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dpa
EU genehmigt Darlehen für Quelle
Dienstag 30. Juni 2009, 17:09 Uhr

 

EU genehmigt Darlehen für Quelle
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Berlin/Fürth/Brüssel (dpa) - Große Erleichterung bei Quelle: Mit einem staatlichen Kredit über 50 Millionen Euro ist das Ende des insolventen Versandhauses in letzter Sekunde abgewendet worden. Die EU-Kommission genehmigte den Notkredit am Dienstagnachmittag.

«Jetzt hat Quelle die Chance, sich neu aufzustellen», sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Er warnte zugleich: «Quelle ist mitnichten jetzt gerettet.» Zugleich entzündete sich an der Quelle-Hilfe neuer politischer Streit zwischen Bayern und der Bundesregierung. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)
attackierte die Bundesregierung scharf und sprach mit Blick auf die tagelange Hängepartie von einem «Trauerspiel».

Von der EU in Brüssel hieß es, die Beihilfe erfülle die EU- Kriterien zur Rettung von Unternehmen in Schwierigkeiten, weil die Hilfe in Form eines Darlehens gewährt werde und zeitlich befristet sei. Der Kredit soll den Geschäftsbetrieb des Versandhauses zunächst aufrechterhalten. Bayern und Sachsen teilen sich die Summe mit dem Bund. Der Kredit muss zum Jahresende zurückgezahlt werden.

Der Bund und die beiden Länder hatten sich am späten Montagabend auf den sogenannten Massekredit geeinigt. Für die rund 8000 Quelle- Beschäftigten ging eine tagelange Zitterpartie vorläufig zu Ende. «Uns ist nicht nur ein Stein, sondern ein Felsen vom Herzen gefallen», sagte Betriebsrat Rainer Rohlederer. Dies sei jedoch nur der erste Schritt.

Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers erklärte: «Unsere Mitarbeiter und unsere Kunden haben bis zuletzt auf eine faire Chance gehofft und sie nun erhalten.» Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel sagte, die Entscheidung gebe «wahnsinnige Motivation». Vor Quelle liege eine Menge Arbeit. «Aber wir haben jetzt die Chance zu beweisen, dass unsere Konzepte tragen.» Die Regierungen von Bayern (etwas mehr als 20 Millionen Euro) und Sachsen (über vier Millionen Euro) segneten die Kredite am Dienstag ab. Der Bund, der die restlichen 25 Millionen Euro trägt, will die Staatsbank KfW beauftragen. 

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sprach von einer guten Lösung für die Beschäftigten und die Steuerzahler. Für den Kreditanteil des Bundes gebe es ausreichend Sicherheiten. Zudem habe der Bund vorrangigen Zugriff auf die Sicherheiten - vor Sachsen und Bayern. Auch Guttenberg zeigte sich überzeugt, dass das Geld wieder zurückfließen wird. Er verteidigte sein langes Zögern, die Zustimmung zum Notkredit zu geben. «Wir haben mit Steuergeldern vernünftig umzugehen», sagte er im ZDF-Morgenmagazin.

Seehofer griff Steinbrück und seinen eigenen Parteifreund Guttenberg dagegen scharf an, ohne sie namentlich zu nennen. Bayern habe den Eindruck, dass die Bundesregierung nicht in erster Linie auf die Arbeitsplätze und die Betroffenen geachtet habe. Zudem kritisierte er, «die beiden betroffenen Ministerien» in Berlin hätten den Eindruck erweckt, als würde Bayern leichtfertig mit Steuergeldern umgehen und der Bund sei der einzige Hüter ordnungspolitischer Interessen. «Das erhöht schon meinen Blutdruck.»

Nach Worten von Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers wurde das Ende von Quelle im buchstäblich letzten Moment abgewendet. «Die Situation war sehr heikel und hat sich jeden Tag weiter zugespitzt», sagte Hilbers der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Die Lichter wurden immer schwächer.» Der Umsatz sei zuletzt um bis zu 30 Prozent gesunken. Quelle konnte seine Lieferanten nicht bezahlen und war darauf angewiesen, dass sie im Vertrauen auf die Staatshilfe in Vorleistung gehen. Mit dem sogenannten Massekredit soll das Unternehmen den Geschäftsbetrieb zunächst aufrechterhalten.

Hilbers sagte, es gehe nun darum, mit Hochdruck einen Insolvenzplan zu entwickeln. «Wir müssen ein Zukunftsszenario entwerfen, das Profitabilität nachweisen und Arbeitsplätze sichern kann.» Anfang September solle der Plan dem Insolvenzgericht und der Gläubigerversammlung vorgestellt werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gab sich verhalten optimistisch. Er erklärte: «Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren.» Dies sei aber kein «Selbstgänger». Er hoffe jedoch auf einen «guten Ausgang», sagte Görg.

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