Der Dax setzt seine Verlustserie fort - heute geht es rasant abwärts. SAP, Commerzbank und Daimler verlieren drastisch. Einzig die Telekom-Aktie stemmt sich gegen den Trend und liegt deutlich im Plus. Das gelingt dem Neuling im TecDax nicht.
HB FRANKFURT. Ein skeptischer Ausblick des Softwarekonzerns SAP und die Unsicherheit über die Entwicklung im Finanzsektor haben am Mittwoch die Kurse an den europäischen Börsen gedrückt. Der Dax fiel bis zum frühen Nachmittag um 1,6 Prozent auf 5 547 Punkte. Auch die meisten europäischen Aktienindizes gaben nach. "Der Markt hat seine rosarote Brille abgenommen", spielte Postbank-Analyst Heinz-Gerd-Sonnenschein auf die zuletzt fast euphorische Stimmung vieler Börsianer an. SAP (Xetra: 716460 - Nachrichten) -Aktien brachen um fast
acht Prozent ein und waren damit im Dax (Xetra: Nachrichten) der schwächste Wert. Die US-Aktienmärkte sind ebenfalls schwächer in den Handel gestartet. Viele Marktteilnehmer seien sich unschlüssig, wie weit die seit sieben Monaten anhaltende Rally noch gehe, sagten Händler. Der Dow-Jones-Index verlor 0,4 Prozent auf 9846 Zähler. Die US-Technologiebörse Nasdaq gab 0,8 Prozent auf 2099 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500-Index sank um 0,4 Prozent auf 1059 Zähler. In den USA war im September der Absatz neuer Eigenheime überraschend um 3,6 Prozent gefallen. Analysten warnten aber die Statistik überzubewerten. "Ein Monat ist natürlich kein Trend, und es gibt ja eine Menge Beweise für eine Wende am Immobilienmarkt", erklärte ein Analyst. Nachdem Technologieunternehmen wie IBM (NYSE: IBM - Nachrichten) , Microsoft (NASDAQ: MSFT - Nachrichten) und Apple (NASDAQ: AAPL - Nachrichten) mit ihren Quartalsbilanzen die Anleger noch positiv überrascht hatten, schlug die Enttäuschung über SAP besonders dramatisch durch. Der weltgrößte Firmensoftware-Hersteller leidet unter der zögernden Investitionsbereitschaft seiner Kunden und musste daher die Geschäftsziele für das laufende Jahr stutzen. Zudem schrumpften die Umsätze im dritten Quartal stärker als erwartet. Am Nachmittag lagen SAP-Aktien noch mit 32 Euro sieben Prozent im Minus. Besonders unter Druck blieben zudem europaweit die meisten Finanzwerte. Neben ING belasteten auch die enttäuschenden Zwischenergebnisse der spanischen Bank Santander, deren Aktien in Madrid um drei Prozent fielen. Seit der überraschenden Ankündigung einer Aufspaltung der niederländischen ING Bank mit gleichzeitiger Kapitalerhöhung reagieren die Anleger im Finanzsektor auf schlechte Nachrichten besonders sensibel. ING setzten in Amsterdam ihre Talfahrt der vergangenen Tage fort und verloren zeitweise über sechs Prozent. Im Dax fielen Deutsche Bank (Xetra: 514000 - Nachrichten) um zwei Prozent und Commerzbank (Xetra: 803200 - Nachrichten) um über vier Prozent. Unsicherheit über Bankenrettungsmaßnahmen in Irland ließ die Aktienkurse von Allied Irish Banks (Dublin: AIB.IR - Nachrichten) und Bank of Ireland (Dublin: BIR.IR - Nachrichten) an der Börse in Dublin zeitweise um mehr als 20 Prozent einbrechen. Unter Druck blieben zudem europaweit die Autowerte, allen voran die Daimler (Xetra: 710000 - Nachrichten) -Aktien, die sechs Prozent auf 32,95 Euro verloren. Händler verwiesen auf negative Äußerungen von Analysten sowie die Enttäuschung vieler Anleger über die am Vortag veröffentlichten Details zur Quartalsbilanz. Auch die übrigen Autowerte waren schwach: in Paris setzten Renault (RNO.NX - Nachrichten) mit einem Kursverlust von fast fünf Prozent ihre Talfahrt fort. BMW (Xetra: 519000 - Nachrichten) und Peugeot (Paris: FR0000121501 - Nachrichten) verloren je bis zu drei Prozent. Die Autowerte hatten zuletzt von den Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung besonders stark profitiert. Dies galt auch für den Stahlsektor, an dessen Erholung einige Anleger nach einem enttäuschenden Zwischenbericht von Branchenführer ArcelorMittal zweifelten. Arcelor (Paris: LU0140205948 - Nachrichten) -Mittal fielen um bis zu 6,4 Prozent und notierten am Nachmittag mit 23,70 Euro immer noch 3,3 Prozent im Minus. Im Dax gaben Thyssen (Xetra: 750000 - Nachrichten) -Krupp und Salzgitter drei bis vier Prozent nach. Im MDax büßten die Aktien von Stahlhändler Klöckner & Co sechs Prozent ein. Europäische Telekomwerte haben sich gegen den Abwärtstrend an den Börsen gestemmt. Die Deutsche Telekom lag 2,6 Prozent im Plus bei 9,74 Euro, Telefonica (Madrid: BTEF.MC - Nachrichten) 0,5 Prozent, BT Group (London: BT-A.L - Nachrichten) 0,4 Prozent und KPN (Amsterdam: KPN.AS - Nachrichten) 0,7 Prozent. Der europäische Branchensektor lag als einziger mit 0,7 Prozent im Plus. Die Analysten von Barclays (London: BARC.L - Nachrichten) hatten die Bewertung des europäischen Telekomsektors mit "positiv" aufgenommen. Als Top-Aktien empfahlen sie Telefonica, Deutsche Telekom (Xetra: 555750 - Nachrichten) , BT und KPN. Alle diese Unternehmen hätten das Potenzial, den freien Cash-Flow zu erhöhen und diesen den Aktionären zurückzugeben, begründeten die Analysten in einer Studie. Außerdem dürften sie von einer Konjunkturerholung profitieren. Im MDax übernahmen die Titel von Vossloh (Xetra: 766710 - Nachrichten) die rote Laterne. Sie verbuchten nach Vorlage einer enttäuschenden Zwischenbilanz ein sattes Minus von zehn Prozent. Der Verkehrstechnik-Konzern weckte Zweifel an der Erreichbarkeit seiner Prognose für das kommende Jahr, sagten Börsianer. Vossloh litt zuletzt unter einem schwächelnden Geschäft in China und einer eingebrochenen Nachfrage nach Dieselloks. Die Titel von Morphosys (Xetra: 663200 - Nachrichten) fielen zudem um 1,8 Prozent. Das Zahlenwerk des Antikörper-Spezialisten traf Marktteilnehmern zufolge insgesamt in etwa die Erwartungen. Der Umsatz im dritten Quartal habe leicht enttäuscht, schrieb aber Analyst Daniel Wendorff von der Commerzbank in einer ersten Einschätzung. Der Reingewinn und der Gewinn je Aktie des Antikörper-Spezialisten seien jedoch höher als von ihm und vom Markt erwartet ausgefallen. Die Titel des TecDax-Neulings Evotec sind um 4,05 Prozent auf 2,13 Euro gesunken. Die Aktien des Biotechnologieunternehmens ersetzten die Papiere des Softwareherstellers IDS Scheer , die um 0,33 Prozent auf 15,38 Euro stiegen. Wegen der Übernahme durch die Software AG liegt der Streubesitzanteil von IDS Scheer (Xetra: 625700 - Nachrichten) unter der Mindestgrenze von zehn Prozent. Die Aktie erfülle somit nicht mehr die Voraussetzungen für einen Verbleib im Index, hatte die Deutsche Börse am Montag mitgeteilt.
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