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Financial Times Deutschland
Fondsrating: Aktive Manager nutzen ineffizienten Markt von Christoph Hus
Sonntag 21. Juni 2009, 18:45 Uhr

 

Niemand sonst käme auf die Idee, Österreichaktien in seiner Asset-Allocation zu berücksichtigen. Trotzdem sind im aktuellen Morningstar (NASDAQ: MORN - Nachrichten) -Fondsrating immerhin 13 Aktienfonds vertreten, deren Manager ausschließlich in Dividendenpapiere österreichischer Unternehmen investieren.

Die Ergebnisse des Ratings zeigen auf einen Blick, dass der dortige Aktienmarkt bestimmte Eigenheiten hat. So haben im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre gleich sieben aktiv gemanagte Fonds das Produkt des ETF-Anbieters iShares
geschlagen. Während der Indextracker pro Jahr im Schnitt 13,7 Prozent verlor, rette sich der Siegerfonds von C-Quadrat sogar mit einem leichten Plus über die jüngste Baisse am Aktienmarkt. Das gelang ihm mit der Suche nach fundamental günstig bewerteten Titeln.

Warum so viele Fondsmanager den Markt schlagen, liegt auf der Hand. Wirkliche

Blue Chips

gibt es in Österreich nämlich nicht. Im internationalen Vergleich gelten selbst die großen Aktiengesellschaften gemessen an Umsatz und Marktkapitalisierung eher als Nebenwerte. In diesem Segment haben es aktive Investoren erfahrungsgemäß besonders leicht, besser abzuschneiden als ein Index - weil sie sich die Ineffizienzen des Markts zunutze machen.

Das können Einheimische natürlich am besten. Da ist es kein Wunder, dass fast alle Fonds im Rating von österreichischen Asset-Managern stammen (

Home Bias

). Vertreten sind neben C-Quadrat zum Beispiel die Wiener Meinl-Bank und das Linzer Fondshaus Kepler.

Die Struktur des Marktes war in den vergangenen Monaten der Grund, warum die Berg-und-Tal-Fahrt in Österreich besonders rasant ausgefallen ist. So verlor der Index MSCI Austria im vergangenen Jahr mehr als 66 Prozent. Zum Vergleich: Der MSCI Germany, der den Verlauf deutscher Aktien abbildet, verbuchte im gleichen Zeitraum nur ein Minus von 43 Prozent. Auch die Gegenbewegung ist seit dem Jahresbeginn in der Alpenrepublik deutlich heftiger ausgefallen als anderswo. Der MSCI-Index für Österreich hat seither fast 23 Prozent zugelegt.

Die Aufholjagd wird manchen Anleger hoffen lassen. Doch müssen Argumente, die für österreichische Aktien sprechen könnten, mit einem großen Fragezeichen versehen werden. So sind Unternehmen aus der Alpenrepublik traditionell stark in Osteuropa engagiert. Ein starkes Wachstum in den dortigen Schwellenländern könnte auch Unternehmen wie dem Finanzdienstleister Erste Bank oder dem Stahlkonzern Voestalpine auf die Sprünge helfen. Doch noch ist völlig unklar, wie schnell sich die osteuropäischen Länder von der Wirtschaftskrise erholen werden.

Für das laufende Jahr rechnen Wirtschaftsforscher auch für Österreich mit einer scharfen Rezession. Die Industrieunternehmen des Landes leiden unter einer dramatisch sinkenden Warenausfuhr. Das Land ist ähnlich stark vom Export abhängig wie Deutschland.

Hinzu kommt: Österreich zählt zu den EU-Staaten, deren Schulden so stark gestiegen sind, dass Investoren hohe Risikoaufschläge für Staatsanleihen verlangen. Jetzt steigen die Schulden wegen der Konjunkturpakete der Wiener Regierung sowie der Hilfsaktionen für die heimischen Banken noch weiter. Die Unsicherheit darüber, wie stabil die Staatsfinanzen sind, könnte schon bald negativ auf die Unternehmen des Landes abfärben.

 

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