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Pessimismus macht sich in Wirtschaft breit - Ifo-Geschäftsklima fällt im Juli auf niedrigsten Stand seit September 2005 --Von Nadine Schimr
Donnerstag 24. Juli 2008, 13:39 Uhr

 

München (ddp). In der deutschen Wirtschaft macht sich aufgrund der anhaltend starken Belastungen Pessimismus breit. Die Stimmung hat sich im Juli viel stärker eingetrübt als erwartet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 101,3 Punkten im Juni deutlich auf 97,5 Punkte, wie das Ifo-Institut am Donnerstag in München mitteilte. Volkswirte hatten mit 100,2 Punkten gerechnet. Der Index sank damit auf den niedrigsten Stand seit September 2005 und weist auf eine deutliche Konjunkturabkühlung hin. Die Stimmung litt Experten zufolge vor allem unter dem hohen Ölpreis und dem Euro-Wechselkurs.

Für den
Ifo-Geschäftsklimaindex, der als wichtigster Frühindikator der Wirtschaft gilt, war es der zweite Rückgang in Folge. Auch der Index zur Beurteilung der aktuellen Geschäftslage fiel den Angaben zufolge auf 105,7 von zuvor 108,3 Punkten. Die Komponente für die Geschäftserwartungen ging von 94,6 Punkten im Vormonat auf 90,0 zurück. Es war der niedrigste Stand seit November (Frankfurt: A0S9N7 - Nachrichten) 2002. Dieser Rückgang spreche für ein Ende des Aufschwungs in Deutschland, sagte der Ifo-Ökonom Gernot Nerb dem TV-Sender Bloomberg.

Auch der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, erklärte, dieses Ergebnis lege nahe, dass der «konjunkturelle Aufschwung zu Ende geht». Die Unternehmen seien mit ihrer gegenwärtigen Geschäftslage spürbar weniger zufrieden. Darüber hinaus schätzten sie auch die Entwicklung in den kommenden sechs Monaten wesentlich zurückhaltender ein.

«Der Aufschwung in Deutschland geht zu Ende», bestätigte auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, angesichts der aktuellen Ifo-Zahlen. Noch arbeiteten die Unternehmen die hohen Auftragsbestände ab, noch steige die Beschäftigung. Im kommenden Jahr drohe die deutsche Wirtschaft jedoch empfindlich in die altbekannte Wachstumsschwäche zurückzufallen.

Laut Ifo-Institut verschlechterte sich in allen betrachteten Sektoren, dem verarbeitenden Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel, die Stimmung. Für das verarbeitende Gewerbe fiel der entsprechende Saldenindex im Juli auf plus 2,1 von plus 8,1 im Juni. Das Exportgeschäft werde zudem nach Ansicht der Industrieunternehmen nicht mehr ganz so stark expandieren, erklärte das Wirtschaftsinstitut. Auch lasse die Bereitschaft zu Neueinstellungen in der Industrie nach.

Neben den Industrieunternehmen werden nach Angaben des Ifo-Instituts Dienstleistungsfirmen vorsichtiger beim Stellenaufbau sein. Der Geschäftsklimaindikator im Dienstleistungsgewerbe Deutschlands sei im Juli weiter gesunken. Zudem habe die Zuversicht für die Geschäftsentwicklung der Firmen im kommenden halben Jahr zum vierten Mal in Folge nachgelassen.

Ökonomen zeigten sich von dem abermaligen Rückgang des Ifo-Geschäftsklimas wenig überrascht. Die Belastungsfaktoren, wie der kräftige Anstieg der Rohstoffpreise, der nachlassende Schwung der Weltwirtschaft, die jüngste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB), der feste Euro sowie die anhaltende Finanzkrise, hätten sich in den vergangenen Monaten angehäuft.

Kurz nach Bekanntgabe der aktuellen Ifo-Daten drehte der Leitindex DAX (Xetra: Nachrichten) ins Minus. Die Kursverluste hielten sich allerdings in Grenzen.

Der Geschäftsklimaindex wird monatlich unter rund 7000 Unternehmen erhoben und gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft.

ddp.djn/nas/mbr

 

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