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Berlin (ddp-bln) Ökomode wird noch immer häufig mit kratzigen,
naturfarbenen Materialien und sackartigen Schnitten in Verbindung
gebracht. Doch dieses Klischee widerlegen junge internationale
Designer auf der Berlin Fashion Week und zeigen auf gleich zwei
Modeveranstaltungen, wie vielfältig und schick ökologisch korrekte
Mode sein kann. Das Spektrum reicht dabei von alltagstauglicher Mode
aus dem mittleren Segment bis hin zu luxuriösen
High-Fashion-Kollektionen.
Edler Schick aus erstklassigen Stoffen ist im Green Showroom im
Hotel Adlon zu sehen Hochwertige Kollektionen für Alltag und
Freizeit sind hier ebenso vertreten wie
avantgardistische Brautmode.
Die Designerinnen Magdalena Schaffrin und Jana Keller haben den
Showroom ins Leben gerufen. Sie wollten das Nischendasein beenden,
das nachhaltige Mode auf den regulären Messen führt. Auf speziellen
Messen für Ökomode fühlten sie sich allerdings deplatziert. «Da
findet man teilweise wirklich noch den Jutesack», sagt Schaffrin.
An die 16 Designer, die im Green Showroom ausstellen, legt
Schaffrin strikte Maßstäbe an Die Materialien müssen ökologisch
produziert und fair gehandelt oder zumindest recycelt sein. Schaffrin
ist davon überzeugt, dass der Grünen Mode die Zukunft gehört, schon
weil man künftig bewusster mit Ressourcen umgehen müsse. Die
Wirtschaftskrise sieht sie dabei durchaus als Chance: «Die
Konsumenten überlegen genauer, wofür sie ihr Geld ausgeben und
entscheiden sich verstärkt für Qualität.»
Für die Veranstalterinnen geht es bei dem Stichwort Nachhaltigkeit
aber nicht allein um ökologische Mode, sondern um eine grundlegend
andere Lebenseinstellung, mit der sie dem schnelllebigen Zeitgeist
die Freude am Genuss entgegensetzen Deshalb präsentieren im Showroom
als Teil des Konzepts auch die Erfurter Chocolatiers von «Goldhelm»
ihre handgefertigten Pralinen. Die edlen Süßigkeiten sind aus
naturbelassenen Zutaten, weshalb sie sich anders als industrielle
Massenprodukte nicht länger als zwei Wochen halten. «Das ist ein
Genuss für den Augenblick», sagt Geschäftsführer Dirk Fromberger.
Auch bei thekeyto, der zweiten Veranstaltung, die sich
nachhaltiger Mode widmet, geht es nicht allein um ökologische
Herstellung von Kleidung. Neben dem Verzicht auf Pestizide beim Anbau
von Baumwolle, liegen den jungen Modemachern auch menschenwürdige
Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie am Herzen. Einige Label
verbinden mit ihrer kreativen Arbeit auch soziale Projekte, wie
beispielsweise das niederländische Label «Ideal & Co», das Menschen
in indischen Slums und Straßenkinder in Sao Paulo unterstützt und
fördert. Dennoch zählt auch hier der Schick. «Niemand kauft etwas
wegen des tollen Gedankens, der dahinter steht, sondern vor allem,
weil es ihm gefällt», sagt eine dänische Designerin, die Schuhe aus
recyceltem Material entwirft.
thekeyto soll künftig zweimal jährlich in Berlin stattfinden und
der Grünen Streetwear eine Plattform bieten. Die Initiatoren Frans
Prins und Gereon Pilz van der Grinten wollen, dass Green Fashion
irgendwann einmal kein Nischenprodukt mehr ist, sondern Standard.
Berlin ist ihrer Ansicht nach der richtige Ort, um eine solche
Entwicklung zu fördern. «Berlin ist derzeit die Stadt in Europa, wo
sich Kreativität entwickelt. Deshalb gehört eine Veranstaltung wie
unsere hierher.» Beide Modeplattformen verfolgen außerdem einen
weiteren neuen Ansatzpunkt: Am Samstag sind sie für das breite
Publikum geöffnet.
(ddp)
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