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Money-Spezial Von 65 Milliarden auf 0 - oder Madoff und die High-Society
Dienstag 23. Juni 2009, 15:41 Uhr
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Es waren einmal 65 Milliarden Dollar – dann kam die Finanzkrise und das schöne Geld war fast wie über Nacht weg. Bernhard Madoff ist wohl einer der größten und mittlerweile bekanntesten Anlagebetrüger seit es Anlagebetrug gibt.
Die gewaltigen Summen muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen – 65 Milliarden. Das ist eine Zahl mit neun Nullen – 65.000.000.000 Milliarden Dollar, kaum vorstellbar. Durch ein undurchsichtiges Firmengeflecht und eine Art Schnellballsystem wurden Anleger, die auf hohe Renditen hofften, geprellt.
Als ehemaliger Chef der amerikanischen Börse
NASDAQ fiel es Madoff wohl nicht schwer, Vertrauen für seine Investitionen zu finden. Auch europäische Institute konnten nicht widerstehen, diesem Mann ihr Geld anzuvertrauen. Bernhard Madoff hat sich im März beschämt über seine Vergehen in allen Punkten der Anklage schuldig bekannt. Ihm droht nun eine mehr als lebenslange Haftstrafe. Hat Madoff bei diesem spektakulären Betrugsfall alleine gehandelt? Ruth Madoff, mit der er seit gut 50 Jahren verheiratet ist, will von all dem nichts gewusst haben.
Und wo ist all das Geld wirklich hin?
Ruth Madoff’s Anwälte versuchen gerade fieberhaft glaubhaft zu machen, dass die aktuell noch vorhandenen 62 Millionen Dollar plus sonstigen Werten wie Häuser entweder ihr gehören oder vor dem Schnellballabenteuer entstanden sind. Ansonsten drohen diese Werte bald nicht mehr in Madoff’s Händen zu sein.
Die Regierung und die Gegenseite werden hier auch nicht so schnell locker lassen. Für viele sicher ein als gerecht empfundenes Vorgehen, zumal die geprellten Investoren versuchen, zumindest Teile Ihres Verlusts wieder zu bekommen.
Doch was macht Ruth Madoff derzeit eigentlich?
Ruth Madoff wird sich derzeit in New York nicht gerade sehr wohl fühlen, denn die High-Society ist nicht zimperlich, wenn einer der ehemals ihren auffällig wird. Diskretion wird in den Kreisen, in denen die Madoffs verkehren – oder besser verkehrten – noch groß geschrieben.
Soft Baby Blonde – bitte blondieren
Das musste Frau Madoff nun leidlich erfahren, als sie zu ihrem regulären Friseur-Besuch gehen wollte. „Wir müssen draußen bleiben“ – Frau Madoff ist nun im angesagten Friseur-Salon Pierre Michel auf New York’s East 57th Street kein willkommener Kunde mehr. Begründung – aus Rücksicht auf die anderen Kunden, könne man Frau Madoff leider künftig nicht mehr die Haare mit Soft Baby Blonde tönen.
Verständlich, waren doch viele der anderen Kunden Opfer des Betrugsskandals.
Ob sich Ruth Madoff allerdings künftig die Services wie etwa das 700 Dollar teure „Japanese Hair Straigthening“ noch leisten möchte bleibt offen.
Beth Eckhardt, ihres Zeichens Floristin, möchte künftig keine Blumen-Bouquets mehr liefern. Dies wird wohl auch nicht notwendig sein, waren diese doch bisher für die alljährliche Firmenparty bestimmt. An diese Liste reihen sich noch zahlreiche namhafte Restaurants, bei denen Ruth Madoff nicht mehr willkommen ist. Sei es aus Rücksicht auf das Klientel oder auch weil noch die eine oder andere Rechnung offen ist.
Eine andere Adresse, bei der die Madoffs künftig sicher keine Club-Karte mehr haben ist der Palm Beach Country Club. Die Aufnahme-Kriterien hier sind laut Lucinda Franks, Autorin auf der Website „The Daily Beast“, hart. Neben einer 300.000 Dollar teuren Gebühr und der Warteliste muss die oder der potenzielle „Neue“ noch nachweisen, dass er doch einige Millionen bei vornehmlich jüdischen Charity-Organisationen gelassen hat. Laut Angaben in Franks Artikel waren ein Drittel der Club-Mitglieder in Madoff's Investment-Firma investiert.
Arbeitslosigkeit kann jeden treffen.
Die wohl am schwersten verdauliche Tatsache ist wohl jedoch, dass selbst Ihre Söhne Andy und Mark nichts mehr mit Vater und Mutter zu tun haben wollen. Für die beiden sind Mutter und Vater Freunden der Familie nach nur noch „Ruth“ und „Bernie“.
Zudem vermeiden die beiden Söhne, den Namen Ihres Vaters in der Öffentlichkeit einzusetzen. Laut Juli-Ausgabe der Vanity Fair nimmt Andrew Madoff schon einmal gerne den Namen seiner Verlobten Catherine Hooper, um einen Tisch zu reservieren – verständlich würden Sie sonst vielleicht gar abgewiesen.
Dass auch die Söhne den Geldbeutel etwas enger schnallen könnten, dürfte jedem klar sein. Ist doch ihr ehemaliger Arbeitgeber pleite – die Bernard L. Madoff Investment Securities - und er arbeitslos. Ein afro-amerikanischer Freund soll zu ihm auf sein Klagen über die Situation und die Arbeitslosigkeit nur gesagt haben: „Nun geht es Dir wie jedem Schwarzen in Amerika.“
Über eine Tatbeteiligung oder das Wissen der beiden kann trefflich gemutmasst werden. Mrs. Squillari, Bernard Madoff’s langjährige Sekretärin, glaubt nicht, dass die beiden etwas gewusst haben, war es doch Teil Ihres Jobs über die Aktivitäten verschiedener Personen Bescheid zu wissen. „Warum sollten Sie denn aber in einen Konferenzraum gehen, um über das Fischen zu sprechen“, bezweifelt ein ehemaliger Trader laut Vanity Fair diese Version der Geschichte. Für eine Verurteilung der Söhne wird sich die Jury wohl stark auf die Aussagen von anderen ehemaligen Angestellten verlassen müssen.
Was mit Ruth Madoff passiert bleibt abzuwarten. Die Lager bleiben weiterhin gespalten, die einen halten sie für schuldig, die anderen glauben nicht an ihre Schuld.
Die Öffentlichkeit jedoch hat sie bereits zum Großteil für schuldig befunden und die High Society macht ebenfalls einen großen Bogen.
Eines ist klar – will Mrs. Madoff Ihre Reputation verbessern, muss sie dafür etwas tun. So wie es bereits andere Frauen ehemaliger Krimineller getan haben.
Einmal Society und zurück. Auf diese Karte könnte sie setzen. Eine Rehabilitierungs-Kampagne ist jedoch bisher noch ausgeblieben. Ferner sollte sie sich ihre Maßnahmen hier genau überlegen – war doch zumindest auch die Charity-Branche Opfer von Investments in Madoff’s Firma.
Weitere Informationen:
Forbes Special - Bernard Madoff hinter Gittern
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