|
Berlin (ddp) Bundespräsident Horst Köhler hält die von der Union
geforderten Steuersenkungen unter bestimmten Bedingungen für machbar.
Im Sommerinterview der ZDF-Sendung «Berlin direkt» sagte Köhler laut
Vorabbericht: «Es ist möglich, wenn einige Dinge zusammenkommen.»
Eine Mehrheit der Deutschen sieht indes keinen Spielraum für
niedrigere Steuern, wie eine Umfrage ergab.
Köhler nannte als Grundvoraussetzung für mögliche Steuersenkungen,
«dass wir wieder eine wirtschaftliche Dynamik bekommen, die auch die
Steuereinnahmen verstärkt» Wichtig und richtig sei auch, dass jene,
die in der Produktion und für Innovationen stünden, «das
Gefühl
haben, ihre Anstrengungen, ihre Ideen werden belohnt». «Aber damit
will ich das Problem nicht klein reden», räumte Köhler mit Blick auf
die Dimension der Staatsverschuldung ein. Köhler forderte zugleich
ein einfacheres Steuersystem.
Vor allem Anhänger von Union und SPD seien diesbezüglich
skeptisch, machte die Chefin des Allensbach-Institutes, Renate
Köcher, derweil deutlich Demnach halten 52 Prozent der Bundesbürger
Steuersenkungen nicht für möglich, bei den Unions-Anhängern sind es
sogar 57 Prozent, bei den SPD-Anhängern 55 Prozent. Vielmehr glaubten
64 Prozent, dass die Steuern und Abgaben für die Bürger in den
nächsten Jahren sogar steigen werden, betonte Köcher. 25 Prozent
rechneten mit konstanten Lasten. Nur vier Prozent erwarteten sinkende
Steuern und Abgaben.
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) kritisierte die
Steuersenkungsversprechen von Union und FDP Es sei erstaunlich, dass
auch Politiker aus den Reihen der Union die Schuldenbremse
unterstützt hätten und «gleichzeitig über das Land ziehen mit
grandiosen Versprechen über zweistellige Milliardensenkungen der
Steuerbelastungen», sagte Steinbrück. Die Wahlversprechen der FDP
nannte der Minister «völlig irreal». Steinbrück fügte hinzu: «Da
fliegen einem die letzten Haare weg.»
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla schloss erneut eine
Mehrwertsteuererhöhung nach der Bundestagswahl aus «Ich gebe Ihnen
die Garantie, es wird keine Steuererhöhungen geben, es wird keine
Erhöhung der Mehrwertsteuer geben - weder des reduzierten noch des
vollen Mehrwertsteuersatzes», sagte Pofalla. Den von Ex-Kanzler
Gerhard Schröder (SPD) gegen die Union geäußerten Vorwurf der
Wahllüge wies Pofalla zurück. Schröder habe im Wahlkampf 2005 den
Eindruck erweckt, mit der SPD gebe es nie eine
Mehrwertsteuererhöhung. Anschließend hätten Union und SPD sie um drei
Prozent angehoben. «Von dem brauchen wir uns überhaupt nichts sagen
zu lassen», sagte Pofalla über Schröder.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU)
verteidigte die Steuerversprechen der Union «Steuersenkungen, vor
allen Dingen für Leistungsträger, führen auch zu mehr Wachstum»,
sagte Rüttgers. Kurzfristige Entlastungen seien allerdings nicht zu
erwarten, stellte der CDU-Bundesvize klar. Ein
Glaubwürdigkeitsproblem seiner Partei sieht der Ministerpräsident
dabei nicht: «Wir reden ja offen darüber, dass es schwer ist, diese
Summen aufzubringen.»
(ddp)
| |
|