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Erfurt (ddp-lth) Die rechtsextreme NPD stellt zur Landtagswahl
flächendeckend Direktkandidaten auf. Dies sei «überraschend» und nach
den Kommunalwahlen «nicht unbedingt» zu erwarten gewesen, sagte der
Rechtsextremismus-Experte Stefan Heerdegen von der Mobilen Beratung
in Thüringen (Mobit) am Dienstag. Andererseits habe die Partei stets
auf die Landtagswahl am 30. August geschielt. Unterdessen regt sich
Protest gegen den Wahlkampfauftakt der NPD vor Moscheen im Land.
Für die Kommunalwahlen Anfang Juni hatte die NPD nur in knapp der
Hälfte der Wahlkreise Bewerber gewinnen können Nun gab die NPD
bekannt, dass es ihr «entgegen den
Annahmen des Verfassungsschutzes»
gelungen sei, Direktkandidaten in allen 44 Wahlkreisen aufzustellen.
Im Verfassungsschutzbericht 2008 hieß es, die Kandidatenaufstellung
dürfte für die Partei aufgrund szeneinterner Streitereien «nicht
unproblematisch» werden.
Hingewiesen wurde damals unter anderem auf die verschiedenen
Interessenlagen von NPD, DVU und «Freien Kräften» Anders als bei der
Landtagswahl in Brandenburg werden DVU und NPD in Thüringen aber
nicht getrennt antreten. Die DVU habe ihm versichert, dass man an
einem Strang ziehen werde, sagte NPD-Spitzenkandidat Frank Schwerdt
mit Blick auf den gebrochenen «Deutschlandpakt» zwischen den
Parteien. Darin hatten beide vereinbart, bis Ende 2009 nicht bei
Wahlen gegeneinander anzutreten.
Nach Einschätzung von Heerdegen ist die NPD derzeit nicht in der
Lage, die Fünf-Prozent-Hürde bei der Landtagswahl zu überspringen
Ein NPD-Erfolg könne aber nicht ausgeschlossen werden, die Partei sei
«kampagnenfähig», auch wenn ihr nur ein Budget von 160 000 Euro zur
Verfügung stehe. Es mangele ihnen vielleicht an Geld, nicht jedoch an
«Manpower», sagte der Mobit-Experte. Die NPD könne für Mahnwachen und
Infostände stets parteilose Kräfte mobilisieren. Der
Verfassungsschutz hatte die NPD zuletzt durch sinkende
Mitgliederzahlen geschwächt gesehen.
Die NPD will sich im Wahlkampf nach eigenen Angaben vor allem auf
Jungwähler konzentrieren Dazu würden im großen Stil Schulhof-CDs
verteilt und Jugendportale im Internet beackert, hieß es. Heerdegen
rechnet damit, dass die Partei verstärkt auf Rechtsrock setzen wird.
Er warnte vor dem «Nazi-Open-Air»-Festival «Rock für Deutschland am
11. Juli in Gera, bei dem Szene-Held »Lunikoff« spielen werde. Nach
Angaben eines Aktionsbündnisses, das zur Blockade der Veranstaltung
aufrief, werden 1000 Neonazis erwartet.
Bündnisse sowie Grüne, Linke und SPD riefen derweil zum Protest
gegen die für Mittwoch und Donnerstag angekündigten NPD-Mahnwachen
vor Moscheen in Erfurt, Jena und Nordhausen auf Linke-Fraktionschef
Dieter Hausold nannte es «skandalös» und «unerträglich», das
Rassisten auch nur in der Nähe von Gebetshäusern menschenverachtende
Parolen verbreiten könnten. Die Grünen sprachen von einem perfiden
Vorgang und verwiesen auf ein interkulturelles Frühstück als
Gegenaktion in Jena. Und SPD-Landesgeschäftsführer Jochen Staschewski
rief die CDU auf, sich «gemeinsam mit den anderen Demokraten gegen
die braune Soße zur Wehr zu setzen».
(ddp)
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