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Burgstädt (ddp-lsc) Sachsens Linke hat ihr Spitzenpersonal für
die anstehenen Wahlen in Land und Bund gekürt. Während Bundesvize
Katja Kipping die Partei wie schon vor vier Jahren in die
Bundestagswahl am 27. September führt, steht Fraktionschef André Hahn
erstmals auf Listenplatz 1 für die Abstimmung am 30. August im Land.
Auf den weiteren Plätzen gab es eine Reihe von Kampfabstimmungen.
Hahn bekam am Freitagabend in Burgstädt 87,7 Prozent der Stimmen
Er war bereits im Oktober 2008 auf einem Parteitag als
Spitzenkandidat für die Landtagswahl nominiert worden. Damals hatten
84,8 Prozent der Delegierten für den 46-Jährigen votiert.
Auf den zweiten Platz wurde die Landesvorsitzende des Vereins
sächsischer Tafeln, Edith Franke, gewählt Die 66-jährige Parteilose
ist in Hahns Kompetenzteam für den Bereich Soziales zuständig. Für
Wissenschaft und Religionsfragen verantwortlich dort ist der
Historiker Gerhard Besier, der mit 73,8 Prozent auf den als sicher
geltenden Listenplatz 18 gewählt wurde. Besier war von 2003 bis 2007
Chef des Hannah-Arendt-Intituts für Totalitarismusforschung. Besier
erklärte bei seiner Bewerbung, seine Kandidatur für die Partei, deren
Mitglied er seit April auch ist, habe bundesweit für ein «wütendes
Heulen der konservativen Horden» gesorgt. Eine umstrittene Rede bei
der Eröffnung des Brüsseler Scientology-Büros im Jahr 2003
bezeichnete er als «Fehler».
Der bisherige Fraktionsvize Klaus Tischendorf steht auf Platz 16
der Liste, nachdem er auf einem 32 Plätze umfassenden Listenvorschlag
des Vorstandes zunächst nur für Rang 28 vorgesehen war Als
verantwortlich für diese schlechte Platzierung, die als Affront auch
gegen Spitzenkandidat Hahn gewertet wurde, gilt eine Gruppe jüngerer
Politiker um den 33-jährigen Finanzexperten Sebastian Scheel.
Tischendorfs Versuch, diesen per Kampfabstimmung von Platz 14 der
Liste zu verdrängen, scheiterte äußerst knapp. Anschließend setzte
sich der Stollberger, den Hahn als «tragende Säule der
Fraktionsarchitektur» bezeichnet hatte, aber deutlich gegen den dem
Scheel-Lager zugerechneten Jugendpolitiker Falk Neubert durch, der
erst auf Platz 28 unterkam.
Der über die Medien ausgetragene Streit um den Listenvorschlag
hatten zum Auftakt des Parteitags für scharfe Kritik gesorgt Der
Chef der Bundestagsfraktion, Gregor Gysi, betonte, Kandidatenplätze
seien «kein Privateigentum». Gysi warnte vor «Personal- und
Ideologieschlachten» in der Partei. Hahn sprach von «völlig
überflüssigem Machtgerangel und innerparteilichen Grabenkämpfen» und
forderte alle Beteiligten auf, «diesen Unfug zu beenden».
Die Linke bekräftigte auf dem Parteitag ihr Ziel, bei der Wahl im
August zweitstärkste Kraft im Freistaat zu werden und wenn möglich
die CDU aus der Regierung zu verdrängen Beim Wahlergebnis wolle man
«zulegen», sagte Hahn. Die damalige PDS war 2004 mit 23,6 Prozent auf
ihr bislang bestes Ergebnis gekommen und stellt derzeit 31
Abgeordnete im Landtag.
Bei der Aufstellung der Bundestagsliste erhielt Kipping am Sonntag
71,7 Prozent der Stimmen Bei ihrer Kür zur Spitzenkandidatin im Juli
2005 hatte sie einen Stimmenanteil von 89 Prozent erreicht. Auf
Listenplatz 2 wurde der Wirtschafts- und Finanzfachmann Axel Troost
gewählt, der 91,8 Prozent erhielt. Um den dritten Platz kam es zu
einer Stichwahl zwischen der Bundestagsabgeordneten Barbara Höll und
der bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführerin in der
Landtagsfraktion, Caren Lay, die nun in den Bundestag wechseln will
und auf einem Listenvorschlag der Parteispitze für diesen Platz
vorgesehen war. Höll setzte sich jedoch mit 52,8 Prozent durch. Lay
kam hinter dem Bundestagsabgeordneten Ilja Seifert, der Zwickauer
DGB-Chefin Sabine Zimmermann sowie Michael Leutert schließlich auf
Platz 7 der Liste.
SPD-Generalsekretär Dirk Panter sagte zu den Personalquerelen, die
Linkspartei zerlege sich selbst und verabschiede sich damit als
ernstzunehmender Konkurrent im Wahlkampf André Hahn habe seinen
Hühnerhaufen nicht im Griff und sei damit ungeeignet, im Freistaat
Verantwortung zu übernehmen. «Darüber hinaus sind wir besorgt, dass
mit Besier ein Scientology-Sympathisant möglicherweise in den Landtag
einziehen wird.»
(ddp)
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