Benzin und Diesel auf lange Sicht noch die beherrschenden Treibstoffarten bleiben. Elektro alleine reiche nicht aus, sagte Winterkorn. Mittelfristig werde es einen Mix aus Antriebskonzepten geben, etwa hocheffiziente Verbrennungsmotoren, Erdgasfahrzeuge oder Hybride. Der VW-Chef kritisierte die eigene Branche. Zwar sei die deutsche Autoindustrie in Sachen Elektromobilität frühzeitig aktiv gewesen. Sie habe dann aber nicht konsequent genug weiter gearbeitet. "Und da schließe ich uns bei Volkswagen durchaus selbstkritisch mit ein." Die deutsche Autoindustrie dürfe sich beim Thema Elektromobilität nicht abhängen lassen. Als weltweit führend in dieser Technologie gelten asiatische Autobauer. Dennoch stehe die Autobranche stehe mit der Elektromobilität vor einem "fundamentalen technologischen Umbruch". "Unser Weg führt weg vom Öl, hin zu emissionsfreier Mobilität." In München präsentierte Winterkorn auch die neuesten Absatzzahlen. Demnach hat VW im ersten Halbjahr 2009 deutlich besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt. Der Konzern verzeichnete in den ersten sechs Monaten einen weltweiten Absatzrückgang von 5,1 Prozent. Der Weltmarkt dagegen sei um 18 Prozent eingebrochen, sagte Winterkorn. Im Juni habe der der Konzern sogar mit rund sechs Prozent im Plus gelegen. VW halte Kurs. Dies sei aber "kein Grund zur Euphorie". VW profitiert vor allem von der Abwrackprämie in Deutschland sowie von seiner Stärke in China. Ein genaues Absatzvolumen nannte der VW-Chef nicht. Aus einem Vergleich zum Vorjahreszeitraum ergibt sich aber für die ersten sechs Monate 2009 ein konzernweiter Absatz von rund 3,1 Millionen Fahrzeugen. Volkswagen gehe für 2009 aktuell von einem weltweiten Gesamtmarkt um die 47 Millionen Autos aus. Dies seien 12 Millionen Fahrzeuge weniger als 2007. Die Erholung werde Zeit brauchen. Der Konzern mit seinen mit sieben Pkw-Marken, darunter VW, Audi (Xetra: 675700 - Nachrichten) , Seat und Skoda, der VW-Nutzfahrzeugsparte und dem schwedischen Lkw-Bauer Scania will in den nächsten Jahren den japanischen Autobauer Toyota als Weltmarktführer ablösen.
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