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Richtig anlegen für Ihr Kind
von Hannah Wilhelm

Donnerstag 01. Dezember 2005, 08:00 Uhr

Babyss sind die idealen Langfristanleger. Wohlmeinende Eltern oder Großeltern sollten daher schon früh mit dem Vermögensaufbau für den Nachwuchs beginnen.

Kinder sind in der Anschaffung billig, im Unterhalt dagegen teuer, so ein Bonmot. Wie legt man also am besten Geld für den Nachwuchs an, damit der später sorgenfrei studieren kann? Denn Bildung ist wichtiger denn je - und teuer. Rund 40 000 Euro kostet ein Studium im Schnitt, so eine Untersuchung des Bundesbildungsministerium.

Um den Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, ist es sinnvoll, möglichst früh mit dem Sparen anzufangen. Wer es sich leisten kann, legt zum Beispiel regelmäßig das Kindergeld oder noch mehr zurück. Doch bei der Geldanlage für den Nachwuchs sind die Deutschen erstaunlich einfallslos: Oft landet das Geld ohne Aussichten auf große Renditen auf Sparbüchern, in unflexiblen und renditeschwachen Lebens- oder Ausbildungsversicherungen oder in Bausparverträgen. Fälschlicherweise übertragen viele wichtige Erziehungsgrundsätze auf die Geldanlage: Ein kleines Kind braucht Sicherheit und Geborgenheit.



Die richtige Anlagestrategie entscheidet

Doch zuviel Sicherheit ist die falsche Anlagestrategie. Denn beim Investieren für den Nachwuchs sollten wohlmeinende Eltern oder Großeltern unbedingt einen Vorteil nutzen: Gerade kleine Kinder sind die idealen Langfristinvestoren. Ihr extrem langer Anlagehorizont bietet die einmalige Chance, auf risiko-, dafür aber ertragsreiche Anlageformen wie Aktien und ktienfonds zu setzen. Auch die Faustregel des Börsengurus André Kostolany besagt: Lebensalter minus 100 ergibt die empfohlene Aktienquote im Depot. Bei einem Neugeborenen macht das 100 Prozent in Aktien. Der mit 93 Jahren verstorbene Kostolany witzelte gern über sein Portfolio - das bis zu seinem Tod aber seiner eigenen Regel zum Trotz großteils aus Aktien bestand.

Ein junger Sparer mit langem Anlagehorizont darf also ein höheres Risiko eingehen als ein älterer. "Das Portfolio sollte flexibel und gut handelbar sein, um auf außergewöhnliche Ereignisse rasch reagieren zu können. Zudem sollten jederzeit einmalige Spenden von Onkeln oder Tanten eingebaut werden können", rät Felix Hötzinger, Leiter der Vermögensverwaltung der Weserbank. Er warnt vor den Anlageratschlägen vieler Kollegen in Banken und Sparkassen: "Große Institute sind in ihrer Beratung an die Vertriebsvorgaben gebunden - sie denken nicht an die Kunden. Banksparpläne zum Beispiel sind nutzlos."

Geübte Anleger können für Babys grundsätzlich individuell in Aktien sparen. Ideal sind Werte mit einer hohen Dividendenrendite. Doch eine Anlage in Einzelwerte eignet sich nur für Börsianer, die sich auch regelmäßig um das Depot kümmern. Wem das zu zeitaufwendig ist, sollte auf andere Sparformen setzen.

Wer auf bequeme Weise regelmäßig etwas zurücklegen möchte, greift besser zu Fondssparplänen - vorzugsweise Fonds mit hohem Aktienanteil. Sie lassen sich bei den meisten Banken schon mit Sparraten von 50 Euro besparen und sind jederzeit kündbar, so dass man in Notfällen an das Geld kommt. Geldgeschenke können ebenfalls schnell angelegt werden. "Für die Mehrzahl der Baby-Sparer macht die Diversifikation über einen Fonds am meisten Sinn", rät Michael Reuss von der Münchener Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen. "Am besten entscheidet man sich einmal für einen guten Mischfonds." Für seine eigenen Kinder hat er allerdings zu einem aggressiveren Vehikel gegriffen: einem Türkeifonds. "Das ist die letzte große Konvergenzgeschichte in Europa. Doch da muss man stets am Ball bleiben."


Grischa Stelzer von der Stuttgarter Vermögensverwaltung Advertum verfolgt für seine eigenen Kinder eine ähnliche Strategie. "Für meinen Sohn kann ich das Risiko verantworten, bei Fremden nicht."


Fast ebenso wichtig wie die Wahl des richtigen Finanzprodukts ist die Frage, wofür das Kind Geld angelegt werden soll. Banken oder Discountbroker offerieren zahlreiche Sonderkonditionen für minderjährige Depotinhaber. Für die Eröffnung eines solchen Depots wird neben den sonst üblichen Unterlagen im Regelfall eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes verlangt. Außerdem müssen sich die Eltern mit ihren Personalausweisen per Post-Ident-Verfahren legitimieren.



Steuerliche Gesichtspunkte beachten

Wer für ein Baby spart, sollte auch steuerliche Gesichtspunkte nicht aus den Augen lassen. Entscheidend dafür ist, auf wen das Konto offiziell eingetragen ist. Steuerlich empfiehlt es sich, das Konto im Namen des Kindes zu eröffnen. Dann hat das Kind allerdings die alleinige Verfügungsgewalt über das Geld, wenn es einmal volljährig ist. Wenn das sorgfältig fürs Studium gesparte Geld dann für eine Reise zu einem Guru nach Indien oder für ein Jahr Faulenzen nach dem Abi verwendet wird, haben die Eltern keine Handhabe mehr. "Ich empfehle meinen Kunden, mit ihren Kindern, wenn sie ins Teenageralter kommen, einen Vertrag über die Verwendung zu machen", sagt Hötzinger. "Das zieht meistens, auch wenn es rechtlich nicht bindend ist."

Als Alternative zu Fonds lassen sich auch Indexzertifikate besparen. Denn statistisch betrachtet schlagen nur 20 Prozent der Aktienfonds jährlich ihren Vergleichsindex. Ein Aktienfonds ist stets nur so gut wie sein Management - und das kann auf Sicht von 20 Jahren häufig mal wechseln. Umgekehrt bilden Indexzertifikate einen Markt eins zu eins ab. Anleger erzielen daher immer die Marktrendite, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr wie unter Umständen mit einem Fonds.

"Ich bin bei Zertifikaten bei einer Laufzeit von 18 Jahren skeptisch", sagt Vermögensverwalter Stelzer. "Sie sind zu statisch.

Langfristige Renditechancen der Aktienanlage hin oder her - wer bei zwischenzeitlich stärkeren Kursschwankungen nicht ruhig schlafen kann, muss trotzdem nicht gleich zum Bausparer oder zum Banksparplan greifen. Auch wenn die Banken sich einiges einfallen lassen, um diese Produkte zu promoten.



Auch risikobewusste Anleger werden fündig

Als gute Alternative für risikobewusste Anleger bieten sich eher festverzinsliche Wertpapiere des Emittenten Bundesrepublik Deutschland an. Auch als Diversifikation zu einem riskanteren Fonds kann ein Rentenpapier angebracht sein. Bundesschatzbriefe, die aktuell eine Rendite von 3,04 Prozent (Typ A) bieten, können kostenfrei bei der Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg gelagert und regelmäßig bespart werden.

Keine empfehlenswerten Alternativen für den Vermögensaufbau von Kindern sind indes Kapitallebensversicherungen, die häufig unter dem Namen Ausbildungsversicherung angepriesen werden. Die Renditen sind meist mäßig, man bindet sich auf Jahre und im Notfall kommt man nur unter herben Einbußen an sein Geld. "Lebensversicherungen sind Nonsense", sagt Vermögensverwalter Michael Reuss. "Sie sind unter Renditegesichtspunkten nicht attraktiv und sie kassieren viele versteckte Gebühren, die der Kunde nicht sieht", so Reuss. Von 100 Euro Prämie fließen nur 70 bis 80 Euro in die Kapitalanlage - der Rest geht für Verwaltung, Unternehmensgewinne oder Provisionen drauf. Von einer solchen Anlage hat Ihr Kind im Zweifelsfall also weniger als Ihr Bankberater.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie in der aktuellen Titelgeschichte des Anlegermagazins BÖRSE ONLINE, Ausgabe 49. Lesen Sie dort unter anderem, welche Fonds und Zertifikate Experten empfehlen, bei welchen Banken und Discountbrokern es gute Konten für Minderjährige gibt und welche Versicherungen Sie für Ihr Kind brauchen.

Die aktuelle Ausgabe BÖRSE ONLINE bekommen Sie ab 1. Dezember 2005 am Kiosk. Oder Sie bestellen das Heft unter www.boerse-online.de



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