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Was GmbH-Chefs verdienen dürfen von Katrin Terpitz
Mittwoch 28. Oktober 2009, 07:52 Uhr

 

Anders als viele Vorstandschefs spüren Geschäftsführer die Krise bislang kaum auf ihrem Gehaltskonto. Die Hälfte der Geschäftsführer verdient marginal weniger. Das Viertel der Top-Verdiener unter den GmbH-Chefs erhält sogar 1 000 Euro mehr im Jahresschnitt. Die Spannweite der Gehälter ist allerdings riesig. Einige müssen verzichten lernen.

DÜSSELDORF. Um die eigene Firma zu retten, ist so mancher GmbH-Chef derzeit zu finanziellen Opfern bereit. Der Gesellschaftergeschäftsführer eines mittelständischen Technikbetriebs aus dem Süddeutschen etwa wollte auf 200 000 Euro verzichten, die seine Firma über die Jahre für ihn als Pension zurückgestellt hatte. Er fiel aus allen Wolken, als das Finanzamt plötzlich satt Einkommensteuer von ihm forderte - für Geld, auf das er verzichtet hatte.

Der Grund: Mit seinem Pensionsverzicht wollte der GmbH-Chef zugleich die Eigenkapitalquote und damit das Bankenrating der Firma aufpolieren. Seit dem neuen Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
(BilMoG) vom Mai müssen Pensionsrückstellungen offen dargestellt werden.

Bisher waren sie nur stille Lasten. "Jetzt senken sie das Eigenkapital zusätzlich und wirken krisenverschärfend", erklärt Rolf Leuner, Steuerberater und Partner bei Rödl & Partner. Da die 200 000 Euro aus den Büchern der GmbH verschwunden waren, ging das Finanzamt von einer Auszahlung an den Chef und damit von Lohn aus. "Er hätte im Vorfeld schriftlich wasserdicht begründen müssen, dass sein Verzicht betrieblich veranlasst war", rät Leuner.

Fälle wie diese zeigen: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen Geschäftsführer noch genauer darauf achten und begründen, welche Leistungen sie beziehen. Schließlich können sie als Gesellschafter ihr Salär selbst festlegen und zudem vom Gewinn der GmbH steuerlich absetzen. Gönnt sich ein Gesellschafterchef zu viel, wittert der Fiskus eine verdeckte Gewinnausschüttung.

Welches Geschäftsführergehalt ist noch angemessen? Diese Frage ist ein heißes Eisen bei jeder Betriebsprüfung. Orientierung im Vergütungsdschungel gibt die jährliche Studie von Handelsblatt und BBE Media. Sie dient Finanzämtern und Gerichten als Richtschnur. Angestellte Geschäftsführer bekommen Hinweise, in welchen Branchen sie am besten verdienen und welche Gehaltsforderungen sie stellen können.

Über 3 500 Geschäftsführer gewährten Einblicke in Fixgehalt, Tantiemen, Pensionszusagen und Extras wie Firmenwagen. Im Schnitt verdient ein GmbH-Geschäftsführer 137 329 Euro verteilt auf 12,7 Monatsgehälter. Dabei bekommen Gutverdiener, das oberste Viertel der Befragten, im Schnitt 1 000 Euro mehr als im Vorjahr. Die Hälfte der Geschäftsführer erhält demgegenüber etwas weniger.

Traditionell am meisten lässt sich in der Industrie verdienen:im Schnitt 143 839 Euro fix plus 55 606 Euro Tantieme. "Chemie und Pharma sowie Maschinen- und Fahrzeugbau zahlen Spitzengehälter für Chefs", sagt Peter Rath, Vergütungsexperte von BBE Media. Danach folgen Großhandel, Dienstleister und Handwerk. Schlusslicht bildet der Einzelhandel im Schnitt mit 82 339 Euro fix und 26 698 Euro Tantieme.

Nach Umsatz gemessen ist die Spannbreite der Gehälter noch größer. Spitzenverdiener der Umfrage ist ein Geschäftsführer mit 3,5 Mio. Euro Jahresgesamtgehalt. Er leitet einen Betrieb aus dem Bereich Chemie/Pharma. Damit übertrifft er sogar die Gesamtbezüge von sieben Dax (Xetra: Nachrichten) -30-Vorstandsvorsitzenden.

Beiersdorf (Xetra: 520000 - Nachrichten) -Chef Thomas Quaas etwa kam auf 1,33 Mio. Euro, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf 1,39 Mio. Euro. Insgesamt sanken die Bezüge der Dax-30-Chefs 2008 um etwa 20 Prozent, ermittelte die Beratung Towers Perrin. Der Grund: Ihre Boni, die meist an den Gewinn gekoppelt sind und einen Großteil der Vergütung ausmachen, brachen in der Krise zum Teil drastisch ein.

Anders bei den Geschäftsführern: Ihre Tantieme darf ohnehin üblicherweise 25 Prozent des Gesamtgehalts nicht übersteigen. In Ausnahmefällen, wenn es die Ertragslage zulässt, darf die Tantieme bis zu 50 Prozent des GmbH-Gewinns betragen. Drei Viertel der befragten Geschäftsführer haben eine Tantiemevereinbarung. Nicht nur die Tantieme, auch das Fixgehalt steht in wirtschaftlich kritischen Zeiten zur Disposition. Hat die Firma existenzgefährdende Liquiditätsprobleme, muss ein Gesellschaftergeschäftsführer sein Gehalt gegebenenfalls kürzen. Sonst läuft er Gefahr, im Insolvenzfall in Regress genommen zu werden. So urteilte das Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 18U 131/07). In dem Fall hätte der Chef sein Gehalt halbieren müssen, um einen fälligen Kontokorrentkredit zu zahlen. Da die Firma pleite ging, forderte der Insolvenzverwalter Schadenersatz. Zu Recht, urteilte das Gericht.

Seit Jahresbeginn müssen Gesellschaftergeschäftsführer beim Gehalt noch genauer rechnen als bisher. Gründe: niedrigere Körperschaft- und Gewerbesteuer auf der einen Seite und die pauschale Abgeltungssteuer von 25 Prozent für Dividenden auf der anderen Seite. Zugleich können GmbH-Chefs jetzt wählen: Versteuern sie den ganzen Gewinnanteil mit 25 Prozent oder aber nur 60 Prozent davon mit dem persönlichen Steuersatz? Wobei nicht wenige Chefs in der Spitze auf einen Satz von 45 Prozent kommen.

Grundsätzlich gilt: Je höher der Hebesatz der Gewerbesteuer am Firmensitz, desto eher lohnt es sich, auf eine Ausschüttung zu verzichten und den Spielraum des Gehalts nach oben auszureizen. "Jedder Einzelfall ist vorher genau auszurechnen", sagt Leuner von der Wirtschaftskanzlei Rödl.

Das überlassen Geschäftsführer in der Regel ihren Steuerberatern. Schließlich opfern sie bereits viel Zeit für die Firma: Jeder Dritte arbeitet zum Teil deutlich über 50 Stunden in der Woche. Am fleißigsten sind die Chefs der Industrie, elf Prozent arbeiten über 60 Wochenstunden.

Für ihr Engagement haben sich viele GmbH-Chefs weitere Extras ausgehandelt. Knapp 90 Prozent verfügen über eine Direktversicherung. Eine Pensionszusage dagegen ist seltener: In der Industrie haben sie 40 Prozent der Geschäftsführer, im Einzelhandel dagegen nur 21 Prozent. "Die Pensionszusage sollte auf alle Fälle ablösbar sein, sonst sieht der Geschäftsführer kein Geld, wenn die Firma insolvent wird", betont Rath (Wien: RAT.VI - Nachrichten) .

Auch in der Krise bleibt der Firmenwagen das Statussymbol für Chefs. Über 80 Prozent fahren einen solchen in einem Wert von 55 626 Euro im Schnitt. Am beliebtesten ist die E-Klasse von Mercedes (Xetra: 710000 - Nachrichten) , die 11,8 Prozent der GmbH-Chefs bevorzugen, dicht gefolgt vom Audi A6 und BMW (Xetra: 519000 - Nachrichten) 5er-Reihe. Der Geschäftsführer eines Dienstleisters leistete sich sogar eine Luxuskarosse für 243 000 Euro auf Firmenkosten.Damit auch jeder sehen kann, wer der Chef ist.

Wenn Sie Interesse an der Studie "GmbH-Geschäftsführervergütungen 2010" haben, können Sie sie hier bestellen.

 
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