 Die
korruptesten Länder Jack Gage,
03.20.09, 17:45 UHR EDT
Auf
der Suche nach Wohlstand? Wenn Sie nicht gerade Wunder vollbringen
können, sollten Sie sich lieber von diesen wirtschaftlichen
Sumpflöchern fernhalten.
Die
Korruption ist auf dem Vormarsch. 2008 war die Anzahl der Länder, die
immer tiefer und tiefer in den Sumpf von Einflussnahme, Bestechung und
skandalösen Geschäftsdeals geraten, doppelt so hoch wie diejenigen, die
sich in diesem Bereich verbesserten. Dabei überwogen die Länder, die in
der Rangliste um mehr als 10 Plätze nach unten rutschten, diejenigen,
die Plätze gutmachten, um 8,5 zu 1.
Tschad setzte
sich in dem
diesjährigen Bericht an die Spitze der Abwärtsspirale. Mit seiner
starken Abhängigkeit von ausländischer Unterstützung (größtenteils bei
der Erdölförderung) erhält der Nachbar des Sudans schlechte Noten für
Korruption in den Reihen der Regierungsbeamten – wohl kaum eine
Überraschung angesichts der Militärdiktatur, die das Land seit 19
Jahren beherrscht.
In Bildern: Die
besten Länder fürs Geschäft, 2009 Die
innovativsten Länder Europas Die
patriotischsten Länder der Welt Die
am härtesten arbeitenden Länder der Welt Die
gefährlichsten Länder der Welt (Links zu Forbes.com, engl.)
Nr.
2? Das zentralasiatische Land Kirgisistan, wo Präsident Kurmanbek
Bakiyev sich mit wachsendem Widerstand konfrontiert sieht. Den
Siedepunkt erreichte die Stimmung mit den vor kurzem vorgebrachten
Anschuldigungen, dass seine Regierung die Ermordung eines ehemaligen
Regierungsbeamten veranlasste. Weitere Länder in den Top 10 sind
Aserbaidschan, Venezuela, Kambodscha und Ecuador.
Der
lähmende
Einfluss der Korruption ist auch in der Wirtschaft spürbar: Mehr als 5
% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts, also 2,6 Billionen US-Dollar,
wurden einem aktuellen Bericht der Weltbank zufolge geschmuggelt, für
Bestechungsgelder verwendet oder dem Steuerzahler gestohlen. Für
gesetzestreue Unternehmen kann der Standortwechsel von einem Gebiet mit
geringer Korruption in ein Land, in dem sich Unternehmen und Regierung
weniger Sorgen um Rechtschaffenheit machen, zusätzliche Steuern von 20
% bedeuten, die zu den normalen Kosten für die Führung eines
Unternehmens hinzukommen.
Experten für
sozioökonomische Risiken
der Eurasia Group warnen zudem vor dem verheerenden Effekt auf
ausländische Investitionen. Besonders in Zeiten einer schleppenden
Konjunktur – und in zahlreichen Industrienationen einer Rezession –
kann die zusätzliche Bremse des Misstrauens von Investoren und
Unternehmern einen hohen Tribut fordern.
Zur Slideshow (auf Forbes.com, engl.)
„Korruption
stellt das größte Hindernis für wirtschaftliche und gesellschaftliche
Entwicklung dar“, so Fluor Corp. CEO Alan L. Boeckmann in dem
Bericht.
Die Länder mit dem höchsten
Korruptionsrisiko sind
oftmals diejenigen, die von verzweifelter Armut betroffen sind, denn
hier können Entwicklungshilfe und Fördergelder problemlos über die
geheimen Kanäle unterdrückerischer Regimes umgeleitet werden. Fazit:
Korruption kann sich nicht nur negativ auf die Wirtschaft auswirken,
sondern auch die Lebensqualität von Millionen von Menschen
beeinträchtigen.
„Korruption ist einer der
Hauptgründe für die
Verletzung von Menschenrechten“, erklärte Irene Khan, Generalsekretärin
von Amnesty International, in einem im Dezember 2008 veröffentlichten
Bericht der Antikorruptionsorganisation Transparency International.
Ein
von Khan angeführtes Beispiel ist Simbabwe, das ärmste Land der Welt
mit einem BIP von nur 200 US-Dollar pro Kopf. Die afrikanische Nation
fiel – dem von TI wahrgenommenen Korruptionsniveau zufolge –
unter den 127 Ländern unserer Rangliste um 13 Plätze nach unten.
Präsident Robert Mugabe wurde in vor kurzem veröffentlichten Berichten
beschuldigt, mehr als 7 Millionen US-Dollar an Entwicklungshilfe
gestohlen zu haben. Diese war für die Verteilung von Medikamenten
gedacht, um unter anderem die in der Region immer noch weit verbreitete
Krankheit Malaria zu bekämpfen. Stattdessen verwendete Mugabe diese
Gelder angeblich zur Finanzierung politischer Aktivitäten.
Selbst
in Industrieländern findet sich Korruption häufig bei der Vergabe von
Regierungsprojekten – und innerhalb von etablierten Unternehmen.
Italien fiel in der Kategorie Korruption um 12 Plätze nach unten,
nachdem die Regierung ein Gesetz verabschiedete, das hochrangigen
Beamten Immunität gegen jegliche Strafverfolgung gewährte, während sich
diese im Amt befinden. Wohl nicht ganz zufällig war Ministerpräsident
Silvio Berlusconi gerade Gegenstand laufender Ermittlungen in Bezug auf
die Zahlung von mehr als 500.000 US-Dollar aus ungenannten Quellen an
den Ehemann der britischen Olympia-Ministerin.
Auch
die
Standards von Japan und Kanada lassen dem 2008 veröffentlichten Bericht
von Transparency International zufolge im Hinblick auf die Durchsetzung
der vereinbarten G7-Richtlinien für Bestechungsgelder von ausländischen
Unternehmen zu wünschen übrig. TI konnte in den beiden Ländern
lediglich jeweils einen Fall finden, dem die Landesbehörden nachgingen
– im Vergleich zu mehr als 40 Untersuchungen in Deutschland, 19 in
Frankreich und 16 in der Schweiz.
Bestimmte
Industriebereiche
scheinen ebenfalls besonders anfällig für Korruption zu sein, da sich
mit einem höheren Maß an Bürokratie oft auch die Wahrscheinlichkeit
eines Missbrauchs erhöht. TI zufolge zeigen Bereiche wie öffentliche
Bauprojekte, Abwasserprojekte, Öl- und Gasgewinnung sowie
Verteidigungsaufträge die höchste Neigung zum Missbrauch von
öffentlichen oder Investorengeldern.
Zur Slideshow (auf Forbes.com, engl.)
|