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Abgewürgt und schlapp - Wenn der Diesel an Verstopfung leidet --Von ddpdjn-Korrespondent Norbert Michulsky
Samstag 4. Juli 2009, 10:58 Uhr

 

München (ddpdjn) Die Klagen häufen sich Ungezählte Autofahrer reklamieren bei ihren modernen Dieselfahrzeugen verstopfte Rußfilter und Leistungsverlust «Vor allem, wenn das Auto überwiegend im Stadt- und Kurzstreckenverkehr benutzt wird, kann dies der Fall sein, schildert Hans-Werner Wormer, Kfz-Fachmann beim TÜV Süd in München, seine Erfahrungen Sogar Gerichte mussten sich schon mit der technischen Malaise befassen, weil vergrämte Autobesitzer das nicht hinnehmen wollten. Aktuell gibt es ein Urteil des Bundesgerichtshofes (AZ VIII ZR 160/08), in dem das Nichtfunktionieren des Partikelfilters
in Dieselfahrzeugen nicht als Mangel gewertet wird. Wie kommt es aber zur Verstopfung, was können Autofahrer dagegen tun und wieso ist es ein Auto-Märchen, den Filter mit Vollgasfahrten auf der Autobahn freizubrennen?

Im Fahrbetrieb setzen sich zunächst die Poren des Partikelfilters zu Dann wächst eine Rußschicht auf der Oberfläche des Filters Der sogenannte Filterkuchen entsteht Dieser wird bei der Regeneration verbrannt «Dabei handelt es sich um einen Vorgang, der bei geregelten Systemen über die Motorsteuerung eingeleitet wird und der vom Fahrer unbemerkt abläuft, erläutert ADAC-Mann Maximilian Maurer die Feinheiten der Technik Allerdings wird aber für diese Regeneration eine Temperatur von 500 bis 600 Grad im Abgassystem benötigt. Im Stadtverkehr kommen Dieselfahrzeuge jedoch lediglich auf rund 200 Grad. Die Folge: Die Regeneration findet nicht statt. Der Filter verstopft. Durch den dann entstehenden Abgasgegendruck kommt es zu Leistungsverlust.

TÜV-Fachleute sprechen von einer überwiegenden Nutzung eines Autos im Stadtverkehr, wenn ungefähr 200 Kilometer hintereinander im städtischen Bereich gefahren werden Bei Versuchen auf dem Prüfstand hat sich gezeigt, dass ab diesem Zeitpunkt die Filter häufig beladen sind und eine Regeneration eingeleitet wird Anzeichen dafür, dass der Filter voll ist, gibt es nur bedingt

Warum, erläutert Michael Ebert, Experte für Abgasnachbehandlungssysteme bei TÜV Süd Automotive: «Zunächst muss zwischen geregelten und ungeregelten Systemen unterschieden werden Bei geregelten Systemen wird je nach Hersteller durch eine Signallampe angezeigt, dass nun eine Regeneration zu erfolgen hat Bei den ungeregelten, meist nachgerüsteten Filtern, gibt es keinerlei Warnsignale Spürbar wird eine volle Beladung allenfalls durch Leistungsverlust Allerdings ist unter Fachleuten umstritten, ob sich Nachrüstfilter überhaupt zusetzen, denn sie funktionieren angeblich bereits bei 200 Grad, so dass es nicht zur Bildung des Filterkuchens kommt So zumindest argumentieren einige Anbieter. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass jegliche Nachrüstlösung nicht die Filterwirkung eines geregelten Systems besitzt. Im Klartext: Die vermeintlich unproblematischere Lösung wird andererseits mit einer schlechteren Filterleistung bezahlt.

Die Wiederauffrischung hat je nach Herstellervorschrift in der Werkstatt zu erfolgen oder durch ein vorgeschriebenes Fahrprofil In jedem Fall sollten sich Fahrer von Diesel-Pkw idealerweise schon nach dem Kauf des Fahrzeugs in der Betriebsanleitung das Kapitel Partikelfilter genau anschauen Grundsätzlich hilft bei Fahrzeugen, die überwiegend im Stadtverkehr bewegt werden, das Freifahren auf Autobahnen oder Landstraßen Gerade in der Regenerationsphase muss man dabei aber mit erhöhtem Kraftstoffverbrauch rechnen «Für das Freifahren sollte man unbedingt die Hinweise der Hersteller in der Betriebsanleitung beachten und nicht irgendeinem Tipp aus dem Freundeskreis folgen, legt TÜV-Fachmann Ebert Diesel-Fahrern ans Herz

Manche Hersteller schreiben aber auch das Aufsuchen einer Werkstatt vor mit anschließendem Rücksetzen des Fehlerspeichers Aus dem Reich der Automärchen stammt die Empfehlung, mal mit ordentlich Vollgas über die Autobahn zu brettern Wenn Freifahren, dann empfiehlt es sich, das Fahrzeug im mittleren Drehzahlbereich über Landstraße oder Autobahn zu bewegen Schäden des Motors durch häufiges Zusetzen des Filters sind normalerweise nicht zu befürchten «Durch das Zusetzen des Filters steigt zwar der Abgasgegendruck und somit auch die Belastung des Motors Solange jedoch nicht über längere Zeiträume und regelmäßig mit verstopften Filtern gefahren wird, sollte nichts passieren, beruhigt TÜV-Fachmann Wormer.

Angesichts dieser Tücken der Technik stellt sich rasch die Frage, ob es sinnvoll ist, ein Diesel-Fahrzeug zu kaufen, wenn das Auto überwiegend im Stadt- und Kurzstreckenverkehr genutzt wird Die Ungewissheit kann man sich über eine einfache Rechnung beantworten: Man stelle den Mehrpreis für die Anschaffung des Fahrzeugs und die höheren Festkosten für Versicherung und Steuer dem niedrigeren Kraftstoffpreis, dem niedrigeren Verbrauch und der Jahresfahrleistung gegenüber «Damit ergibt sich aus wirtschaftlicher Sicht eine eindeutige Aussage, ob die Anschaffung eines Dieselfahrzeugs lohnt oder nicht, sagt ADAC-Mann Maurer

Von solchen Überlegungen unbehelligt verrichten Ottomotoren ihren Dienst Bei Katalysatoren von Ottomotoren tritt das Problem nicht auf Eine Verstopfung kann nur entstehen, wenn durch Schäden an der Gemischaufbereitung der Monolith des Katalysators aufgrund zu hoher Temperaturen oder durch mechanische Schäden zerstört wird und so den Abgas-Durchfluss behindern würde

ddpdjn/nom/mwo

 

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