|
|
|
Fundresearch.de
Wie aus Japan-Aktien ein DAX-ETF wird
von
-ff-
Mittwoch 17. Juni 2009, 11:47 Uhr
|
Mit boersennotierten Indexfonds koennen Anleger besonders kostenguenstig investieren. Moeglich machen das komplexen Strategien.Rund 33 Prozent japanische Aktien, 21 Prozent deutsche,
30 Prozent Schweizer und sieben Prozent italienische Werte,
der Rest aus Frankreich, Israel, Norwegen, Russland, Daenemark und den Niederlanden. Was nach einem globalen Aktienfonds klingt, war das Portfolio des db x-trackers DAX ETF am 31. Dezember 2008. Vordergruendig verwirrend ist auch der Jahresbericht 2008 des Ishares DAX (DE). Der weist zwar ausschließlich die 30 DAX-Werte als Fondspositionen aus. Ob diese aber tatsaechlich im Portfolio lagen oder an andere
Marktteilnehmer verliehen waren, ist ungewiss. Diese Beispiele zeigen: Das Prinzip von boersennotierter Indexfonds (ETFs) ist zwar einfach sie bilden die Wertentwicklung von Aktien-, Anleihe-, Rohstoff- und Hedgefondsindizes nahezu 1 : 1 ab. Damit das moeglich wird, sind jedoch komplexe Strategien noetig. Dabei sorgten in
den vergangenen Monaten Stichworte wie Swap-Risiko oder Wertpapierleihe fuer Aufregung und verunsicherten Investoren.
Komplizierte Methoden
Tatsaechlich bergen die Strategien hinter ETFs Risiken,
die nicht allen Anlegern bewusst sind. "Diese Risiken sind aber
gering und bestehen auch bei aktiv gemanagten Fonds", beruhigt Detlef Glow, Analysechef beim Fondsdatenanbieter Lipper in Deutschland. Es gibt drei Strategien, um einen Index im ETF abzubilden. Die traditionelle Variante ist die vollstaendige
Nachbildung auch voll replizierend oder auf Englisch full replication genannt. Dabei haelt der ETF dieselben Werte wie der Index in derselben Zusammensetzung. Auf dem deutschen
Markt wenden Barclays Global Investors (BGI), ETF Lab und Invesco Powershares diese Strategie an. Umfasst ein Boersenbarometer
mehrere Hundert Werte, ist es allerdings aufwendig und teuer, all diese Papiere zu kaufen und staendig dem Index anzupassen.
Das gilt zum Beispiel fuer den MSCI Welt, der rund 1700 Aktien beinhaltet. Daher kaufen ETF-Manager nur einen Teil der Indexwerte, die fuer dessen Wertentwicklung entscheidend sind. Das ist die sogenannte Auswahlmethode, auf Englisch sampling. "Statistiken zeigen, dass sich die Wertentwicklung des US-Leitindex S & P 500 mit 150 von 500 Aktien sehr genau nachbilden
laesst", sagt Glow. So bestand das Portfolio des Ishares MSCI World zuletzt nur aus 682 Aktien. Die Mehrheit der Anbieter setzt
auf die Swap-Strategie. Dabei kann der ETF vollstaendig in Wertpapiere investieren, die nicht im entsprechenden
Index vertreten sind wie das Beispiel des db x-trackers DAX
ETF zeigt. Gleichzeitig schließt der Anbieter mit einem anderen Marktteilnehmer ein Tauschgeschaeft (Swap) ab. Dabei verpflichtet sich der Swap-Partner, dem ETF jederzeit die Wertentwicklung des Index zu liefern. Im Gegenzug erhaelt der Swap- Partner vom ETF die Performance der Wertpapiere im ETF-Portfolio.
Konkurrenten uneins
Wo liegen die Vor- und Nachteile der drei Strategien? Der Streit darueber hat sich in der ETF-Branche in den vergangenen Monaten zugespitzt. Anbieter replizierender Produkte wie Barclays Global Investors stellen das Kontrahentenrisiko bei
Swap-ETFs heraus. Denn: Wird der Swap-Partner zahlungsunfaehig, entgeht dem Fonds die Indexentwicklung. Stattdessen zaehlte ploetzlich die Performance der Papiere im ETF-Portfolio.
Um beim Beispiel der japanischen Aktien im DAX-ETF zu bleiben:
"Es koennte sein, dass sich der Anteilswert des Fonds anders verhaelt als der DAX, weil sich japanische Aktien in eine andere Richtung bewegen als deutsche", sagt Glow. Der Swap-Anteil bei ETFs ist auf zehn Prozent beschraenkt. Das heißt aber nicht, dass der theoretisch groeßtmoegliche Verlust fuer den Anleger bei zehn Prozent liegt. Denn sollten sich die Japan-Aktien im Beispiel
ploetzlich 30 Prozentpunkte schlechter entwickeln als deutsche Werte, schluege dies auf den ETF durch. Glow: "In der Praxis halten die ETFs Papiere, die entweder eng mit dem Index korrelieren oder aber sehr liquide sind. Daher handelt es sich um
ein theoretisches Risiko." Die Anbieter von Swap-ETFs kontern, indem sie auf das Risiko der
Wertpapierleihe verweisen.
Zum Geschaeftsmodell replizierender Anbieter gehoert es, Papiere aus dem Fondsvermoegen
an andere Marktteilnehmer zu verleihen. Im Gegenzug erhaelt die Gesellschaft eine Gebuehr und Sicherheiten in Form anderer
Aktien oder Anleihen, deren Wert jederzeit ueber dem der entliehenen Papiere liegen muss ueblich sind fuenf
bis zehn Prozent Aufschlag. "Das ist eine gute Moeglichkeit, bei ueberschaubarem Risiko Zusatzertraege zu erzielen", sagt Alexander Mertz, der das Portfoliomanagement bei der BGI-Marke Ishares in Deutschland verantwortet. Mit dem Ishares
MSCI Turkey hat BGI 2008 beispielsweise rund 1,43 Prozentpunkte aus Wertpapierleihen erwirtschaftet, die der Wertentwicklung des Fonds zuflossen. Glow: "Darueber koennen die Gesellschaften Kostennachteile ausgleichen,
die die Fondsperformance belasten."
So muessen Anbieter replizierender ETFs Waehrungsrisiken selbst absichern und dafuer bezahlen, was sonst der Swap-Partner macht. Doch was passiert, wenn der Entleiher der ETF-Papiere ausfaellt?
"Dann bekommen wir unsere verliehenen Werte zwar nicht zurueck", sagt Mertz. "Aber uns bleiben die Sicherheiten.
Diese verkaufen wir und erwerben vom Erloes neue Indexpapiere." Das Risiko wird außerdem dadurch
gemindert, dass die Gesellschaften nur geringe Bestaende ihrer Portfolios verleihen bei BGIs deutschen
Aktien-ETFs hoechstens 15 Prozent. Zudem gehen diese Papiere ueber organisierte Plattformen an
mehrere Entleiher, was das Risiko streut. Der psychologische Vorteil voll replizierender ETFs ist, dass sie wirklich
die Indexwerte enthalten ohne Kontrahentenrisiko. Dagegen bieten Swap-Konstruktionen den Vorteil,
dass die Anbieter Quellensteuern umgehen koennen, die die Fondsperformance
belasteten. Zudem sind die Indexabweichungen bei dividendenstarken
Indizes geringer als bei replizierenden Produkten. Denn bei Replizierern dauert es je nach Investitionsregion
bis zu zehn Wochen, bis die Dividenden dem Fonds zufließen. Der groeßte Vorteil der Swap-Methode
ist aber, dass sie dem Anleger viele Segmente erst zugaenglich macht. Denn wegen rechtlicher
Vorschriften lassen sich Rohstoff- und Hedgefondsindizes sowie Indizes mit wenigen
Titeln nicht replizieren.
Viel Laerm um nichts
Falsch ist der Eindruck, dass ETFs wegen der Swap- und Leihegeschaefte riskanter sind als klassische, aktiv gemanagte Fonds. "Diese Praktiken gehoeren zum Kerngeschaeft jeder Fondsgesellschaft", sagt Glow. "Auch
bei aktiven Managern sind sie im selben Umfang moeglich und an der Tagesordnung."
Warum sorgen sie dann dort nicht fuer Aufregung? Marktbeobachter fuehren das auf den
zunehmenden Wettbewerb und mangelnde Alleinstellungsmerkmale in
der ETF-Branche zurueck. "Bei uns gibt es zum Beispiel keine Starfondsmanager
und polarisierenden Marktmeinungen", sagt Mertz von BGI. Daher
gerieten die beschriebenen Aspekte in den Vordergrund.
Anleger sollten sich von der Risikodiskussion nicht verunsichern lassen.
ETFs bleiben empfehlenswert, um kostenguenstig in Gesamtmaerkte zu investieren.
Quelle: €uro am Sonntag
Weitere Nachrichten von Fundresearch.de auf Yahoo! Finanzen
|
|