Bei der Sanierung der angeschlagenen Bekleidungskette SinnLeffers durch den Gang zum Insolvenzgericht sollen möglichst viele der rund 4000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz behalten. Das Unternehmen werde sich "um jeden einzelnen Arbeitsplatz" bemühen, kündigte SinnLeffers-Geschäftsführer Patrick Feller in Hagen an. Zugleich bekannte sich der SinnLeffers-Eigner Deutsche Industrie-Holding (DIH) zum Fortbestand der Textilkette. "Wir streben keine Zerschlagung von SinnLeffers an", versicherte der Geschäftsführende DIH-Gesellschafter Peter Zühlsdorff. Durch die Sanierung könne ein "zukunftsfähiger Textileinzelhändler"
entstehen.
Als Hauptproblem von SinnLeffers gelten die hohen Mieten in den bundesweit 47 Filialen. Nach umfangreichen Restrukturierungsmaßnahmen und Kostensenkungen durch Vereinbarungen mit der Belegschaft seien die laufenden Mietzahlungen "noch ein wesentlicher Faktor, der die Liquidität und das Eigenkapital von SinnLeffers belastet", erklärte das Unternehmen. "Die Optimierung des Filialportfolios ist der Schlüssel, um SinnLeffers für Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner zukunftsfähig aufzustellen", unterstrich Feller.
Die Textilkette bestätigte zugleich, dass sie am Donnerstag beim Amtsgericht Hagen ein sogenanntes Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung beantragen wird. SinnLeffers nutze damit die rechtlichen Möglichkeiten, seine Geschäfte fortzusetzen und sich wirksam zu sanieren. Dazu wurde der Sanierungsexperte Detlef Specovius in die SinnLeffers-Geschäftsführung berufen. "Der Insolvenzplan ermöglicht es, die Zerschlagung eines in die Krise geratenen Unternehmens zu vermeiden und eine Neustrukturierung zu ermöglichen", erklärte Specovius. Durch die Eigenverwaltung behält die Geschäftsführung demnach während des Verfahrens die Hoheit über Unternehmensentscheidungen.
Über die Eröffnung des Verfahrens und die Eigenverwaltung entscheidet das Amtsgericht Hagen nach Firmenangaben voraussichtlich bis Anfang November. Der Geschäftsbetrieb werde zunächst in allen Filialen fortgesetzt, auch Forderungen von Lieferanten würden weiterhin bedient. Die Gehälter der Mitarbeiter seien bis Oktober durch Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit gesichert. Die Gewerkschaft Verdi sicherte ihre Unterstützung im Bemühen um den Erhalt der Stellen zu.
Die DIH hatte erst im Mai ihren Anteil an SinnLeffers auf 100 Prozent aufgestockt. Die Bekleidungskette war 1997 aus den traditionsreichen Textilunternehmen Sinn und Leffers entstanden. 2001 wurde der Modefilialist vom damaligen KarstadtQuelle-Konzern übernommen, der heute Arcandor heißt. Mit SinnLeffers ist nach dem Kaufhauskonzern Hertie und der Textilkette Wehmeyer bereits die dritte ehemalige Arcandor-Tochter in finanzielle Turbulenzen geraten.
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