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Während die Aktienkurse allerorten vor sich hin dümpeln, gibt es zumindest in einer Hinsicht Rekorde zu vermelden: Im ersten Quartal ist die Zahl der weltweit gelisteten Exchange Traded Funds (ETFs) wieder um fast zehn Prozent gestiegen. Die Anbieter haben auf die stetig steigende Nachfrage der Investoren reagiert und mehr als 100 neue der börsengehandelten Indexfonds aufgelegt. Inzwischen verzeichnet die Investmentbank Morgan Stanley in ihrem regelmäßigen "ETF Report" stolze 1280 ETFs, in denen 760,8 Mrd. Euro angelegt sind. Bis zum Jahr 2011, besagt die Prognose von Morgan (MGHL.PK - Nachrichten)
-Stanley (Berlin: SYC.BE - Nachrichten) -Analystin Deborah Fuhr, sollen es rund 2000 Mrd. $ sein. Allein für Europa geht die Deutsche Bank im gleichen Zeitraum von 150 Mrd. Euro Anlagevolumen aus.Das simple Prinzip "Das Interesse institutioneller und privater Anleger an ETFs hat in den letzten Jahren rasant zugenommen", sagt Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) . Kein Wunder, dass immer mehr Fondsgesellschaften den Markt für sich entdecken: Anfang April brachte die zur Sparkassengruppe gehörende Deka-Bank die Tochter "ETFlab" mit vorerst fünf Produkten in Stellung. Das Prinzip der Börsenfonds ist simpel: Ein Fondsmanager bildet den Kursverlauf eines Börsenindex mit einem Wertpapier-Portfolio nach. Der Aktienkorb wird dann permanent in Anteile gestückelt, die ihrerseits an die Börse kommen.
Umkämpfter Markt für IndexfondsWachstum Seit der Einführung von ETFs in Europa im Jahr 2000 hat sich das Anlagevolumen der börsennotierten Indexfonds sehr dynamisch entwickelt. Marktführer Größter europäischer Anbieter ist seit der Übernahme der Gesellschaft Indexchange im vergangenen Jahr BGI, die ihre ETFs unter dem Label iShares anbietet. Die gewissen Unterschiede ETFs verbinden so die Vorteile mehrerer Anlage-Instrumente. Sie sind ohne Ausgabeaufschlag an der Börse handelbar wie Zertifikate, unterscheiden sich aber in drei wesentlichen Punkten von den Anleihen: Erstens bekommen Anleger ETFs über mehrere konkurrierende "Market Maker", die jederzeit An- und Verkaufskurse stellen - und zwar unabhängig vom Emittenten. Zweitens sind ETFs streng reguliert, und ihre Zusammensetzung wird anders als bei Zertifikaten genau offengelegt. Und drittens sind sie genau wie andere Fonds bei einer Insolvenz des Anbieters als "Sondervermögen" geschützt. Im Unterschied zu klassischen Fonds bekommen Anleger sie aber für Gesamtkosten von gerade einmal 0,1 bis 0,8 Prozent.
Preiswert, liquide und kalkulierbar - Anlageprofis geraten ins Schwärmen: "Mit einem ETF kauft der Anleger immer den Markt, alle 15 Sekunden", sagt Alexander Etterer von der Unternehmensberatung Rödl & Partner, der die Portfolios vermögender Privatkunden überwacht. "Mit ETFs hat der Investor ein Höchstmaß an Transparenz in seinem Depot." Der Boom hat dazu geführt, dass die Finanzindustrie immer neue Investmentstrategien in den Mantel eines ETF verpackt. Bestand die erste Generation der Produkte noch aus klassischen Indexfonds auf Dow Jones (Nachrichten) , Dax (Xetra: Nachrichten) oder EuroStoxx, werden seit 2004 auch Renten, Geldmarkt, Immobilien und Rohstoff-Investments unter dem Stichwort ETF angeboten. Hinzu kommen Sektoren-ETFs auf bestimmte Branchen oder Regionen wie Emerging Markets. Kritische Entwicklung Ganz neu sind Strategie-ETFs, die Investmentstile abbilden: Die Deutsche-Bank-Tochter Db x-Trackers etwa hat Short-ETFs im Programm, die immer genau das Gegenteil von dem tun, was der Index macht - sinken Dow Jones oder EuroStoxx 50 (Zürich: Nachrichten) , steigt der Börsenfonds. Konkurrent Lyxor, eine Tochter der französischen Société Générale (Paris: FR0000130809 - Nachrichten) , verkauft gehebelte Indexfonds, bei denen das Anlegergeld per Kredit verdoppelt wird - allerdings auch das Risiko.
Einige Experten sehen die Entwicklung allerdings kritisch. "Da werden Produkte mit dem Kürzel ETF versehen, die mit dem Grundgedanken der Indexanlage nur wenig zu tun haben", sagt Martin Wambach, Geschäftsführer und Finanzmarkt-Experte von Rödl & Partner. "ETFs der dritten Generation werden immer komplexer und für Anleger immer schwerer zu durchschauen", erklärt er. Die Suche nach der Nische Weil es längst zu jedem klassischen Börsenbarometer einen ETF gibt, bauen die Fondsentwickler immer exotischere Indizes nach: Wie den Kursverlauf von Anleihen in Schwellenländern - Db x-Trackers hat unlängst einen entsprechenden Börsenfonds ins Programm genommen. Oder die Entwicklung von Unternehmen "mit natürlicher Monopolstellung" wie Betreiber von Stromnetzen oder Autobahnen. Darauf setzen zwei neue Fonds der BNP (Paris: FR0000131104 - Nachrichten) -Paribas-Tochter EasyETF. "Neue Anbieter müssen sich zwangsläufig Nischen suchen", urteilt der Frankfurter Fondsberater Jan Altmann. "Der ETF wird dabei zur kostengünstigen Hülle reduziert, um ohne lästige Ausgabeaufschläge an interessante Anlagestrategien zu gelangen."
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