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Financial Times Deutschland
Überlebenskampf: Quelle vor der Zerschlagung von Annette Berger und Henning Hinze (Hamburg)
Freitag 3. Juli 2009, 21:05 Uhr

 

Auf das Fürther Tradionsunternehmen kommen harte Einschnitte zu. "Es wird drastische Maßnahmen geben müssen, die auch Arbeitsplätze kosten werden", sagte der für Quelle zuständige Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. "Wir schauen uns an, wo sich bei Quelle wie dauerhaft Rendite erzielen lässt und wo wir schneiden müssen." Im Moment gehe es am meisten um die Frage, von welchen Teilen sich Quelle trennen müsse, "weil wir deren Geschäft nicht mehr machen wollen", sagte Nerlich zur "Süddeutschen Zeitung". Bei Quelle arbeiten fast 10.000 Menschen.

Es gebe bereits erste Interessenten für eine Übernahme von Quelle. Der Insolvenzverwalter wolle
vor allem bei den Kosten ansetzen, um das Unternehmen verkaufsfähig zu machen. Noch in diesem Monat sollen erste Eckpunkte eines Sanierungsplans für Quelle vorliegen.

Gleichzeitig haben die Schlott-Gruppe und Prinovis den Druck des Hauptkatalogs für das insolvente Versandhaus gestoppt. Bislang sei nicht gewährleistet, dass der Druckauftrag auch bezahlt werde, sagte ein Schlott-Sprecher am Freitag FTD.de. Deshalb seien die Maschinen am Mittwoch angehalten worden. "Wir können nicht ins Blaue hinein liefern", sagte er.

Offenbar kann erst Ende nächster Woche Geld fließen. Ein Sprecher von Arcandor (Xetra: 627500 - Nachrichten) -Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sagte am Freitag, der Fürther Versandhändler werde erst am kommenden Donnerstag dank eines Massekredits wieder zahlungsfähig sein.

Der Insolvenzverwalter habe Schlott längst die Zahlung avisiert und zugleich in einem Brief vor den Schäden infolge der Verzögerung gewarnt. Diese gefährde die Überlebensfähigkeit von Quelle.

Die Aktie des Quelle-Mutterkonzerns Arcandor fiel zeitweise um 13,5 Prozent und erreichte bei 45 Cent ein Rekordtief. Am Nachmittag war das Papier 50 Cent wert.

"Wir mussten bereits am Mittwoch stoppen", sagte auch ein Sprecher von Prinovis auf Anfrage von FTD.de. Das Druckereiunternehmen gehört mehreren Verlagen, darunter Gruner + Jahr, dem Eigentümer der Financial Times Deutschland.

Prinovis habe am späten Mittwochnachmittag eine Notiz bekommen, wonach zwei an der

Produktion beteiligte Druckereien - Schlott und Print Forum - Eigentumsvorbehalte geltend gemacht haben. Das bedeutet: Prinovis durfte die angelieferten Katalogteile - vorproduzierte Bögen - nicht zur Weiterverarbeitung nutzen.

Das Unternehmen sei jedoch zuversichtlich, dass der Versandhändler den Druck des Katalogs zahlen werde. Denn Quelle sei stets ein guter Kunde gewesen, sagte der Sprecher. Es liege jedoch nicht in den Händen von Prinovis, wann man die Auslieferung fortsetzen könne.

Weniger entspannt sieht offenbar die baden-württembergische Druckerei Schlott die Lage. Hier mache man sich Sorgen, auf unbezahlten Rechnungen sitzen zu bleiben, zitierte "Focus-Online" Bernd Rose, den Vorstandschef der Druckerei. Sobald es eine Zusage vom

Insolvenzverwalter über die Bezahlung gebe, würden Druck und Auslieferung des Katalogs wieder aufgenommen, ergänzte der Schlott-Sprecher. Quelle sei seit Jahrzehnten ein guter Kunde.

Die Schwaben hätten bis Donnerstag auf Geld von Quelle gewartet, schreibt die Online-Ausgabe des "Focus". Vergeblich. "Wir haben noch keine Zusage", sagte der Schlott-Sprecher am Freitag. In Freudenstadt wird etwa ein Drittel der Gesamtauflage des Katalogs gedruckt. Der Rest wird bei Prinovis produziert.

Quelle braucht den Katalog - insgesamt neun Millionen Exemplare - dringend, um zu überleben. Erst zu Beginn der Woche hatte es so ausgesehen, als seien die größten Probleme für Quelle zumindest vorerst überstanden.

Denn in der Nacht zu Dienstag hatten sich Bund, Länder, Banken und der vorläufige Insolvenzverwalter Görg auf einen Massekredit von 50 Mio. Euro für Quelle geeinigt - unter der Voraussetzung, dass die Hausbank Valovis mit der Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) und der BayernLB die Forderungsverwertung für Quelle wieder aufnimmt. Die EU stimmte dieser Lösung am Dienstag zu.

Teil 2: Warum der Notkredit noch nicht ausgezahlt wurde

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte FTD.de am Freitag, Grund für Quelles Ärger mit den Druckereien seien Probleme mit dem Kreditvertrag. "Daran wird länger gearbeitet als erwartet", sagte der Sprecher Görgs. Der vorläufige Insolvenzverwalter sitzt derzeit mit Vertretern der KfW-Förderbank und der LfA Förderbank Bayern zusammen, die den Massekredit an Quelle auszahlen sollen.

Der Kredit soll dann als Sicherheit bei Quelles Hausbank Valovis hinterlegt werden. Im Gegenzug will die Bank das sogenannte Factoring wieder aufnehmen, bei dem sie die Forderungen von Quelle gegen seine Kunden mit Abschlag von Quelle kauft und dann selbst eintreibt. Dann käme Quelle wieder an Geld. An dem Verfahren sollen auch die Commerzbank und die BayernLB mitwirken.

Ursprünglich hatten die Gespräche schnell abgeschlossen werden sollen. Mitte der Woche hatte sich der Quelle-Mutterkonzern Arcandor zuversichtlich gezeigt, dass das Geld am Donnerstag oder Freitag ausgezahlt werden könnte und Quelle ab Montag beginnen könne, seine Lieferanten-Rechnungen zu begleichen, die nach dem Insolvenzantrag aufgelaufen waren. Wie hoch Quelles Außenstände sind, ist nicht bekannt.

Arcandor: "Das wird sich nächste Woche klären"

Die Sorge der Druckereien, dass Arbeiten nicht bezahlt würden, bezeichnete ein Sprecher der Quelle-Mutter Arcandor als "verständlich", aber unbegründet. Ein Teil der Auflage sei zudem bereits ausgeliefert. Arcandor gehe davon aus, dass die Valovis-Bank ihre Zahlungen an das Fürther Versandhaus in einigen Tagen aufnehmen wird. "Das wird sich nächste Woche klären. Dann läuft alles wieder normal", sagte der Sprecher.

Vor der Gewährung des Massekredits hatte der Versandhändler nur noch von der Gunst seiner Lieferanten gelebt. Denn Valovis hatte sich geweigert, Quelle durch das Factoring weiter mit Geld zu versorgen. Die Bank durfte den Vertrag kündigen, weil Arcandor und Quelle am 9. Juni Insolvenzantrag gestellt hatten.

Dass Quelle durch den Massekredit gerettet ist, wird unter anderem von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bezweifelt. Der CSU-Politiker hatte die Finanzspitze am Dienstag mit den Worten kommentiert: "Quelle hat die Chance, sich neu aufzustellen. Das Unternehmen ist mitnichten gerettet." Quelle-Chef Konrad Hilbers sprach dagegen von einer Rettung in letzter Minute. "Die Lichter wurden immer schwächer."

 

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