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München (ddpdjn) Die Klagen häufen sich Ungezählte Autofahrer
reklamieren bei ihren modernen Dieselfahrzeugen verstopfte Rußfilter
und Leistungsverlust «Vor allem, wenn das Auto überwiegend im Stadt-
und Kurzstreckenverkehr benutzt wird, kann dies der Fall sein,
schildert Hans-Werner Wormer, Kfz-Fachmann beim TÜV Süd in München,
seine Erfahrungen Sogar Gerichte mussten sich schon mit der
technischen Malaise befassen, weil vergrämte Autobesitzer das nicht
hinnehmen wollten. Aktuell gibt es ein Urteil des Bundesgerichtshofes
(AZ VIII ZR 160/08), in dem das Nichtfunktionieren des
Partikelfilters
in Dieselfahrzeugen nicht als Mangel gewertet wird.
Wie kommt es aber zur Verstopfung, was können Autofahrer dagegen tun
und wieso ist es ein Auto-Märchen, den Filter mit Vollgasfahrten auf
der Autobahn freizubrennen?
Im Fahrbetrieb setzen sich zunächst die Poren des Partikelfilters
zu Dann wächst eine Rußschicht auf der Oberfläche des Filters Der
sogenannte Filterkuchen entsteht Dieser wird bei der Regeneration
verbrannt «Dabei handelt es sich um einen Vorgang, der bei
geregelten Systemen über die Motorsteuerung eingeleitet wird und der
vom Fahrer unbemerkt abläuft, erläutert ADAC-Mann Maximilian Maurer
die Feinheiten der Technik Allerdings wird aber für diese
Regeneration eine Temperatur von 500 bis 600 Grad im Abgassystem
benötigt. Im Stadtverkehr kommen Dieselfahrzeuge jedoch lediglich auf
rund 200 Grad. Die Folge: Die Regeneration findet nicht statt. Der
Filter verstopft. Durch den dann entstehenden Abgasgegendruck kommt
es zu Leistungsverlust.
TÜV-Fachleute sprechen von einer überwiegenden Nutzung eines Autos
im Stadtverkehr, wenn ungefähr 200 Kilometer hintereinander im
städtischen Bereich gefahren werden Bei Versuchen auf dem Prüfstand
hat sich gezeigt, dass ab diesem Zeitpunkt die Filter häufig beladen
sind und eine Regeneration eingeleitet wird Anzeichen dafür, dass
der Filter voll ist, gibt es nur bedingt
Warum, erläutert Michael Ebert, Experte für
Abgasnachbehandlungssysteme bei TÜV Süd Automotive: «Zunächst muss
zwischen geregelten und ungeregelten Systemen unterschieden werden
Bei geregelten Systemen wird je nach Hersteller durch eine
Signallampe angezeigt, dass nun eine Regeneration zu erfolgen hat
Bei den ungeregelten, meist nachgerüsteten Filtern, gibt es keinerlei
Warnsignale Spürbar wird eine volle Beladung allenfalls durch
Leistungsverlust Allerdings ist unter Fachleuten umstritten, ob sich
Nachrüstfilter überhaupt zusetzen, denn sie funktionieren angeblich
bereits bei 200 Grad, so dass es nicht zur Bildung des Filterkuchens
kommt So zumindest argumentieren einige Anbieter. Dabei darf aber
nicht übersehen werden, dass jegliche Nachrüstlösung nicht die
Filterwirkung eines geregelten Systems besitzt. Im Klartext: Die
vermeintlich unproblematischere Lösung wird andererseits mit einer
schlechteren Filterleistung bezahlt.
Die Wiederauffrischung hat je nach Herstellervorschrift in der
Werkstatt zu erfolgen oder durch ein vorgeschriebenes Fahrprofil In
jedem Fall sollten sich Fahrer von Diesel-Pkw idealerweise schon nach
dem Kauf des Fahrzeugs in der Betriebsanleitung das Kapitel
Partikelfilter genau anschauen Grundsätzlich hilft bei Fahrzeugen,
die überwiegend im Stadtverkehr bewegt werden, das Freifahren auf
Autobahnen oder Landstraßen Gerade in der Regenerationsphase muss
man dabei aber mit erhöhtem Kraftstoffverbrauch rechnen «Für das
Freifahren sollte man unbedingt die Hinweise der Hersteller in der
Betriebsanleitung beachten und nicht irgendeinem Tipp aus dem
Freundeskreis folgen, legt TÜV-Fachmann Ebert Diesel-Fahrern ans
Herz
Manche Hersteller schreiben aber auch das Aufsuchen einer
Werkstatt vor mit anschließendem Rücksetzen des Fehlerspeichers Aus
dem Reich der Automärchen stammt die Empfehlung, mal mit ordentlich
Vollgas über die Autobahn zu brettern Wenn Freifahren, dann
empfiehlt es sich, das Fahrzeug im mittleren Drehzahlbereich über
Landstraße oder Autobahn zu bewegen Schäden des Motors durch
häufiges Zusetzen des Filters sind normalerweise nicht zu befürchten
«Durch das Zusetzen des Filters steigt zwar der Abgasgegendruck und
somit auch die Belastung des Motors Solange jedoch nicht über
längere Zeiträume und regelmäßig mit verstopften Filtern gefahren
wird, sollte nichts passieren, beruhigt TÜV-Fachmann Wormer.
Angesichts dieser Tücken der Technik stellt sich rasch die Frage,
ob es sinnvoll ist, ein Diesel-Fahrzeug zu kaufen, wenn das Auto
überwiegend im Stadt- und Kurzstreckenverkehr genutzt wird Die
Ungewissheit kann man sich über eine einfache Rechnung beantworten:
Man stelle den Mehrpreis für die Anschaffung des Fahrzeugs und die
höheren Festkosten für Versicherung und Steuer dem niedrigeren
Kraftstoffpreis, dem niedrigeren Verbrauch und der Jahresfahrleistung
gegenüber «Damit ergibt sich aus wirtschaftlicher Sicht eine
eindeutige Aussage, ob die Anschaffung eines Dieselfahrzeugs lohnt
oder nicht, sagt ADAC-Mann Maurer
Von solchen Überlegungen unbehelligt verrichten Ottomotoren ihren
Dienst Bei Katalysatoren von Ottomotoren tritt das Problem nicht
auf Eine Verstopfung kann nur entstehen, wenn durch Schäden an der
Gemischaufbereitung der Monolith des Katalysators aufgrund zu hoher
Temperaturen oder durch mechanische Schäden zerstört wird und so den
Abgas-Durchfluss behindern würde
ddpdjn/nom/mwo
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