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Demnach rechnet nur noch ein Teilnehmer mit geringeren Zinsen in drei Monaten. Bei der Umfrage vor der Juni-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) waren es noch fünf. Für die Tagung am nächsten Donnerstag gehen alle Experten davon aus, dass der Leitzins konstant bleibt. "Obwohl dem EZB-Rat zurzeit der Wind aus zwei Seiten ins Gesicht bläst, stehen die Zeichen zunächst auf stillhalten und beobachten", sagte etwa Rainer Guntermann, Volkswirt bei der Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) -Tochter Dresdner Kleinwort. Der Experte
spricht damit die Forderung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Industriestaatenorganisation OECD nach weiteren Zinssenkungen an. Zudem spekulierten die Märkte darauf, dass die EZB bereits 2010 ihre Zinsen wieder anhebt. Erst vergangene Woche hatte die EZB jedoch ein Rekordvolumen von 442 Mrd. Euro bei ihrem ersten Refinanzierungsgeschäft über ein Jahr vergeben und damit die Banken sehr großzügig mit Liquidität versorgt. Zudem wollen die Notenbanker auch gedeckte Anleihen (Covered Bonds) aufkaufen.Auch auf längere Sicht schwindet die Zahl der Ökonomen, die mit einem geringeren Zins rechnen. Nur noch neun Prozent der Teilnehmer erwarten einen niedrigeren Schlüsselzins in einem Jahr. Vor einem Monat lag der Anteil noch bei 30 Prozent. Erstmals seit Längerem stieg damit auch die durchschnittliche Erwartung für den Zinssatz in einem Jahr wieder über ein Prozent.
Die Ergebnisse spiegeln sich gleichzeitig in den Wachstumserwartungen für das nächste Jahr. Im Schnitt rechnen die Experten nun mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent in der Euro-Zone. Noch im Mai waren die Prognosen auf 0,4 Prozent gesunken, einen Monat später lagen sie bei 0,5 Prozent. Dagegen wurden die Vorhersagen für dieses Jahr etwas düsterer. So rechnen die Volkswirte jetzt im Schnitt mit einem Minus von 4,2 Prozent 2009, nach zuvor minus 4,0 Prozent. Die Erwartungen widersprechen allerdings jüngsten Frühindikatoren. Die hatten in den vergangenen Monaten signalisiert, dass der Abschwung an Tempo verliert, auch wenn sie noch kein Ende der Krise anzeigen. "Wir gehen davon aus, dass aufgrund der anhaltenden Rezession im Euro-Raum die Leitzinsen nochmals gesenkt werden", sagte Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank. Er gehört zu den wenigen Experten, die derzeit noch auf sinkende Zinsen setzen.
Kaum ein Umfrageteilnehmer rechnet damit, dass die EZB nochmals unkonventionelle Maßnahmen wie Wertpapierkäufe ergreifen wird. Weitere Lockerungsmaßnahmen dürften keinen Konsens im Rat finden, sagte Dresdner Kleinwort-Volkswirt Guntermann. "Es sei denn, die Kreditvergabe der Banken trocknet trotz der extrem großzügigen Liquiditätsversorgung weiter ein. In diesem Fall könnte die EZB eine neue Dimension der quantitativen Lockerung betreten und den Bankensektor mit der direkten Kreditvergabe an Unternehmen umgehen." Den Schritt hatte in der Vorwoche Bundesbankchef Axel Weber angedeutet.
Die Inflationsprognosen blieben konstant im Vergleich zur Juni-Umfrage. Für dieses Jahr rechnen die Experten mit einer Teuerungsrate von 0,4 Prozent im Währungsraum. Für nächstes Jahr sagen sie einen Wert von 1,2 Prozent voraus. Das zeigt, dass die Experten noch lange keinen gefährlichen Inflationsschub durch die lockere Geldpolitik befürchten. In Bezug auf die anstehenden Abschreibungen der Banken der Euro-Zone halten die Ökonomen die Schätzung der EZB für realistisch. Sie hatte in ihrem jüngsten Finanzstabilitätsbericht ihre Vorhersage zu den erwarteten Abschreibungen angepasst. Sie geht nun davon aus, dass die Wertverluste um 283 Mrd. $ auf 684 Mrd. $ (rund 460 Mrd. Euro) steigen. "Jetzt kommen die rezessionsbedingten Kreditausfälle hinzu, die bisher noch keine entscheidende Rolle gespielt haben", sagte Dieter Wermuth von Wermuth Asset Management. Die EZB-Prognose liegt jedoch noch immer deutlich unter der des Internationalen Währungsfonds, der von einem Gesamtschaden von rund 900 Mrd. $ ausgeht.
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