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Nach ihrem Erfolg bei institutionellen Investoren entdecken auch immer mehr private Anleger die Vorzüge von ETFs. Dabei ist ein solides Basiswissen für den Handel mit diesen immer noch recht neuen Produkten ebenso notwendig wie beim Kauf von Aktien und Anleihen. Die Antworten zu zehn wichtigen Fragen sorgen für den richtigen Durchblick.
1. Wie kaufe ich ETFs?
Anleger ordern ETFs im Prinzip nach den gleichen Regeln wie Aktien. Sie geben bei ihrer Bank oder ihrem Broker die Kennung
des Fonds an (ISIN oder WKN). Dann können sie sagen, wie viel Geld sie anlegen möchten, und der Makler besorgt die entsprechende Menge Anteile. Oder sie bestellen eine bestimmte Stückzahl, und der Makler errechnet den Preis. Der Makler kann beauftragt werden, zum billigsten Kurs zu kaufen oder zum höchstmöglichen zu verkaufen. Bei einer Limit-Order geben Anleger eine Preis ober- beziehungsweise Preisuntergrenze an. Privatanleger wickeln den ETF-Handel am einfachsten über einen Onlinebroker ab. Bankberater werden die Indexfonds selten empfehlen, raten Kunden teilweise sogar von ETFs des eigenen Hauses ab ? weil sie anders als bei klassischen Investmentfonds keine Provision bekommen
2. Gibt es ETFs nur an der Börse?
Nein. Nach Angaben der Deutschen Börse (Xetra: 581005 - Nachrichten) laufen sogar rund 50 Prozent des ETF-Handels außerhalb der Börse ab ? direkt zwischen Großanlegern und ETF-Anbietern. Vor allem wenn große institutionelle Investoren sich auf einen Schlag für mehrere Millionen Euro einen ETF kaufen, nutzen sie diesen ?Over the Counter?-Handel (OTC (Brüssel: OTCB.BR - Nachrichten) ). Die Fonds sind also keineswegs immer ?börsengehandelt?. Für Privatanleger ist die Börse allerdings der schnellste und direkteste Weg.
3. Was passiert im ETF mit meinem Geld?
Im Prinzip kauft der ETF-Anbieter für das eingezahlte Geld neue Aktien oder andere Wertpapiere, je nachdem, welchen Index der ETF nachbildet. Es sind dazu aber mehrere Schritte nötig: Erwirbt ein Anleger ETF-Anteile, geht sein Geld zunächst an einen Börsenhändler, den sogenannten Market-Maker oder Designated Sponsor des ETF-Anbieters. Dieser hat einen Vertrag mit der Fondsgesellschaft. Aufgabe des Market-Makers ist es, dem ETF-Anbieter die Wertpapiere zu be¬sorgen, die dieser zum Nachbauen des Index benötigt ? von der Börse, aus seinem eigenen Handelsbestand oder aus Geschäften außerhalb der Börse. So erschaffen Market-Maker und ETF-Anbieter neue Anteile ? wenn Anleger kaufen auch als Creation bezeichnet. Der ETF-Anbieter hinterlegt die Wertpapiere wie bei jedem Fonds in einer Depotbank, die sie treuhänderisch verwahrt. Beim Verkauf von Anteilen läuft das Spiel umgekehrt: Der Anleger verkauft, der Market-Maker gibt die ETF-Anteile zurück, und der ETF-Anbieter überträgt ihm dafür die entsprechende Menge Wertpapiere: Die ETF-Anteile sind quasi verschwunden ? eine sogenannte Redemption.
4. ETFs sind beim Ankauf oft teurer als beim Verkauf ? bei manchen Fonds ist diese Spanne erheblich größer als bei anderen. Woran liegt das?
Die Rede ist vom sogenannten Bid-Ask-Spread. Der ist umso größer, je geringer die Liquidität des Marktes ist, auf den sich der ETF bezieht. Market- Maker müssen sich die passenden Wertpapiere schließlich beschaffen können, die sie dann beim ETF-Anbieter gegen neue Anteile eintauschen. Und wenn sie vom ETF-Anbieter Wertpapiere zurückerhalten, müssen sie diese weiterverkaufen. Ist es nun auf bestimmten Märkten schwierig, Wertpapiere zu handeln, wie etwa bei einzelnen Schwellenländerfonds, weil es wenig Angebot und Nachfrage gibt, muss der Market-Maker teurer kaufen und billiger verkaufen ? oder sich Kanäle außerhalb des Parketts suchen. Beides erhöht seine Kosten, die er dann auf den Anleger umlegt: in Form des Bid-Ask-Spreads. Allerdings lassen ETF-Anbieter häufig mehrere Market-Maker gegeneinander konkurrieren, um die Spreads möglichst niedrig zu halten. Oder sie arbeiten in Regionen, in denen die Börsen sehr klein oder stark reguliert sind, mit lokalen Partnern zusammen.
5. Sind ETFs immer passiv gemanagt?
Ja und Nein. Die Grundidee eines ETF ist: Fondsmanager bauen einmal den Index nach ? und warten. Doch in der Praxis ist es damit nicht getan. Manche Fondsanbieter erwirtschaften Zusatzerträge, indem sie Wertpapiere aus dem ETF zeitweise verleihen. Zudem fällt bei jeder Dividendenzahlung Quellensteuer an, die Fondsmanager umgehen wollen. Zum Beispiel indem sie die betreffenden Aktien kurz vorher gegen Derivate tauschen und sie später zurücknehmen. Solche Optimierung erfordert Managementarbeit. Darüber hinaus gibt es ETFs auf fundamental gewichtete Indizes, die regelmäßig nach bestimmten Regeln neu zusammengestellt werden, oder Active ETFs, bei denen die Fondsmanager versuchen, den Referenzindex zu schlagen. Sie werden wie klassische ETFs an der Börse gehandelt.
6. Was ist denn genau der Unterschied zwischen ETFs und aktiv gemanagten Investmentfonds?
ETFs waren von Anfang an für den Börsenhandel konzipiert. Die Anbieter sind verpflichtet, permanent den Wert des Fondsvermögens, den indikativen Nettoinventarwert (iNAV), zu berechnen und anzugeben. So sehen Anleger jederzeit, ob der ETF zu fairen Preisen gehandelt wird. Bei herkömmlichen Investmentfonds geben die Anbieter den Kurs dagegen meist nur einmal am Tag bekannt. Sie lassen sich auch bei der Zusammensetzung des Fonds nur ungern sekündlich in die Karten schauen. Also berechnen sogenannte Spezialisten,
die klassische Fonds an der Börse handeln, aus dem jeweiligen Referenzindex, den bisherigen Kursschwankungen und den Preisen der bekannten Titel im Fonds einen angenäherten NAV. Dieser gilt im Handel als Referenzpreis.
7. In ETF-Prospekten stehen andere Einzeltitel oder nur ein Teil der Werte, die der nachzubildende Index enthält. Wie kann das sein?
Tatsächlich folgen nach Expertenschätzungen nur rund 40 Prozent der ETFs im XTF-Segment der Deutschen Börse dem sogenannten Full-Replication-Verfahren. Das heißt: Dort stecken tatsächlich sämtliche Aktien des Index auch im Fonds. Das kann bei sehr breiten Indizes mit vielen Hundert Einzeltiteln schnell ineffizient werden. Denn jede Umschichtung im Index zieht eine Umschichtung im ETF nach sich. Also haben sich die Anbieter auf verschiedene Optimierungstechniken verlegt. Manche nutzen aus den Titeln im Index nur eine repräsentative Auswahl und lassen kleinere Werte weg ? das Sampling. Andere nehmen
beliebige Wertpapiere und lassen sich den Index von einem Swap-Anbieter nachbilden. Am
Ende geht es schließlich vor allem darum, dass der Fonds dem Index folgt.
8. Viele ETFs enthalten Swaps: Was ist das?
Der ETF selbst ist in diesem Fall nur noch eine Hülle, um die Vorteile des Börsenhandels zu nutzen. Fondsanbieter stellen zunächst einen Wertpapierkorb zusammen. Dieser kann Aktien oder Renten aus dem abzubildenden Index enthalten, muss er aber nicht. Es gab zeitweise DAX (Xetra: Nachrichten) -ETFs, die komplett aus japanischen Aktien bestanden. Entscheidend ist der Swap-Vertrag mit einer Bank. Die Grundidee: Ist der Wertpapierkorb im ETF mehr wert als der Index, zahlt der ETF-Anbieter den Überschuss an den Swap-Partner. Ist der Index mehr wert als der Wertpapierkorb, zahlt der Swap-Partner den Überschuss an den ETF-Anbieter. So steht das Fondsvermögen immer auf dem gleichen Niveau wie der Index. Damit der Swap-
Kontrahent die Indexperformance liefern kann, muss er sich natürlich absichern ? zum Beispiel
indem er den Index seinerseits tatsächlich nachbauen lässt. Viele Banken nutzen dazu auch ihre Derivateabteilungen, die seit Jahren Indizes synthetisch nachbilden. Der Vorteil von Swap-Fonds: Sie sind echte ETFs, können aber praktisch jeden beliebigen Index rekonstruieren, ob die Market-Maker auf dem betreffenden Markt Wertpapiere bekommen oder nicht.
9. Sind Swap-ETFs gefährlich, weil der Swap-Anbieter pleitegehen kann?
Ein ETF gilt rechtlich als Sondervermögen: Das Geld der Anleger gehört also nicht dem ETF-Anbieter, sondern dieser verwaltet es lediglich. Geht der Emittent pleite, bekommen Anleger ihr Geld zurück ? das ist auch bei Swap-ETFs der Fall. Die Krux ist, dass Swaps selbst Inhaberschuldverschreibungen sind. Der Swap-Partner schuldet dem ETF also zeitweise Geld. Dieser Teil des Fondsvermögens könnte theoretisch in Gefahr sein, wenn der Swap-Kontrahent insolvent wird. Doch erstens dürfen Swaps nicht mehr als zehn Prozent des Fondsvermögens ausmachen. Zweitens nutzen ETF-Anbieter meist Banken mit Topbonitäten
als Partner. Und drittens versichern die Fondsfirmen inzwischen ihre Swap-Geschäfte.
Das Risiko ist somit überschaubar.
10. Aktien-ETFs enthalten Aktien, Renten-ETFs
Rentenpapiere. Und was steckt in Rohstoff-ETFs? Das kommt darauf an ? Öl, Getreide oder Gold jedenfalls nicht. Es gibt ETFs, die in Wertpapiere investieren und per Swap Rohstoffindizes nachbilden. Die meisten sogenannten Rohstoff-ETFs sind aber Exchange-Traded Commodities (ETCs): keine Fonds, sondern Zertifikate, bei denen der Anbieter dem Anleger verspricht, ihm die Performance eines Rohstoffmarkts zu liefern. ETCKonstrukteure
haben indes verschiedene Mechanismen ersonnen, um die Papiere ähnlich werthaltig
wie ETFs zu machen. Bei Edelmetallen hinterlegen sie das entsprechende Gold oder
Silber bei Treuhändern. Oder sie versichern die Einlagen der Investoren über festverzinsliche
Wertpapiere.
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