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ROUNDUP: SPD stellt Weiche für Bahn-Privatisierung - Union will mitmachen
Montag 21. April 2008, 13:42 Uhr

 

BERLIN (dpa-AFX) - Die SPD hat ungeachtet anhaltender Widerstände an der Basis die Weichen für den Börsengang der Deutschen Bahn gestellt. Fast ein halbes Jahr nach dem turbulenten Parteitag in Hamburg stimmten SPD-Führung und Parteirat am Montag der Teilprivatisierung der Bahn zu und stärkten damit dem Bundesvorsitzenden Kurt Beck den Rücken. Bis zu 24,9 Prozent des Güter- und Personenverkehrs sollen breitgestreut an Aktionäre oder auch an größere Anleger verkauft werden, berichtete Generalsekretär Hubertus Heil. Diese Grenze sei "nicht verhandelbar", sagte er mit Blick auf die entscheidende Koalitionsrunde am Montag kommender Woche.

Die Unionsführung signalisierte trotz einiger Kritiker in den eigenen Reihen, dass sie hier mitziehen will, so dass der Börsengang für Bahnchef Hartmut Mehdorn nach jahrelangem Gerangel im Herbst 2008 wieder realistisch wird. Becks Kompromissvorschlag ist für Unionsfraktionschef Volker Kauder akzeptabel. "Wir hätten gern etwas mehr gehabt, aber natürlich werden wir diesen Vorschlag mit der SPD mitmachen", erklärte Kauder am Montag im ARD-"Morgenmagazin". Die Teilprivatisierung der Bahn lohne sich in jedem Fall. So könne man Geld für notwendige Investitionen schöpfen. Für die Zukunft strebe die Union eine Privatisierung der Bahn bis zu 49,9 Prozent an, so Kauder. Die Mehrheit solle jedoch beim Bund bleiben.

77 SPD-Delegierte stimmten jetzt für den Kompromiss, den Beck vor einer Woche den Landeschefs vorgeschlagen hatte. 25 Prozent sagten Nein, 2 Prozent enthielten sich. Überstimmt oder vom Tisch sind damit Forderungen etlicher SPD-Linker nach einer Ausgabe von Volksaktien und der Einberufung eines Sonderparteitages. Dennoch wurde die Debatte "teilweise sehr emotional" geführt, hieß es bei Teilnehmern. Beck habe klargemacht, dass er Anträge auf einen Sonderparteitag, die nach Angaben von Teilnehmern jetzt aber nicht gestellt wurden, als "Misstrauensvotum" gegen sich verstehen würde.

UNTERSTÜTZUNG FÜR KURT BECK

Die Jungsozialisten hatten zuvor erklärt, dass sie sich einen solchen Schritt offenhalten würden. Noch am Wochenende hatten sich die Landesverbände von Berlin (einstimmig) und Bayern (mehrheitlich) gegen die Privatisierung gestellt, die Beck nach dem turbulenten Hamburger Parteitag von Ende Oktober zur Chefsache gemacht hatte. Der ebenfalls als SPD-Linker geltende Parteiratsvorsitzende Claus Möller wertete den Bahn-Beschluss der Führungsgremien "als klaren Vertrauensbeweis für Kurt Beck". Mit der Unterstützung seines Vorschlags sei klargestellt, dass es mit der SPD "keine Zerschlagung der Deutschen Bahn AG geben wird".

Auch der Vorsitzende der Bahngewerkschaft Norbert Hansen begrüßte die Beschlüsse. Zum Erhalt des konzerninternen Arbeitsmarktes für die 237 000 Bahnbeschäftigten müsse ein langjähriger Tarifvertrag her.

FÜR STRIKTE BEGRENZUNG

Beck und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) wandten sich gegen das Bestreben in der Union, mit Belegschaftsaktien über knapp 25 Prozent Privatisierung hinauszukommen. Man werde nicht über die "rote Linie" von 24,9 Prozent schreiten. Gegebenenfalls werde die SPD die Bahnprivatisierung zum Wahlkampfthema machen. Der Parteilinke Hermann Scheer drohte mit einem Scheitern der Privatisierung, sollte die Union diese Grenze nicht beachten. "Dann wird alles fallengelassen."

Heil sagte, die 24,9 Prozent seien nötig, um den Einfluss privater Anleger im Aufsichtsrat abzuwehren und allein dem Bund das Sagen über die Bahnpolitik sowie über die nötigen Investitionen in Schienennetz und Bahnhöfe zu geben. Diese sollen zu 100 Prozent im Bundeseigentum bleiben. Heil schloss jedoch nicht aus, dass andere Mehrheitsverhältnisse im nächsten Bundestag die Privatisierung doch noch weiter öffnen könnten./wb/th/js/DP/stw

 


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