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Berlin (ddp-bay) Die CSU stößt mit harten Forderungen in der
Europapolitik bei CDU und SPD auf Widerspruch. Politiker von CDU und
SPD äußerten am Samstag die Befürchtung, dass mit den CSU-Plänen zum
deutschen Begleitgesetz zum EU-Reformvertrag über die Vorgaben des
Bundesverfassungsgerichtes hinausgegangen und der deutsche
Handlungsspielraum in Brüssel stark eingeengt wird. Die SPD warf der
CSU vor, sie gebärde sich europaskeptischer als die Linke.
CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer versuchte zu beschwichtigen und
sprach von «ersten Denkansätzen».
Die Karlsruher Richter hatten den Lissabon-Vertrag für
grundgesetzkonform erklärt,
aber mehr Mitsprache von Bundestag und
Bundesrat bei Europa-Themen angemahnt Dazu muss das deutsche
Begleitgesetz überarbeitet werden. Solange ist die Ratifizierung des
Vertrages durch Deutschland gestoppt.
Die CSU-Landesgruppe will bei ihrer Klausur im Kloster Banz am 14
und 15. Juli Leitlinien für ein neues Begleitgesetz beschließen.
Diese werden Ramsauer zufolge unter Beteiligung von Landes- und
EU-Politikern der CSU vorbereitet. Bei den aktuellen Äußerungen
handele es sich «nur um erste Denkansätze innerhalb der
CSU-Landesgruppe», sagte Ramsauer.
Stellungnahmen von Bundestag und Bundesrat zur Europapolitik
sollen nach CSU-Vorstellungen für die Bundesregierung künftig bindend
sein Nach den Worten von CSU-Chef Horst Seehofer soll die Zustimmung
Deutschlands zum EU-Reformvertrag zudem unter einem
«völkerrechtlichen Vorbehalt» stehen. Schließlich will die CSU dem
Bundesverfassungsgericht ein Prüfungsrecht für
Kompetenzüberschreitungen durch die EU einräumen. CSU-Generalsekretär
Alexander Dobrindt sagte: «Man wird uns sehr weit entgegenkommen
müssen, um die Zustimmung der CSU zu erhalten.»
Europapolitiker der Union sehen den CSU-Kurs mit Sorge Der
CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok sagte, in der CSU werde «völlig
überzogen» auf das Urteil aus Karlsruhe reagiert. Brok äußerte die
Befürchtung, «dass ausgerechnet Deutschlands Parlament so die
destruktiven Kräfte in Europa stärkt, all jene, die das Ende der
europäischen Einigung betreiben». Der scheidende
EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering (CDU) forderte, das
Begleitgesetz müsse überarbeitet werden «auf eine so ausgewogene
Weise, dass die europapolitische Handlungsfähigkeit der
Bundesregierung gewahrt bleibt».
Auch der Vorsitzende der CSU-Europagruppe, Markus Ferber, warnte
vor einer internationalen Isolierung Deutschlands, sollte die
Bundesregierung bei allen europapolitischen Entscheidungen die
Zustimmung des Bundestages einholen müssen «Das ist Unfug», dann
würde eben alles an Deutschland vorbei beschlossen, sagte Ferber. Den
von Teilen der CSU verlangten Vorbehalt nannte er abwegig. So etwas
kenne das Völkerrecht nicht.
Der Europaexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Axel Schäfer,
warnte, wer jetzt irreale Forderungen stelle, gefährde die
Handlungsfähigkeit Deutschlands und der EU Die Bundesregierung würde
in Brüssel zum «reinen Zaungast», sollte sie gezwungen sein, in allen
Einzelfragen die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat einzuholen.
Schäfer forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), »auf die
Querulanten der CSU einwirken«.
Ins Wanken könnte auch der Zeitplan kommen für die Nachbesserung
des Begleitgesetzes Es soll eigentlich am 26. August und 8.
September im Bundestag beraten und beschlossen werden, der Bundesrat
könnte am 18. September und damit noch vor der Bundestagswahl
zustimmen. Seehofer sagte dazu: »Gründliche Beratung hat Vorrang vor
Zeitdruck. Wir dürfen nicht hoppla-hopp machen, dafür geht es um zu
viel.«
(ddp)
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