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Berlin/Paris (dpa) - Frankreichs Staatsbahn SNCF drängt mit hohem Tempo aufs deutsche Schienennetz, während Paris weiterhin jede Öffnung des Bahnverkehrs für deutsche Gesellschaften in Frankreich ausbremst. Der neue Bundesverkehrsminister Peter Raumsauer (CSU) will dieses einseitige Bahnmonopol jetzt mit Vorrang brechen. «Ich bin durchaus für Wettbewerb», sagte Ramsauer am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Nur muss er auf beiden Seiten stattfinden.» Wie verlautete, will der Minister den seit Jahren anhaltenden Streit um die EU-Marktöffnung beenden und alsbald mit Paris verhandeln.
Auch ein Sprecher der Deutschen Bahn AG sagte auf dpa-Anfrage: «Wir möchten, dass die Märkte einheitlich geöffnet werden.»Nach Zeitungsberichten will die SNCF der Bahn auf wichtigen Fernstrecken in Deutschland Konkurrenz machen. Die Franzosen wollten künftig von Frankfurt nach Berlin und Hamburg fahren, berichtet «Die Welt». Auch habe das Berliner Unternehmen Locomore Rail den Zuschlag bekommen, bereits von 2010 an mehrmals täglich auf der Strecke Köln-Hamburg zu pendeln. Dahinter soll ein ausländischer Investor stecken. Bislang hat die DB im Personenfernverkehr fast keine Konkurrenz. Dagegen gibt es im deutschen Regionalverkehr allerdings einige ausländische Bahnbetreiber. Laut «Financial Times Deutschland (FTD)» will die SNCF-Tochter Keolis künftig auch von Berlin nach Hamburg fahren. Ein Sprecher der Bahn bestätigte auf Anfrage, dass SNCF-Vorstandschef Guillaume Pépy vor zwei Wochen die DB-Spitze über eine «bevorstehende Trassenanmeldung» informiert habe. Es sei aber nicht bekannt, um welche Strecken es dabei gehe. Die SNCF bestätigte lediglich, dass sie einen Antrag zur Streckennutzung in Deutschland für die Jahre 2011 bis 2015 gestellt habe. Ob darin auch eine Ausweitung der Strecken nach Berlin und Köln enthalten sei, wollte eine Sprecherin in Paris nicht sagen. DB-Vorstand Ulrich Homburg wertete den Vorstoß der Franzosen als Angriff. «Das wird eine blutige Schlacht, die in den Bilanzen tiefe Spuren hinterlässt», sagte er der «FTD». Andererseits wird die Kooperation mit der SNCF von der DB auf den Strecken von Frankfurt/Main sowie Stuttgart nach Paris als erfolgreich bezeichnet. «Wir sind bestrebt, unsere Wachstumsmöglichkeiten auch außerhalb Deutschlands auszuweiten», sagte ein Sprecher. Die Bahn betreibe Regionalzüge schon in England und Schweden. Auch Fahrten auf der Rhein-Rhone-Strecke nach Südfrankreich könne man sich von 2012 an gut vorstellen. Laut «Welt» kann die SNCF frühestens 2011 auf den gewünschten Routen unterwegs sein, weil der Fahrplan für 2010 schon fertig sei. Die Fahrtrassen werden von der Netztochter der Bahn vergeben. Ramsauer hat nach dpa-Informationen inzwischen Kontakt zum französischen Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau aufgenommen, um «eine Vertrauensbasis» zwischen beiden Ressorts schaffen. Über die Markt-Liberalisierung auf der Schiene soll dabei noch nicht gesprochen worden sein. Trotz mehrerer Liberalisierungsschritte für den Wettbewerb der Bahnen in der EU - sie betrafen zunächst den Güterverkehr auf der Schiene - und trotz Kritik auch der EU-Kommission konnte Frankreich bisher nicht zur Beseitigung der krassesten Ungleichgewichte umgestimmt werden.
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