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Indexfonds: Die Kniffe der ETF-Manager
von David Selbach

Montag 25. Mai 2009, 15:46 Uhr

ETFs gelten als transparent und einfach - schließlich bilden sie nur einen Index nach. Dennoch ist das Management gefordert - denn auf Knopfdruck lassen sich diese Fonds nicht verwalten.

Börsengehandelte Indexfonds gelten als Saubermänner der Finanzbranche. Vor allem, weil Anleger genau zu wissen glauben, was drinsteckt: nämlich nicht mehr und nicht weniger als die Werte aus dem Index. Doch wer meint, dass sich ETFs deshalb auf Knopfdruck managen lassen, indem Fondsverwalter
einfach nur immer alle Aktien aus dem Index kaufen, der irrt sich gewaltig.

Denn hinter den Kulissen ziehen Fondsmanager alle Register, um die Fonds auf Kurs zu bringen. Zum einen können Emittenten nicht jeden Index problemlos nachbauen. "Indizes sind zwar oft einfach konstruiert", sagt Thorsten Michalik, Chef der Deutsche-Bank-Tochter DB X-Trackers. "Aber die Realität an den Wertpapiermärkten ist viel komplizierter." Auf manchen Märkten kommen Börsenhändler schwer an Aktien, in anderen fallen beim Kauf Stempelsteuern an. Wieder andere Indizes sind so breit gestreut, dass es kaum praktikabel wäre, alle Aktien zu halten und bei jeder Kapitalerhöhung den ETF umzubauen. Der MSCI World etwa beschreibt die Wertentwicklung von mehr als 1800 Unternehmen.

Hinzu kommt: Wenn Unternehmen Dividenden ausschütten, gehen Indexanbieter meist davon aus, dass die Prämie sofort reinvestiert wird. "In Wirklichkeit vergehen oft Wochen", weiß Michalik. Und auf Dividenden fallen in den meisten Ländern Quellensteuern an. Entsprechend weicht der Wert der ETF-Anteile vom Referenzindex ab. Ein "Tracking Error" entsteht.

Nichts eins zu eins, sondern optimiert

Also haben die Fondsmanager von ETFs zahlreiche Kunstgriffe ersonnen, um Indizes nicht eins zu eins, sondern "optimiert" nachzubilden. "Der Emittent kann dies auf verschiedene Weise erreichen", erklärt Steffen Scheuble, Chef des Finanzprodukte-Spezialisten Structured Solutions. Manche Anbieter wählen eine repräsentative Stichprobe, einen sogenannten Sample, aus Indextiteln und prüfen permanent, ob die Auswahl den Index korrekt wiedergibt. Andere verlagern die Arbeit auf einen Swap-Partner, der das Fondsvermögen immer so weit ausgleicht, dass der ETF dem Index entspricht. Das gilt als simpelste Art, einen ETF zu verwalten, denn die ganze Arbeit wird praktisch ausgelagert.

Doch auch Emittenten wie Lyxor, die sich den Indexkurs per Swap einkaufen, haben Arbeit mit dem Fondsmanagement: Swap-ETFs dürfen maximal zehn Prozent Swaps enthalten, der Rest müssen normale Wertpapiere sein. "Wir wählen dafür besonders liquide Titel aus", erklärt Lyxor-Chef Thomas Meyer zu Drewer. "Aber keine britischen oder solche aus der Schweiz wegen der Stempelsteuern." ETF-Management, sagt Meyer zu Drewer, sei zwar günstiger als bei herkömmlichen Investmentfonds. Zumal viel mehr Vermögen pro Fondsmanager verwaltet würde. Aber von selbst passiert gar nichts.

DB X-Trackers hat einen Mechanismus entwickelt, um Swap-ETFs besser abzusichern, die von Anlegern skeptisch gesehen werden, weil sie bei einer Pleite der Swap-Bank ausfallen. Deshalb soll das Fondsvermögen von DB-X-Trackers-ETFs künftig immer um die zehn Prozent mehr wert sein als der Index, den sie nachbauen. Der Swap-Partner muss nichts ausgleichen. "Und es entsteht auch kein Gegenparteienrisiko", wirbt Michalik. Die Deutsche-Bank-Tochter bereitet die Umstellung aller Fonds auf das neue Verfahren der "Over-Collateralization" vor. Konkurrent iShares verzichtet dagegen in den voll replizierenden Fonds seit Juni 2008 komplett auf den Einsatz von Derivaten.

Genauso macht es auch die sparkasseneigene Gesellschaft ETF-Lab. Als Ersatz müssen andere Techniken her. Unerwünschte Kosten etwa lassen sich per Wertpapierleihe ausgleichen. Dabei verleiht der Fondsmanager einzelne Papiere gegen Gebühr an andere Marktteilnehmer. "Das gehört zum Kerngeschäft von Fondsgesellschaften", sagt iShares-Experte Alexander Mertz.

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