Unternehmen können sich gegen Zahlungsausfälle schützen. Doch die Kreditversicherer sind in die Kritik geraten. Als Folge des erwarteten Anstiegs der Insolvenzen für 2009 um zwölf Prozent haben sie ihre Preise erhöht, in einzelnen Fällen sogar verdoppelt. Exportorientierte Unternehmen finden kaum noch einen Versicherer.
KÖLN. Am Vorabend einer Insolvenz verschlechtert sich nach Beobachtung der Wirtschaftsauskunftsdatei Creditreform das Zahlungsverhalten drastisch: Bereits überfällige Zahlungen begleichen angehende Pleitekandidaten erst nach durchschnittlich 43 Tagen - und nicht, wie sonst üblich, nach höchstens 14 Tagen Zahlungsverzug. Dabei bleiben die Pleitekandidaten ihren Gläubigern gerade größere Rechnungsbeträge von über 1 000 Euro Warenwert sehr lange schuldig, hat Creditreform kürzlich bei einer Betrachtung des Mittelstandes herausgefunden. Das ist vor allem für Lieferanten eines solchen Unternehmens kritisch. Denn nicht selten droht ihnen
durch diese Forderungsausfälle oder hohe Außenstände selbst die Folgeinsolvenz. Eine Möglichkeit für Unternehmen sich im gewerblichen Geschäft gegen solche Gefahren zu schützen, ist die Kreditversicherung. Darunter versteht die Assekuranz drei verschiedene Sparten: die Delkredere-, die Kautions- und die Vertrauensschadenversicherung. Die Delkredereversicherung bietet Schutz vor Forderungsausfall von Warenlieferungen und Dienstleistungen. Die Kautionsversicherung tritt bei Aufträgen an die Stelle von Bürgschaften oder Garantien. Mit der Vertrauensschadenversicherung schützen sich Unternehmen vor Unterschlagung, Diebstahl, Betrug oder ähnliches durch die eigenen Mitarbeiter. Alle drei Sparten betreiben in größerem Umfang nur die zur Allianz gehörende Euler Hermes (Paris: FR0004254035 - Nachrichten) , die R+V sowie die Zurich. Die drei größten Anbieter sind wegen des umsatzstarken Delkredere-Geschäftes jedoch Euler Hermes, Atradius und Coface. Hinzu kommen Nischenanbieter wie die zur Axa (Paris: FR0000120628 - Nachrichten) gehörende DBV-Winterthur, die VHV, Versicherungskammer Bayern und ausländische Wettbewerber wie Trade Credit Re oder ACE. Doch die Kreditversicherer sind in die Kritik geraten. Als Folge des von ihnen erwarteten Anstiegs der Insolvenzen für 2009 um zwölf Prozent auf mehr als 33 000 Fälle haben sie ihre Preise erhöht, in einzelnen Fällen sogar verdoppelt. Der Preis der Kreditversicherung beträgt im Regelfall einen Promillesatz des versicherten Umsatzes. Konkret bestimmt er sich aus Faktoren wie dem Risiko, der Umsatzgröße und der Risikoteilung zwischen Versicherer und Unternehmen. Gleichzeitig haben die Versicherer für risikoreichere Geschäftspartner die Limite teilweise zurückgefahren oder ganz gekündigt. Das heißt, bestimmte Lieferungen auf Zahlungsziele werden nicht mehr oder nur noch bedingt versichert. Als gefährdete Branchen bewertet beispielsweise Coface derzeit besonders exportabhängige Unternehmen wie Flugzeug- und Automobilzulieferer, Textil- und Bekleidungsindustrie, See (0491.HK - Nachrichten) - und Binnenschifffahrt und - in geringerem Ausmaß - Metall-, Chemie- und Ausrüstungsindustrie. So hinderlich dieses Limitmanagement der Versicherer für Geschäftsbeziehungen ist, birgt es für den Kunden jedoch Schutz. Schließlich sitzen die Unternehmen bei einer Insolvenz ihrer Abnehmer mit dem Versicherer im gleichen Boot: Beim Zahlungsausfall haben sie in der Regel einen Selbstbehalt von durchschnittlich 20 bis 25 Prozent. In Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland versucht Atradius derzeit, das Debitorenmanagement vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zu verbessern. So überprüft und zertifiziert der TÜV ihre Prozesse, Dienstleistungen und Managementprozesse. Dies soll den Umgang mit Schuldnern professionalisieren. Handwerkszeug hierzu ist das Verfahren CMC:2006 zur Analyse und Bewertung des betrieblichen Credit Managements. Unternehmen, die ihr Forderungsmanagement so eingehend prüfen und bewerten lassen, verspricht der Versicherer vorteilhaftere Konditionen.
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