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Auf die aktuelle Börsenentwicklung blicken die Investoren derzeit mit Vorsicht: Sie rechnen nicht damit, dass die Aktienkurse in Europa bis Jahresende weiter steigen. Dabei ist die aktuelle Börsenrally an den deutschen Profis nahezu komplett vorbeigegangen. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse der aktuellen Investorenumfrage von Feri Eurorating und der FTD. Seit Sommer 2004 befragt der Vermögensverwalter und Anlageberater Feri monatlich Altersversorger, Genossenschaftsbanken und Sparkassen sowie Industrieunternehmen nach Markteinschätzungen und Anlageabsichten. Im Mai nahmen 72 Profis, die zusammen 310 Mrd. Euro verwalten, an der Befragung
teil.Der Trend Richtung passive handelbare Fonds ist eindeutig: Etwa 24 Prozent der befragten Investoren wollen innerhalb der kommenden sechs Monate mehr Geld in börsennotierten Indexfonds sogenannten Exchange-Traded Funds (ETFs), verwalten lassen. ETFs bilden eins zu eins einen Index ab und haben im Vergleich zu aktiven Fonds sehr niedrige Gebühren. 56 Prozent der Profis sind interessiert, haben aber nicht die Absicht, so rasch Mittel in die gelisteten Indexfonds umzuschichten. 20 Prozent wollen von ETFs zurzeit nichts wissen.
Anders als Privatanleger investieren viele Profis bereits indexnah, allerdings nicht über ETFs. "In effizienten Märkten sind wir größtenteils über passive Spezialfonds engagiert", sagt Hans Wilhelm Korfmacher, Geschäftsführer des Versorgungswerks der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer. Diese Fonds werden extra für institutionelle Investoren aufgelegt und sind meist günstiger als die börsennotierten Indexfonds. Mehr Investitionen in ETFs verstärken den Druck auf die traditionelle Investmentbranche, die 2008 weltweit unter hohen Mittelabflüssen litt. ETFs hingegen sind während der Finanzkrise in der Anlegergunst gestiegen und haben 2008 netto Geld eingesammelt. Der Grund: Der Großteil der aktiven Fondsmanager schneidet schlechter ab als die wichtigen Börsenbarometer, was nicht zuletzt an den höheren Gebühren liegt, die Anleger bei klassischen Investmentfonds entrichten müssen.
In den USA investieren sowohl private als auch professionelle Anleger bereits in großem Stil in ETFs, aber auch in andere indexnahe Fonds. Verglichen damit steckt der ETF-Markt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Bisher lassen die von Feri befragten Profis nur fünf Prozent ihrer Aktienanlagen durch Indexfonds managen. Vor allem Versicherer und Altersversorger trauen den passiven Fonds bislang kaum über den Weg. Sie haben ein respektive zwei Prozent ihres Aktienportfolios in ETFs investiert. Entsprechend groß ist das Interesse bei diesen beiden Investorengruppen: 45 Prozent der Versicherer wollen bald in Indexfonds anlegen, 55 Prozent prüfen ein derartiges Investment.
Bei Anleihen rücken ETFs komplett aus dem Fokus. Nicht einmal ein Prozent des Rentenportfolios der Anleger landen in Indexfonds. Allerdings managen viele deutsche Profis ihr Anleiheportfolio - das meist mindestens 80 Prozent des Gesamtbestands ausmacht - auch größtenteils allein, da ein erheblicher Teil des Geldes ohnehin in Staatsanleihen steckt. Für die Börsenaussichten zeigen sich die Investoren im Mai skeptisch: Der Erwartungsindikator für Aktien sackt von plus 15 im April auf null. Der Umschichtungsindikator sinkt von 19 auf zwölf. Auffallend dabei ist, dass nur 19 Prozent der Profianleger in den vergangenen drei Monaten Anteilscheine dazugekauft hat. In diesem Zeitraum ist der europäische Aktienindex Stoxx 50 immerhin um rund 20 Prozent gestiegen. 26 Prozent haben sogar Aktien verkauft, der Rest ließ den Aktienanteil unangetastet. Bei Anleihen fallen die Veränderungen erneut geringer aus. Der Erwartungsindikator für Renten sinkt von minus sieben auf minus zwölf. Die Prognose orientiert sich am Bund-Future, einem Terminkontrakt auf ein Bündel langfristiger Bundesschuldverschreibungen, der sich entgegengesetzt zu den Renditen entwickelt. Der Umschichtungsindikator klettert von 23 auf 29. Die Mehrzahl der Profianleger bleibt allerdings passiv: So lassen 57 Prozent der Befragten ihren Liquiditätsbestand unangetastet, 43 Prozent beabsichtigen, neue Investments einzugehen.
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