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Financial Times Deutschland
Vorgehen gegen Kritiker: Deutsche Bank spioniert Verdi-Mann aus
Samstag 4. Juli 2009, 15:05 Uhr

 

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat die Deutsche Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) unter anderem den ehemaligen Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat, Gerald Herrmann, bespitzeln lassen. Dies gehe aus einem internen Prüfbericht der Anwaltskanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton hervor, der der Deutschen Bank seit Ende vergangener Woche vorliege, berichtete das Magazin. Ein Sprecher der Bank gab keine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Herrmann habe im Verdacht gestanden, Geschäftszahlen des dritten Quartals
im Jahr 2001 an eine Nachrichtenagentur gegeben zu haben, schreibt der "Spiegel". Im Jahr 2006 seien außerdem Vorstände bespitzelt worden, denen Kontakte zum ehemaligen Medienunternehmer Leo Kirch nachgesagt worden seien, hieß es weiter. Auch der kritische Aktionär Michael Bohndorf sei im Auftrag der Bank beschattet worden. Die Detektive hätten dabei Bewegungsprofile erstellt und untersucht, wann sich der Betroffene mit wem getroffen habe.

Die Betroffenen seien inzwischen von der Bank über die Maßnahmen informiert worden. Die Aufsichtsräte würden demnächst über die Ergebnisse der internen Prüfung unterrichtet.

Die Deutsche Bank war im Mai mit der Datenaffäre an die Öffentlichkeit gegangen und hatte mitgeteilt, die Unternehmensführung habe entsprechende Hinweise bekommen und eine Untersuchung eingeleitet. Eine externe Kanzlei werde die möglichen Verstöße prüfen. Zudem habe man die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin informiert, die eine eigene Untersuchung eingeleitet habe.

Ackermann hatte vollständige Aufklärung der Affäre zugesagt

Auf der Hauptversammlung wenige Tage später hatte Vorstandschef Josef Ackermann eine vollständige Aufklärung der Affäre zugesagt und erklärt, sein Institut verfolge hier eine "Null-Toleranz-Politik". Nach den bisher vorliegenden Fakten handele es sich um mögliche einzelne Verstöße, die schon einige Zeit zurücklägen. Ackermann versicherte zugleich, dass weder Kontendaten noch andere Kundeninformationen betroffen seien.

Die Bank arbeitete in Sicherheitsfragen mit unterschiedlichen Unternehmen zusammen, darunter Control Risks und Bühner Private Risk Advisors. Einer der Unterauftragnehmer war die von Ex-Stasi- Mitarbeitern geführte Firma Desa, die auch schon im Datenskandal bei der Deutschen Telekom (Xetra: 555750 - Nachrichten) eine Rolle gespielt hat, wie der "Spiegel" schreibt. In einer Sondersitzung sollen die Aufsichtsräte demnächst über die Ergebnisse der internen Prüfung unterrichtet werden.

 

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