Nach einigen Monaten mit teilweise deutlichen Passagierzuwächsen stehen Europas Fluggesellschaften an einem Wendepunkt. Die schwächelnde Wirtschaft und Preissteigerungen führen vor allem bei den alteingesessenen Airlines zu einer geringeren Nachfrage, während Billigflieger mit Kampfpreisen weiterhin neue Kunden anlocken.
HB DÜSSELDORF. Die größte europäische Fluggesellschaft Air France-KLM verbuchte im September lediglich ein Passagierplus von 0,5 Prozent, während die Auslastung der Flugzeuge um 1,4 Punkte auf 80,9 Prozent zurückging. Besonders dramatisch fiel der Rückgang im Frachtverkehr aus, wo das Volumen wegen der einbrechenden Nachfrage auf Asienstrecken um gut zwölf Prozent zurückging. Auch die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin schlug sich nicht viel besser. Die Zahl der Fluggäste schrumpfte im Vormonat um 3,1 Prozent. Das Unternehmen kürzt seit Monaten seine Kapazitäten, um die Erlöse stabil zu halten. Diese legten im September
durchschnittlich um gut zwölf Prozent zu. Auch die Deutsche Lufthansa (Xetra: 823212 - Nachrichten) verzeichnet bei den Buchungseingängen erste Auswirkungen der internationalen Finanzmarktkrise. "Die Krise auf den globalen Finanzmärkten kommt mittlerweile auch spürbar bei der Lufthansa an. Insbesondere rückläufige Vorausbuchungen bei den Geschäftsreisenden sind ein klarer Indikator für die Auswirkungen der Krise", sagte Lufthansa-Sprecherin Claudia Lange. Bei der skandinavischen Airline SAS schrumpfte das Verkehrsaufkommen wegen einer geringeren Nachfrage um knapp sieben Prozent. Die Auslastung der zur Hälfte den Ländern Schweden, Dänemark und Norwegen gehörenden Fluggesellschaft ging um gut sechs Punkte auf 69,6 Prozent zurück. SAS (Stockholm: SAS.ST - Nachrichten) ist nach dem Flugzeugunglück der spanischen Tochter Spanair zusätzlich unter Druck. Der Unfall werde das Ergebnis der Firma um etwa 500 Millionen Kronen schmälern. Nach einem anfänglichen Einbruch der Buchungen seien diese nun fast wieder auf einem normalen Niveau, hieß es in einer Mitteilung. Die deutlichesten Zuwächse im September verbuchten bislang Billigflieger wie Ryanair (Dublin: RY4.IR - Nachrichten) und easyJet. Sie hatten ihre Preise trotz des rasanten Anstiegs der Treibstoffkosten oft unverändert gelassen, während die traditionellen Fluggesellschaften vor allem in teureren Kategorien die Preise angehoben hatten um ihre Erlöse zu stabilisierten. Sowohl Ryanair als auch easyJet verbuchten im Vormonat ein Passagierplus von rund zwanzig Prozent. Der Rivale Aer Lingus meldete am Dienstag ein Plus von 3,7 Prozent. Die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa will ihre Verkehrszahlen am Freitag veröffentlichen. Ryanair-Chef Michael O'Leary erwägt derweil eine Billig-Fluggesellschaft für Langstrecken. Sollten im kommenden Jahr günstige Flugzeuge zur Verfügung stehen, könnte er sich die Gründung einer entsprechenden Schwesterngesellschaft vorstellen, sagte O'Leary. Ryanair werde nicht in die neue Fluggesellschaft investieren, aber Aktionäre der irischen Fluggesellschaft wären eingeladen sich zu engagieren. Sollte eine Fluggesellschaft Pleite gehen, könne es die Möglichkeit geben, im kommenden Jahr günstig an Langstreckenflugzeuge zu kommen, sagte O'Leary gegenüber Pressevertretern in London. "Sollten die Preise für Flugzeugflotten einbrechen, ist das eine echte Chance." Es werde keine direkte Verbindung zwischen Ryanair und der neuen Fluggesellschaft geben, außer dass der Langstrecken-Anbieter die Heimatflughäfen von Ryanair als Drehkreuze nutzen könnte. O'Leary hatte bereits in der Vergangenheit häufiger über Pläne für einen Billig-Langstreckenanbieter gesprochen, ohne Details zu nennen. Mehrere Fluggesellschaften mussten angesichts der hohen Ölpreise und der schwächelnden Konjunktur Insolvenz anmelden, Analysten halten Ryanairs Position jedoch dank niedrigerer Kosten und höherer Barmittelbestände als Konkurrenten für stark.
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