BMW ist in Feierlaune: Der Autobauer hat heute seinen neuen Hoffnungsträger X1 vorgestellt. Außerdem gab es gute Nachrichten im Hinblick auf Absatzzahlen und Kurzarbeit. So allmählich scheint der Tiefpunkt also erreicht zu sein.
LEIPZIG. Der BMW-Konzern greift mit dem X1 erstmals in dem wachsenden Markt der kompakten Geländewagen an. "Wir wollen mit dem Auto neue Kundengruppen gewinnen", sagt BMW (Xetra: 519000 - Nachrichten) -Personalvorstand bei der X1-Vorstellung in Leipzig. Die Münchener gehen davon aus, mittelfristig 50-60 000 X1 pro Jahr absetzen zu können. Damit greift BMW nach der Marktführerschaft im Segment der kleinen, kompakten Geländewagen. Das dominiert derzeit in Deutschland der VW Tiguan. Der X1 ist für BMW von besonderer Bedeutung. Der Startschuss
für das Modell erfolgte Ende 2006, wenig später rückte Norbert Reithofer an die Konzernspitze. Reithofer drängte auf eine schnelle und vor allem effiziente Entwicklung des Hoffnungsträgers. Während die großen X1-Brüder X3 und X5 noch weitgehend eigenständig entwickelt wurden, teilt sich der X1 Plattform und Komponenten mit der 1er- und 3er-Reihe. Auch hier orientiert man sich an dem Wolfsburger Marktführer Tiguan. Der ist für VW vor allem deshalb so erfolgreich, weil er auf die Plattform des VW Golf aufbaut. 2011 will auch Audi (Xetra: 675700 - Nachrichten) die Golfplattform nutzen, um mit dem Q3 ebenfalls einen kompakten Geländewagen in den Markt zu schicken. Als zehnte Konzernmarke denkt neuerdings auch Porsche (Xetra: POR3.DE - Nachrichten) über einen kleinen Offroader nach. Analysten sehen gute Chancen BMW, dem Tiguan Marktanteile abnehmen zu können. Die Münchener wollen das Auto zunächst in Europa, später in Asein anbieten. "Wir gehen davon aus, dass BMW weltweit 45 000 Autos absetzen kann", sagt Georg Stürzer von der Unicredit (Mailand: UCG.MI - Nachrichten) . "Der X1 verfügt über viele Gleichteile mit anderen Modellen und damit ein wichtiger Schritt zur Erreichung der von BMW angepeilten Margenziele" Die Münchener wollen bis 2012 wieder acht bis zehn Prozent operative Rendite im Autogeschäft erzielen. Im Krisenjahr 2009 wird dieser Wert bestenfalls bei Null liegen. "Wir bemühen uns, ein ausgeglichenes Jahresergebnis einzufahren", sagte Krüger, auf Nachfrage. In diesem Jahr wird der X1 BMW kaum noch helfen, die Auslieferungen beginnen erst Ende Oktober. Dennoch: "Das Auto kommt genau zur richtigen Zeit", sagt BMW-Manager Krüger. Außer dem Nischenmodell 5er GT hat die Marke in den vergangenen Monaten nicht viel zu bieten gehabt, die Absätze sind seit Jahresbeginn um zwanzig Prozent eingebrochen. Ein Auto, das bislang keinen Vorgänger in der Modellpalette hatte sorgt für zusätzlichen Schub, hofft man in München. Experten sind zuversichtlich. "Das Segment der kompakten Geländewagen ist ein Wachstumsmarkt", sagt Ulrich Winzen von der Marktforschungsagentur Polk. "Ein kompakter Geländewagen demonstriert Individualität", betont Winzen. Während sich ein Tiguan oder ein X1 ohne schlechtes Gewissen durch die Stadt fahren ließen, sei das bei größeren Modellen kaum mehr möglich. "Die größeren Offroader werden gesellschaftlich immer weniger akzeptiert", sagt Winzen. Seit Jahren brechen die Verkaufszahlen der schweren Geländewagen in Deutschland immer mehr ein. Die kompakten Offroader sind für Geländewagen ohnehin kaum noch zu gebrauchen. Anders als seine großen Brüder X3 und X5 wird der X1 auch ohne Allradantrieb angeboten, ein Konzept das bereits VW mit dem Tiguan verfolgt. Diese abgerüsteten "Softroader" verbrauchen nicht mehr als normale Kompaktwagen. So brüstet sich BMW, gleich zwei X1-Dienselvarianten anzubieten, die deutlich unter 140 Gramm C0-2 Ausstoß liegen. Für die Hersteller bleiben die gezähmten Softroader gleichwohl attraktiv. "Käufer von Geländewagen sind weniger preissensibel als die Kunden von Limousinen". Ein durchschnittlich ausgestatteter X1 dürfte mit 35 000 Euro zu Buche schlagen, damit ist BMW nur leicht über dem Preisniveau des Konkurrenten Tiguan. BMW hofft, in den kommenden Monaten das schlimmste überstanden zu haben. Im September legten die Absätze weltweit um 0,7 Prozent zu. Erstmals wurde in sämtlichen BMW-Autowerken die Kurzarbeit zurückgefahren. Arbeiteten im März noch 24 000 von 70 000 BMW-Beschäftigten kurz, so sank die Zahl im September auf unter 1000. Der X1 sichert zunächst einmal die Beschäftigung im erst 2005 eingeweihten BMW-Werk-Leipzig. Hier arbeiten 2600 Menschen, weitere 2100 bei Zulieferern und Dienstleistern, die unmittelbar in der Nähe zum Werk angesiedelt sind.
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