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Fundresearch.de "Macht euer Depot demografie-fest!"
von -ff-
Freitag 16. Mai 2008, 15:38 Uhr
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Weltweit verändert sich die Gesellschaft: In einigen Ländern werden die Menschen immer älter, in anderen wächst die Bevölkerung rasant. Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors erklärt, wie Anleger sich diese Entwicklung zunutze machen sollten.
"Erwachsene können deutlich älter werden als 80 Jahre"
? Herr Naumer, Sie fordern, dass mehr Anleger demografische Entwicklungen als Investmentchance begreifen sollten. Können Sie das näher erläutern?
Hans-Jörg Naumer: Demografie, also die Lehre von der Bevölkerungsentwicklung,
bietet gleich in mehrerlei Hinsicht eine Investmentchance. Die erste finden Anleger in ihrer eigenen Biografie.
? Wie meinen Sie das?
Naumer: Die Menschen werden immer älter vor allem in den Industrienationen. Diese Tatsache müssen die Anleger bei ihren eigenen Investitionsentscheidungen berücksichtigen.
? Tun sie das nicht?
Naumer: Nein. Zum einen haben die meisten eine falsche Vorstellung davon, wie lange sie voraussichtlich leben werden. Sie gehen davon aus, dass sie 75 bis 80 Jahre alt werden. Diese Zahlen gelten aber für die Lebenserwartung von Neugeborenen. Erwachsene haben viele Risiken des Lebens bereits hinter sich. Sie dürfen daher durchaus damit rechnen, deutlich älter als 80 Jahre zu werden. Diesen sehr langen Zeitraum müssen die Anleger bedenken, wenn sie ihr Depot ausrichten.
"Wer viele Jahrzehnte Zeit hat, muss auf Aktien oder Aktienfonds setzen"
? Was machen die Anleger im Hinblick auf den langen Anlagehorizont sonst noch falsch?
Naumer: Sie sparen nicht richtig. Die Summe an Geld, die sie fürs Alter zurücklegen, ist durchaus in Ordnung. Doch die meisten nutzen bei der Altersvorsorge die falschen Anlagevehikel. Wer viele Jahrzehnte Zeit hat, muss ganz einfach auf Aktien oder Aktienfonds setzen. Die bringen langfristig die höchste Rendite. Und über den langen Zeitraum hinweg können zwischenzeitliche Kursverluste problemlos wieder wettgemacht werden.
? Es empfiehlt sich aber nicht, alles Geld in Aktien zu stecken.
Naumer: Nein, das Verhältnis richtet sich nach dem Lebensalter. Einen Anhaltspunkt bietet die Formel 100 minus Alter gleich Aktienquote.
? Ist die nicht etwas abgegriffen?
Naumer: Nein, sie ist so einfach, wie genial. Wenn sich jeder Anleger auch nur halbwegs an die Formel halten würde, wäre viel gewonnen und wir hätten sehr erfolgreiche Sparer.
"Unternehmen ausmachen, die von der demografischen Entwicklung profitieren"
? Wie lässt sich die Demografie sonst noch als Investmentchance nutzen?
Naumer: Die Nachfragesituation verändert sich weltweit und zwar gleich in zwei Bereichen: Zum einen wachsen Bevölkerung und Wohlstand in den aufstrebenden Volkswirtschaften der Schwellenländer. Hier kommen wirtschaftliches und demographisches Wachstum zusammen und das schafft Chancen.
? Und zum anderen?
Naumer: Die Zahl älterer Verbraucher nimmt zu und Senioren fragen andere Dinge nach als die Jüngeren. Das betrifft zum Beispiel die Bereiche Freizeit, Wohnen und Konsum.
? Worin sollte man investieren, um an diesem Wandel mitzuverdienen?
Naumer: Unternehmen auszumachen, die von der demografischen Entwicklung besonders profitieren, ist natürlich nicht einfach. Es gibt aber spezielle Fonds, die Demografie als Investmentstrategie nutzen. Die fragen sich: Welche Unternehmen gewinnen von der Alterung der Gesellschaft? Und deren Aktien werden dann gekauft.
"Macht euer Depot demografie-fest!"
? Können Sie das näher erläutern?
Naumer: Es gibt zum Beispiel eine französische Kosmetikfirma, die 70 Prozent ihres Absatzes mit Anti-Aging-Produkten macht. Die Nachfrage nach solchen Mitteln wird zunehmen. Unter demografischen Aspekten ist ein solcher Konzern also höchst interessant.
? Und welche Unternehmen profitieren speziell von dem Wachstum in den Schwellenländern?
Naumer: Vor allem die Nachfrage nach Rohstoffen und Energie wird dort drastisch zunehmen. Dementsprechend sollten die Unternehmen aus diesen Sektoren vom Wachstum der Emerging Markets profitieren. Der Nachholbedarf ist enorm. Das zeigt schon ein Blick auf die Pro-Kopf-Nachfrage. Ein Chinese verbraucht im Jahr im Schnitt fünf Kilogramm Aluminium und zwei Fässer Öl, ein Deutscher 16 Kilogramm Alu und zwölf Fässer Öl.
? Anleger haben also gleich mehrere Möglichkeiten, die Demografie für die eigene Geldanlage zu nutzen.
Naumer: Genau. Sie müssen die eigene Langlebigkeit im Blick behalten und auf Unternehmen setzen, die von der Alterung der Gesellschaft in den Industrieländern und vom Bevölkerungswachstum in den Schwellenländern profitieren. Ich kann Anlegern nur raten: Macht euer Depot demografie-fest!
IM PROFIL: Hans-Jörg Naumer
Hans-Jörg Naumer ist seit Dezember 2000 Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors. Zuvor arbeitete Naumer bei der Société Générale. Von 1998 bis zu seinem Wechsel zu Allianz GI war er dort Head of Research Germany. Die Konjunktur in Euroland und die Devisen- und Anleihenmärkte bildeten den Schwerpunkt seiner Arbeit als Finanzmarktanalyst im internationalen Research-Team der französischen Investmentbank. Der Volkswirt begann seine berufliche Laufbahn 1994 bei der Deutschen Bank, wo er im Firmenkundengeschäft tätig war.
"Demografie"-Fonds 1. Allianz-dit Global DemographicTrends - A- EUR (WKN: A0LGX7) 2. DWS ZukunftsGenerationen (WKN: 515250)
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