Lange hielt sich der Dax am Freitag im Plus. Kurz vor Handelschluss ging es dann doch noch deutlich in die Miesen. Schlechte Nachrichten aus den USA verdarben den Anlegern die Stimmung. Im Mittelpunkt stand Infineon - das Unternehmen will eine Kapitalerhöhung durchsetzen.
HB FRANKFURT. Der Dax fiel am Freitag um 1,2 Prozent auf 4 576 Punkte und büßte damit auf Wochensicht fast drei Prozent ein. Der MDax sank um 1,5 Prozent auf 5 465 Zähler. Positiv aufgenommene Nachrichten vom Chiphersteller Infineon stützen den Technologiewerte-Index TecDax im Tagesverlauf, am späten Abend sank er dann doch ins Minus und ging mit einem Abschlag von 0,2 Prozent auf 611 Punkten ins Wochenende. Schlechte Nachrichten aus den USA verdarben den Anlegern die Stimmung. Das Vertrauen der US-Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes hat sich laut Uni Michigan sich im Juli kräftig eingetrübt. Der entsprechende
Index von fiel nach vorläufigen Berechnungen vom Freitag auf 64,6 Punkte von 70,8 Zählern im Vormonat und damit auf den tiefsten Stand seit März. Volkswirte hatten lediglich mit einem leichten Rückgang auf 70,5 Punkten gerechnet. Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus. Seit über einem Jahr steckt die US-Wirtschaft in der Rezession, vor allem die Verbraucher haben ihre Ausgaben zuletzt kräftig zurückgefahren. "Der heutige Tag ist die Fortsetzung einer insgesamt enttäuschenden Börsenwoche", sagte Thilo Müller, Fondsmanager bei MB Fund Advisory. Derzeit warte der Markt auf harte Fakten bezüglich einer nachhaltigen konjunkturellen Erholung und in dieser Konsolidierungsphase erhielten die Pessimisten stärkeres Gehör. Entsprechend habe es zuletzt verstärkt Gewinnmitnahmen gegeben und viele Investoren zögen sich erstmal an die Seitenlinie zurück. Für Gesprächsstoff sorgen Infineon (Xetra: 623100 - Nachrichten) -Aktien, deren Kapitalerhöhung um 725 Millionen Euro nebst Einstieg des Finanzinvestors Apollo mit bis zu knapp 30 Prozent, an der Börse besser ankam als zunächst erwartet. "Die Aktie ist im Branchenvergleich attraktiv bewertet und könnte zudem wieder in den Dax (Xetra: Nachrichten) -Index kommen", stellten die Analysten der DZ Bank in einer Kurzstudie fest, in der sie eine Überprüfung ihrer Verkaufsempfehlung ankündigten. Andere Analysten äußerten sich ähnlich. Einige Branchenexperten halten einen Anstieg der Aktie auf über drei Euro für möglich. Nach einer anfänglichen Berg- und Talfahrt lag die Aktie zum Schluss 5,4 Prozent im Plus auf 2,72 Euro. Ansonsten waren die Kursbewegungen im Dax moderat. Nach einer Analystenempfehlung waren Salzgitter mit plus 1,2 Prozent der größte Dax-Gewinner. Auf der Verlierseite standen die K+S (Xetra: 716200 - Nachrichten) -Aktien mit einem Minus von 4,9 Prozent. Im MDax rutschten Tui (Xetra: TUAG00 - Nachrichten) -Titel um 5,9 Prozent auf 3,96 Euro und damit an das Ende des Nebenwerte-Index. Die Analysten von Goldman Sachs (NYSE: GS - Nachrichten) hatten die Aktien auf "neutral" von "buy" gesenkt und dies mit dem Finanzbedarf der Container-Reederei Hapag-Lloyd begründet, an der TUI mit 43 Prozent beteiligt ist. Angesichts des gestrigen düsteren Ausblicks vom US-Ölkonzern Chevron Corp (NYSE: CVX - Nachrichten) . sehen einige Anleger nun die Risiken wieder steigen, dass Unternehmen im Verlauf der gerade erst begonnenen Berichtssaison zum zweiten Quartal enttäuschende Gewinne ausweisen werden. Börsianer hätten versucht das Beste aus dem eigentlich guten Start der US-Berichtssaison durch den Aluminiumkonzern Alcoa zu machen und seien damit zunächst gescheitert beziehungsweise hätten sie den Markt nicht aus seiner Lethargie reißen können, sagte Matt Buckland von CMC Markets. Und die Berichtssaison wird wohl auch in der neuen Woche den Markt dominieren. Börsianer warten vor allem auf die Zwischenberichte einer Reihe von US-Banken, darunter Bank of America (NYSE: IKJ - Nachrichten) und Citigroup (NYSE: C - Nachrichten) . Diese könnten zeigen, wohin die Reise auch bei den europäischen Finanzinstituten geht. "Es wird spannend, wie es im US-Finanzsektor aussieht. Durch die Berichtssaison in den USA könnte auch in den Dax ein wenig mehr Leben kommen", sagte Aktienstratege Michael Köhler von der LBBW. Große Ausschläge erwartete er aber weder nach oben noch nach unten. "Damit der Dax richtig anzieht, müssten sich entweder die Konjunkturdaten deutlich verbessern oder aber die Unternehmen müssten sehr optimistische Ausblicke geben", sagte Köhler. Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank rechnet damit, dass sich der Leitindex in der neuen Woche stabilisieren oder sogar etwas erholen wird. "Nach den jüngsten Kursrückgängen hat der Markt doch schon einiges an schlechten Nachrichten vorweggenommen."
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