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Wiesbaden (ddp-hes) Rund sechs Monate nach der Landtagswahl hat
der hessische Landtag mit den Stimmen von CDU und FDP den Etat für
das laufende Jahr 2009 verabschiedet Der Etat sei «Ausdruck des
Wollens, dieses Land voranzubringen», die Regierung habe «strategisch
genau die richtigen Antworten in dieser Zeit gefunden», sagte
Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden. Die
Opposition sah das anders und sprach angesichts der höchsten
Nettoneuverschuldung der hessischen Geschichte von 2,9 Milliarden
Euro von einem «Schulden-Tsunami». Sie warf der Regierung «Heuchelei»
angesichts ihre Zustimmung zur Schuldenbremse im
Bundesrat vergangene
Woche vor.
Damit gibt Hessen in diesem Jahr insgesamt rund 21,7 Milliarden
Euro aus - bei prognostizierten Einnahmen von rund 18,8 Milliarden
Euro «Dieser Haushalt mit der Verschuldung, das kann keinem
gefallen», sagte Weimar Trotzdem gebe er «die richtige Antwort»,
trage der besonderen Krisensituation Rechnung und weise auch das
höchste Investitionsvolumen aller Zeiten aus.
Durch die Mai-Steuerschätzung mit einem Minus von 1,8 Milliarden
Euro sowie Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst habe die
Neuverschuldung noch einmal um 411 Millionen Euro erhöht werden
müssen Die Zahlen setzten die Regierung aber «unter erhöhten Druck,
dort zu sparen, wo´s weh tun wird», kündigte Weimar an Große
Einschnitte könne es 2010 wegen der angespannten Wirtschaftslage noch
nicht geben.
FDP-Finanzexperte Leif Blum unterstrich, in der Krise sei «sozial,
was Arbeit schafft» Der Haushalt stelle deshalb «die richtigen
Weichen» Allein für Bildung würden mit 1,2 Milliarden Euro mehr als
je zuvor ausgegeben. Zugleich kritisierte Blum, die Belastungen des
Länderfinanzausgleichs bestünden «nach wie vor in ungeschmälerter
Höhe», das müsse sich ändern. Die Zahlungen in den
Länderfinanzausgleich sinken 2009 allerdings im Vergleich zum Vorjahr
um 13,2 Prozent auf 2,28 Milliarden Euro.
SPD-Finanzexperte Norbert Schmitt sprach von einem «Haushalt der
Negativrekorde» Die Verschuldung des Landes steige damit auf 36,3
Milliarden Euro, das seien fast zehn Milliarden Euro mehr als beim
Amtsantritt von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) «Die
selbsternannten Schuldenbremser haben also 2009 noch einmal richtig
Gas gegeben», sagte Schmitt. Für das Konjunkturprogramm würden indes
nur 450 Millionen Euro ausgegeben. «Der Rest ist hausgemacht», fügte
Schmitt hinzu.
Statt mehr Mittel für Bildung, soziale Gerechtigkeit, erneuerbare
Energien und innere Sicherheit auszugeben werde zudem Geld für
«elitäre» Privathochschulen lockergemacht und auf «den Klimakiller
Kohle» und die riskante Atomenergie gesetzt Der Jobmotor der
erneuerbaren Energien werde hingegen vernachlässigt «Sie verspielen
damit Zukunft für das Land Hessen», sagte Schmitt. «Sie wollen in der
Tat ein anderes Hessen als wir», fügte er hinzu.
Auch Grünen-Finanzexperte Frank Kaufmann sprach von einer
«trostlosen» Politik, die in Beton investiere und nicht einmal ein
Sozialbudget aufweise «Es geht vielfach nicht nur nicht vorwärts mit
dieser Regierung, sondern vielfach rückwärts, die Parole lautet
Vergangenheit statt Zukunft», sagte Kaufmann Diese Politik sei
«falsch und schädlich für unser Land». Auch Linksfraktionschef Willi
van Ooyen sprach angesichts des Schuldenberges von einer
«finanzpolitischen Geisterfahrt» und warnte: «Das Fundament ihrer
neoliberalen Politik bröckelt mehr denn je.»
(ddp)
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