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Nürnberg (ddp) Die übliche Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt
ist im Juni deutlich schwächer ausgefallen als in den Vorjahren Nach
Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ging die Zahl der
Arbeitslosen im Juni im Vergleich zum Vormonat um 48 000 auf 3,41
Millionen zurück Im Durchschnitt der letzten drei Jahre hatte es im
gleichen Zeitraum jedoch einen Rückgang um 129 000 gegeben «Die
erwartete Frühjahrsbelebung wird überlagert durch die starke
Rezession, sagte der BA-Vorstandsvorsitzende Frank-Jürgen Weise am
Dienstag in Nürnberg Bei der Quote habe es im Vergleich zum
Vormonat
ein leichtes Minus von 8,2 auf 8,1 Prozent gegeben.
Zählt man die seit Mai nicht mehr eingeschlossen Arbeitslosen mit,
die bei privaten Anbietern vermittelt werden sollen, ergibt sich im
Monatsvergleich sogar nur ein Rückgang um 31 000 Deutlich wird die
Wirtschaftskrise und die «schwere Rezession speziell beim Vergleich
mit dem Vorjahresmonat Im Juni 2009 waren 250 000 Menschen mehr ohne
Job Ohne die vielen Kurzarbeiter und ohne den Rückgang der auf dem
Markt verfügbaren Arbeitskräfte läge die Zahl noch höher
BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker bezifferte die aktuelle Zahl der
Kurzarbeiter auf 1,3 Millionen bis 1,4 Millionen, wobei der Ausfall
bei rund einem Drittel der normalen Arbeitszeit liege
Trotzdem zeigte sich Weise bezüglich der allgemeinen Lage auf dem
Arbeitsmarkt weiter optimistisch Die Wirtschaftskrise wirke sich
«immer noch moderat aus, für das laufende Jahr rechne er nicht mit
einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf über vier Millionen Er setzte
aber voraus, dass die Kurzarbeit bis zum Jahresende weiter genutzt
werde und das Wetter mitspiele Gleichwohl erwartet er, dass in
vielen Betrieben nach der Sommerpause die Kurzarbeit ausläuft und
viele Menschen ihre Stelle verlieren «Ich erwarte keine
Entlassungswelle, aber steigende Arbeitslosigkeit, sagte der
BA-Chef
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) wies ebenfalls auf den
Erfolg der Kurzarbeit «Wir haben Hunderttausende Arbeitsplätze durch
die Kurzarbeit gerettet, sagte der Minister «Der scharfe Einbruch
des wirtschaftlichen Wachstums hat nicht zu dem erwarteten
dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt, fügte er hinzu
Das entkoppelt zu haben sei ein Verdienst der Kurzarbeit Auch
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sprach von «Stabilität am
Arbeitsmarkt «Die Sicherungsnetze haben gehalten, sagte er. Doch
neben den kurzfristig wirkenden Maßnahmen für Arbeitsplätze bedürfe
es einer nachhaltigen Wachstumspolitik.
Kritisch fiel dagegen die Bewertung von Opposition und
Gewerkschaften aus Die Partei Die Linke kritisierte die
Berechnungsgrundlage der Zahlen «So erscheinen fast alle
Arbeitslosen, die älter als 58 sind, nicht in der offiziellen
Statistik Wer krank ist, einen Ein-Euro-Job hat oder an einer
Weiterbildung teilnimmt, taucht ebenfalls nicht mehr auf, bemängelte
Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch Nach Berechnung der
Partei sind bundesweit 4,55 Millionen Menschen arbeitslos Auch die
FDP sprach von «Potemkinschen Zahlen aus Nürnberg.
Der DGB sieht «unverändert düstere Parameter am Arbeitsmarkt und
wies auf die sich verschlechternde Qualität der Arbeit hin «Jeder
dritte Beschäftigte ist heute atypisch tätig: befristet angestellt,
im Mini-, Midi-, Ein-Euro-Job oder als Zeitarbeiter beschäftigt,
kritisierte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki
ddpdjn/rab/mwo
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