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"Ostdeutsche Vermoegende kommen besser durch die Krise" von -ff-
Montag 22. Juni 2009, 13:33 Uhr


"Ostdeutsche Vermoegende kommen besser durch die Krise"
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Der Dresdner Vermoegensverwaltrr Rocco Damm ueber den besonderen Umgang der Ostdeutschen mit der Finanzkrise.? Herr Damm, was ist besonderes am ostdeutschen Reichen?

Rocco Damm: Grundsaetzlich gilt: Fast alle Vermoegen wurden von denen erarbeitet, die heute ueber sie verfuegen.

? Ist das im Westen anders?

Damm: Ja, der Prozentsatz an Vermoegenden, die aus dem Elternhaus oder per Erbschaft ueber viel Geld verfuegen, liegt im Westen bei ueber 50 Prozent, im Osten unter zehn Prozent. Ostdeutsche Vermoegende sind in aller Regel nicht in wohlhabenden oder gar reichen Elternhaeusern geboren. Kaum
einer von denen, der hier erfolgreich im Beruf oder als Unternehmer ist, ist auf eine Eliteschule gegangen oder hat besondere Privilegien in der Ausbildung genossen. Die Wohlhabenden hier sind ganz normal sozialisiert.

Ostdeutsche investieren konservativer

? Was folgt denn daraus fuer die Finanzkrise?

Damm: Unsere Mandanten sind vielleicht weniger abgehoben als die Eliten im Westen. Exzesse, wie die Optionsmodelle in den Bezahlstrukturen von Managern stoßen hier auf vehementes Unverstaendnis auch unter Gutverdienenden. Und vielleicht ist die Solidaritaet in der Krise ein Stueck groeßer. Wir haben gerade jetzt zum Beispiel keine Schwierigkeit, fuer unsere Stiftung, die benachteiligten Kindern hilft, Spendengelder von unseren Mandanten zu bekommen.

? Sind ostdeutsche Vermoegende besser durch die Krise gekommen als die Reichen von drueben?

Damm: Was wir wissen, ist, dass im Zeitraum von 2002 bis 2007, also vor der Krise, die Vermoegen im Osten geschrumpft und im Westen gestiegen sind. Die fuenf Prozent Reichsten im Westen haben ihr Nettovermoegen von 800.000 auf rund 900.000 Euro steigern koennen, wohingegen die fuenf Prozent wohlhabendsten Ostdeutschen eine Reduzierung von 300.000 auf 250.000 Euro hinnehmen mussten. Fuer die Zeit der unmittelbaren Krise ab 2008 vermute ich eine Umkehrung der Trends.

? Warum?

Damm: Zum einen haben viele Industrien und Immobilien im Westen besonders verloren. Zum anderen scheinen mir Vermoegende im Osten krisenresistenter angelegt zu haben.

Durch Krisenerfahrung klug

? Was haben die Ostdeutschen denn besser gemacht?

Damm: Sie haben zum Beispiel mit ihrer ganzen Katastrophenerfahrung pragmatischer auf die Finanzkrise als viele im Westen reagiert. Die Wechselbereitschaft von privaten Banken zu Sparkassen und Volksbanken einerseits, sowie zu unabhaengigen Vermoegensverwaltern andererseits ist im Osten staerker ausgepraegt, das zeigen Untersuchungen etwa des Verbandes unabhaengiger Vermoegensverwalter oder des ostdeutschen Sparkassenverbandes. Dabei verlassen die Vermoegenden im Osten ihr angestammtes Institut nach meinen Beobachtungen aber nicht vollstaendig. Sie verteilen ihre Eier auf mehrere Koerbe. Das ist ja auch sehr vernuenftig.

? Sind ihre Depots weniger riskant?

Damm: Das glaube ich. Dafuer spricht uebrigens auch, dass Berater und Vermoegende hier tendenziell die gleichen Wurzeln haben, gleich sozialisiert sind. Das zahlt sich in der Krise aus. Denn so waechst leichter Vertrauen und dann kann es sich der Verwalter auch leisten, ein realistisches Risiko/Chance-Verhaeltnis in der Beratung in Aussicht zu stellen, ohne fuerchten zu muessen, das Mandat zu verlieren.

Damm hat weniger Renditedruck

? Wollen Sie damit sagen, dass im Westen Vermoegensverwalter mit unrealistischen Chance/Risikoverhaeltnissen operieren? Damm: Nein, ausdruecklich nicht. Aber ganz klar ist der Renditedruck fuer Kollegen in den alten Bundeslaendern hoeher. Um dem gerecht zu werden, mussten tendenziell hoehere Risiken eingegangen werden. Das war in guten Boersenzeiten gut und ist in schlechten Boersenzeiten schlecht.

? Haben ihre Mandanten kein Geld verloren?

Damm: Auch viele unserer Mandanten haben geringere Vermoegenswerte als vor einem Jahr. Aber wir hatten viele Sicherheits- und Garantiekonzepte in den Depots. Natuerlich ist niemand begeistert, wenn er verliert. Aber ich kann sagen: Unter dem Strich ist das von uns neu verwaltete Vermoegen um 15 Prozent gestiegen. Wie andere Kollegen im Osten haben wir Kunden gewonnen.

? Woher kamen die?

Damm: Die meisten von privaten Banken.

? Warum haben Ihre Kollegen aus dem Westen nicht so viele Kunden von Banken gewonnen? Da ist die Unzufriedenheit doch mindestens genauso groß.

Damm: Ich vermute zum einen, dass die Vermoegen in der Krise schneller geschrumpft sind. Hinzu kommt: Hier im Osten wird jemand allein wohlhabend, er kennt nicht schon andere Wohlhabende von der Schule usw. Viele gehen dann auch zum Vermoegensverwalter, weil sie an einer Vernetzung interessiert sind. Wir organisieren deswegen regelmaeßig den Dresdner Salon, bei dem zuletzt der bekannte TV-Journalist Juergen Engert den Chef des Wirtschaftsforschungsinstitutes Halle vor unseren Kunden und Gaesten interviewt hat. Diese krisenunabhaengige informative Funktion des Vermoegensverwalters ist im Westen laengst nicht so ausgepraegt.

Weitere Infos:www.drh.de

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