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Saarbrücken (ddp) Die Saar-CDU hat als erste der drei beteiligten
Parteien den Koalitionsvertrag für die Bildung einer
schwarz-gelb-grünen Landesregierung gebilligt. Rund 370 Delegierte
stimmten am Samstag auf einem Parteitag in Saarbrücken einstimmig für
die Annahme des Vertrags für die bundesweit erste «Jamaika»-Koalition
auf Landesebene. Zuvor hatte Ministerpräsident und CDU-Landeschef
Peter Müller die im Koalitionsvertrag enthaltenen Kompromisse
verteidigt und eine intensive Aufarbeitung der Landtagswahl zugesagt.
Müller bezeichnete die Koalitionsvereinbarung, die die Überschrift
«Neue Wege für ein modernes Saarland - den
Fortschritt nachhaltig
gestalten» trägt - in seiner gut einstündigen Rede als einen guten
und vernünftigen Vertrag, mit dem das Saarland seinen Weg als
«Aufsteigerland» fortsetzen könne Damit werde ein «neues Kapitel in
der Parteiengeschichte der Bundesrepublik» aufgeschlagen. Auf dieser
Basis sei es möglich, einen Prozess der «ökonomischen, ökologischen
und sozialen Modernisierung» zu gestalten.
Eine Chance dieser Koalition bestehe darin, «breitere
gesellschaftliche Mehrheiten» für diese Politik zu finden, als es in
einer rein bürgerlichen Koalition möglich gewesen wäre, sagte Müller
Damit könnten «neue Mehrheiten für politische Projekte» geschaffen
werden.
Müller räumte ein, dass es Kompromisse gegeben habe, «die wehtun,
die schmerzen, die sich abheben von dem, was wir in der Vergangenheit
vertreten haben» In einigen Sachfragen habe die Union Kompromisse
gemacht und bisherige Linien korrigiert. Aber die Grundsätze der CDU
seien «an keiner Stelle in Frage» gestellt worden. «Dieser
Koalitionsvertrag atmet die Grundwerte christlich-demokratischer
Politik» und sei deshalb zustimmungsfähig.
Die Aufgabe für die CDU heiße nun, «den Koalitionsvertrag
umsetzen, vertragstreu bleiben, und zugleich das eigene Gesicht der
CDU deutlich machen», unterstrich Müller Solange die CDU die
absolute Mehrheit gehabt habe, seien Regierung und Partei «im
Gleichschritt gegangen». Nun sei es notwendig, dass den Menschen
deutlich gemacht werde, wo es Kompromisse gab und was «CDU pur» sei.
Im Mittelpunkt der Aussprache stand die Bildungspolitik Müller
gestand zu, dass dies der Bereich sei, in dem «Veränderung am
deutlichsten sichtbar wird». Dabei habe sich die CDU mit der
Bestandsgarantie für das Gymnasium in einem wesentlichen Punkt
durchgesetzt. Auf Kritik stieß vor allem das fünfte Grundschuljahr
für alle Schüler, worin viele Kritiker eine Beschneidung des
Gymnasiums sahen. Müller sicherte den Delegierten zu, alle
Kritikpunkte seien notiert, «wir werden uns damit beschäftigen».
Zugleich kündigte er eine «intensive Diskussion» in der CDU über
den Ausgang der Landtagswahl an Am 30. August hatte die CDU 13
Prozentpunkte und damit die absolute Mehrheit, die sie seit 1999
innehatte, verloren.
Nach der CDU wollten am Sonntag auch FDP und Grüne auf Parteitagen
über den Koalitionsvertrag beraten und ihn beschließen Stimmen auch
die beiden anderen Partner zu, soll der Vertrag am Montag
unterzeichnet und Müller am Dienstag zum Ministerpräsidenten gewählt
werden.
(ddp)
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